Für die Groove-Metal-Veteranen DEVILDRIVER waren die letzten zehn Jahre wohl die turbulentesten der Bandhistorie. Das Besetzungskarussell drehte sich in munterer Konsequenz, was zuletzt mit dem Ausstieg des Gründungsgitarristen Mike Spreitzer ein vorläufiges Ende fand. Unter dem ganzen Trubel der vergangenen Jahre war auch nicht jedes Album ein Treffer. Mitunter konnte man sogar den Eindruck gewinnen, bei DEVILDRIVER sei ein wenig die Luft raus. Nun will die Truppe mit Original-Bassist Jon Miller zurück an Bord und ihrem neuen Album „Strike And Kill“ wieder ein Ausrufezeichen im Extreme Metal setzen.
Und was soll man sagen? Schon der Einstieg mit den Songs „Dig Your Own Grave“ und „Dead In The Water“ lässt erahnen: DEVILDRIVER bellen nicht mehr – sie beißen endlich wieder. Ersterer startet direkt mit einer walzenden Wand aus den Gitarren von Alex Lee und Gabe Mangold, unterlegt vom bauchigen Bass Millers und den treibenden Drums von Schlagzeuger Davier Ortega Perez. Dez keift und brüllt so kraftvoll, als wäre es sein erstes Album mit DEVILDRIVER, und die fein eingewobenen Melodien sorgen gleichzeitig für starke Vibes in Richtung „Beast“ und „Pray For Villains“. Nicht weniger brachial schließt sich „Dead In The Water“ an, das nicht nur mit tollen Leads überzeugt, sondern auch einige Nuancen von Melodic Death Metal einfließen lässt, während sich der Refrain gnadenlos durch den Gehörgang groovt.
Dass DEVILDRIVER aber auch stilvoll anders können, zeigt beispielsweise ein Stück wie „In The Moonlight“. Zunächst könnte man meinen, die Truppe habe einen Ausflug in den Alternative Metal unternommen. So modern wie wirkungsvoll sind hier die Melodien, und Dez stimmt überraschend passend Klargesang an, bevor der Track beinahe unverschämt wuchtig und groovend die gewohnten Töne anschlägt. Apropos Anschlag: Der Bass von Jon Miller hat bei dieser Nummer einen sagenhaften Punch. Genauso empfehlenswert ist auch das kurzweilige „Summoning Shadows“. Dessen ruhiger, über Akustikgitarren inszenierter Start und die starken Gitarrenmelodien schaffen eine bewusste Atempause, während die breakdownartigen Rhythmen von „Sanctified Scars“ und „Strike And Kill“ in jedem Moshpit zünden dürften.
Eines muss dennoch angemerkt werden: Die Basis des neuen DEVILDRIVER-Albums bleibt durchweg dieselbe. Treibende Rhythmen wechseln sich mit Hochgeschwindigkeitspassagen ab, und spätestens zur Albumhälfte ist das Konzept klar. Mit Songs wie „Headed For The Fall“, „Shut The Silence On“ und „Never Coming Home“ präsentieren sich die Kalifornier nicht zwangsläufig schlechter, gemessen an den großartigen Vorgängern aber mindestens gefällig. Zugegeben, Gefälligkeit ist ein großes Wort, vor allem wenn im Anschluss Stücke wie „You’re Just A Ghost“ mit treibenden Beats und einem düsteren Refrain überzeugen oder der Rausschmeißer „All Bets Are Off“ deutliche Bezüge zu „Desperate Times“ („Winter Kills“) aufs Feld führt und „Strike And Kill“ damit heftig groovend seinem Ende entgegentreibt.
„Strike And Kill“ ist für DEVILDRIVER 2026 im wahrsten Sinne programmatisch zu verstehen. Lange hat man die Formation um Dez Fafara nicht mehr so aggressiv und energiegeladen erlebt. Das neue Album ist gewissermaßen ein moderner Querschnitt durch die Diskografie der Band. Vom Groove des Debüts über die bockstarken Melodien von „Pray For Villains“ und „The Last Kind Words“ bis hin zur schieren Wut, die „Beast“ und „The Fury Of Our Maker’s Hand“ in sich trugen, bringt der Fünfer alles auf den Teller, was man von einem starken DEVILDRIVER-Album erwarten darf.
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Wertung: 8.5 / 10


