CD-Review: Bloodred Hourglass - Your Highness

Besetzung

Jarkko Koukonen - Gesang
Lauri Silvonen - Gitarre
Joni Lahdenkauppi - Gitarre
Eero Silvonen – Gitarre
Jose Moilanen - Bass
Jarkko Hyvönen - Schlagzeug

Tracklist

01. Leaves
02. Drag Me The Rain
03. Nightmares Are Dreams Too
04. Leave Out All The Rest
05. Veritas
06. Tell Me About Yesterday Tomorrow
07. Change Of Heart
08. Gone For Now
09. Kings & Queens
10. My Prime Of Kneel
11. Until We Meet Again


Bloodred Hourglass - Your Highness

Über die letzten Jahre haben sich BLOODRED HOURGLASS einen guten Namen erarbeitet. Vor allem mit den beiden letzten Alben „Heal“ (2018) und „Godsend“ (2019) kamen sie damit in der Melo-Death-Szene durchweg gut an. Können die Finnen mit ihrem fünften Album „Your Highness“ nun den großen Durchbruch schaffen?

Zumindest bei der optischen Präsentation gibt es Änderungen: Die gewohnten, kitschigen Engelartworks mussten ebenso wie der ikonische BRHG-Schriftzug weichen. Band- und Albumname finden ihren Platz in seriöser Serifenschrift unter einem dann doch wieder kitschigen Artwork, das eher an Metalcore erinnert und damit ein wenig in die Irre führen kann.

Musikalisch dagegen wandelt „Your Highness“ größtenteils auf bekannten Pfaden. „Leaves“ beginnt mit bedächtigen Keyboardklängen und entfaltet mit dem ersten Ton des ersten Riffs direkt eine wohlig-melancholische Insomnium-Atmosphäre. Sobald Jarkko Koukonen singt, erinnert er unweigerlich an Alexi Laiho: seine Screams klingen enorm nach dem verstorbenen Children-Of-Bodom-Frontmann, möge er in Frieden ruhen. Musikalisch kommen außerdem Werke von In Flames und Kalmah Anfang/Mitte der 2000er in den Sinn. Auch Dark Tranquillity mischen im Namedropping-Pool mit: Bei Klargesängen wie in „Leave Out All The Rest“ tönt Koukonen nach Mikael Stanne Ende der 90er und musikalisch wecken BLOODRED HOURGLASS durchaus Erinnerungen an die treibende Kraft der 2002er Dark-Tranquillity-Scheibe „Damage Done“.

„Nightmares Are Dreams Too“ zeigt dann die ganze Kitschigkeit von BLOODRED HOURGLASS auf: Die flirrenden Riffs werden von einer dicken, kuschligen Keyboarddecke umhüllt und die akustischen Gitarrenharmonien, die so schon des Öfteren von Amorphis vorgetragen wurden, bilden ein zuckersüßes, hochmelodisches warmes Bettchen für die Songstruktur. Das ist aber tatsächlich überhaupt nicht schlimm, sondern macht unverschämt viel Spaß. Ständig ertappt man sich dabei, wie man zur Musik wippt, nickt, summt und einfach Freude daran hat.

Das ganze Album trieft nur so vor Lieblichkeit und ist dermaßen voller Zucker, dass einem beim Hören fast die Zähne schmerzen. Aber es ist wie mit einer Tafel Schokolade, die schaufelt man sich auch gerne rein und mag nicht damit aufhören. BLOODRED HOURGLASS sind eben die Vollmilchschokolade unter den hochmelodischen Melodic-Death-Metal-Bands. Mit „Your Highness“ machen die Finnen nichts neu oder überraschend, aber auch nichts grundlegend verkehrt. Das ist gefällig, eingängig und hört sich schlicht und einfach gut weg. Es wirkt nur, als wäre die Combo eine ambitionierte, talentierte Coverband, die Medleys ihrer liebsten Melodic-Death-Metal-Songs spielt. Das ist zwar nett, für die Speerspitze des Genres langt es dadurch für BLOODRED HOURGLASS aber nicht. Dafür fehlt es zu sehr an Mut zur Eigenständigkeit und eigener Identität.

YouTube

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.
Mehr erfahren

Video laden

Bewertung: 7 / 10

Geschrieben am

3 Kommentare zu “Bloodred Hourglass – Your Highness”

  1. Doro

    Hi Stefan, dein Review trifft es genau! Mit dem letzten Album hatte ich gehofft, dass sie sich endlich von den Vorbildern lösen und eigenständiger werden. Dieses Album ist leider genau das Gegenteil geworden. So wie ich es mir aus verschiedenen Quellen zusammenreime hat nach Godsend aber auch ihr Songwriter Antti die Band verlassen. Ist für mich eine Erklärung, die Songs sind meines Erachtens einfallsloser.
    Ohne ihnen jetzt Eingängigkeit und Spaßfaktor absprechen zu wollen…ist auf jeden Fall solider MeloDeath!

    1. Moritz Grütz

      Ja, irgendwie wäre nach dem letzten Album wirklich der Punkt erreicht gewesen, an dem sie was neues hätten bringen müssen. Stattdessen ein wirklich belangloses Album, dem ich persönlich vermutlich sogar noch 0.5-1 Punkte weniger gegeben hätte – einfach aus Enttäuschung daraus, dass die Band trotz großen Potenzials nicht über „soliden“ MeloDeath hinauskommt.

      1. Stefan Popp Beitragsautor

        Da es halt dennoch Spaß macht und gut gemacht ist, hab ich die in dem Fall maximale 7 dann doch vergeben. BRHG sind nach fünf Alben aber jetzt an einem Punkt, an dem man die Hoffnung wohl aufgeben muss, dass sie die Kurve noch kriegen und in Zukunft noch was wirklich Interessantes machen.

Antworten

Your email address will not be published. Required fields are marked *

You may use these HTML tags and attributes: