CD-Review: Bethlehem - Bethlehem

Besetzung

Onielar – Gesang
Karzov – Gitarre
Jürgen Bartsch – Bass
Wolz – Schlagzeug

Tracklist

01. Fickselbomber Panzerplauze
02. Kalt‘ Ritt in leicht faltiger Leere
03. Kynokephale Freuden im Sumpfleben
04. Die Dunkelheit darbt
05. Gängel Gängel Gang
06. Arg tot frohlockt kein Kind
07. Verderbnisheilung in sterbend‘ Mahr
08. Wahn schmiedet Sarg
09. Verdammnis straft gezügeltes Aas
10. Kein Mampf mit Kutzenzangen


Lange waren BETHLEHEM der Prototyp der Underground-Band: von wenigen vergöttert, von vielen gehasst, den meisten gar kein Begriff. Irgendwann waren sie dann weg, irgendwann wieder da und auf einmal in aller Munde. Auf den kurzen Hype folgte eine mehr als enttäuschende Neueinspielung ihres Kult-Albums „Sardonischer Untergang im Zeichen irreligiöser Darbietung“, kurz „S.U.i.Z.i.D.“, unter dem nicht minder sperrigen Titel „A Sacrificial Offering To The Kingdom Of Heaven In A Cracked Dog’s Ear“, mit Niklas Kvarforth am Gesang. Wenig später kvar Niklas wieder forth und BETHLEHEM vollendeten  unter den Fittichen von Prophecy Productions mit „Hexakosioihexekontahexaphobia“ zwölf Jahre nach „Mein Weg“ ihre mit „Schatten aus der Alexander Welt“ begonnene Dark-Metal-Trilogie. Und dann waren sie wieder weg: „Game over ! […] We’re done for the moment or forever“ schrieb Bandkopf Bartsch in einem Statement im Mai 2015.

Eineinhalb Jahre später kann von „done forever“ oder „Game over“ keine Rede mehr sein: Mit einem kräftigen Rülpser melden sich BETHLEHEM zurück. Auf einem brandneuen Studio-Album, mit dem wohl niemand mehr so wirklich gerechnet hätte und für das es wohl keinen passenderen Titel gegeben hätte als schlicht „Bethlehem“. Was die um Bartsch gänzlich neu formierte Truppe hier nämlich in zehn Songs und gut 50 Minuten abliefert, ist schlichtweg der Inbegriff dessen, wofür der Name BETHLEHEM seit 1991 steht. Denn nicht nur Titel wie „Fickeselbomber Panzerplauze“ können guten Gewissens als die lange ersehnte Rückbesinnung auf „S.U.i.Z.i.D.“ gewertet werden.

Auch musikalisch sind BETHLEHEM 2016 wieder dort angekommen, wo ihre Fans sie wohl am liebsten sehen: Während der Opener noch punkig-primitiv alle jene provoziert, für die BETHLEHEM immer schon bloß verrückte Nichtskönner waren, ist bereits „Kalt‘ Ritt in leicht faltiger Leere“ nichts minder denn ein Hit: Auf einen schmissigen Melodielauf, der (etwas sauberer gespielt) auch von Melechesh stammen könnte, lassen BETHLEHEM brachiales Riffing folgen, das durch einen beeindruckend sinistren Piano-Part sowie einen Midtempo-Part mit grandioser Melodie aufgerissen wird. Bereits hier ist jedoch klar, wer der eigentliche Star des Albums ist – gelingt es Sängerin Onielar doch perfekt und mit einer Vielseitigkeit, die man von ihrer Stammband Darkened Nocturn Slaughtercult nicht gewohnt ist, den Wahnsinn, der die Musik von BETHLEHEM stets begleitete, in Laute zu fassen: Geflüsterte Bösartigkeiten zu lieblichen Klängen („Kynokephale Freuden im Sumpfleben“) beherrscht sie ebenso wie harschen Gesang zu schroffem Riffing („Die Dunkelheit darbt“) – ohne dabei jedoch die Absurditäten der Texte durch Unverständlichkeit zu maskieren.

So vielseitig wie der Gesang fällt das gesamte Album aus: Gekonnt schwenken BETHLEHEM von grobem Black Metal auf melancholische Cleanparts, überraschen mit allerlei textlichen und musikalischen Skurrilitäten (wie in „Gängel Gängel Gang“, um nur ein Beispiel zu nennen) und schaffen es trotz aller Verschrobenheit dennoch, ein leicht zugängliches Album abzuliefern: „Bethlehem“ ist verrückt, keine Frage. Dabei jedoch absolut rund und – viel beeindruckender noch: eingängig. Verantwortlich dafür sind vor allem die unzähligen geschickt arrangierten Melodieführungen (exemplarisch: „Kein Mampf mit Kutzenzangen“), die die Stücke mitunter zu echten Ohrwürmern machen.

Vergeben der unsägliche „S.U.i.Z.i.D.“-Re-Release, vergessen das ungewohnt konventionelle Dark-Metal-Album „Hexakosioihexekontahexaphobia“ – mit ihrem völlig zu recht selbstsicher selbstbetitelten Album melden sich BETHLEHEM einmal mehr aus der Versenkung zurück. Aber diesmal genau so, wie man es sich all die Jahre nicht zu wünschen gewagt hätte: Stärker denn je. Denn sieht man vom vollkommenen Fehlgriff beim Artwork ab, ist „Bethlehem“ mit der Atmosphäre der Frühwerke, überraschend großem musikalischem Geschick und einem absolut zeitgemäßen, kraftvollen Sound wohl das perfekte BETHLEHEM-Album.

Bewertung: 9 / 10

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