Review Ellereve – Umbra

ELLEREVE, das Soloprojekt der Münchner Musikerin Elisa Giulia Teschner, begann ursprünglich als ruhiges Singer-Songwriter-Ventil. Eine leise, melancholische Stimme, die zwischen Folk, Ambient und Post-Rock schwebte. Mit den ersten Veröffentlichungen machte sich ELLEREVE schnell einen Namen in der alternativen Szene und wagt mit „Umbra“ einen Schritt in dunklere Gefilde.

Der Titel, lateinisch für „Schatten“, steht sinnbildlich für das, was ELLEREVE auslotet, also den Raum zwischen Licht und Finsternis, zwischen Verletzlichkeit und Stärke. Bereits der Opener „An Avalanche Of Shudders“ lässt erkennen, dass ELLEREVE ihr Klangspektrum erweitert hat. Sphärische elektronische Ambient-Flächen treffen auf organische Gitarren. Der Song baut sich langsam auf, lässt Atem holen und drängt dann eruptiv nach außen.

Im Verlauf des Albums entfaltet sich dieses Wechselspiel zwischen leisen Momenten und Wucht immer wieder. „Irreversible“ etwa vereint die schwebende Schönheit von Shoegaze mit der emotionalen Tiefe des Post-Metal. Teschners Stimme wirkt dabei fast brüchig und bewegt sich zwischen Schmerz und Trost. In „The Funeral“ dominiert schließlich die Schwärze. Schwere Gitarren, getragene Rhythmen und ein Gesang, der zugleich klagend und befreiend klingt. Hier erinnert ELLEREVE an Künstlerinnen wie CHELSEA WOLFE oder EMMA RUTH RUNDLE, ohne in deren Schatten zu treten.
Was „Umbra“ besonders macht, ist seine authentische Emotionalität. Aufgrund ihrer Internetpräsenz musste sich ELLEREVE bereits gelegentlich ein gewisses Kalkül unterstellen lassen, doch spätestens mit diesem Album wird man eines Besseren belehrt. In Songs wie „Lost In Longings“ oder „Unravel“ zeigt sich ELLEREVEs Gespür für Atmosphäre. Man spürt, dass diese Musik nicht vordergründig gefallen will, sondern Ausdruck eines Prozesses ist. Kritisch anmerken könnte man, dass manche Übergänge zwischen den ruhigen und den lauten Passagen etwas abrupt wirken und manchmal kurzzeitig die Spannung aus dem Songwriting nehmen.

Insgesamt ist „Umbra“ aber ein Werk, das gleichermaßen begeistert und berührt. ELLEREVE hat ihren Sound neu definiert. Nicht als Bruch, sondern als organische Weiterentwicklung. Aus introspektivem Folk ist ein dunkler, vielschichtiger Klangkörper geworden, der Post-Metal, Shoegaze und Ambient auf eindrucksvolle Weise vereint. „Umbra“ ist der Beweis, dass Tiefe und Wucht keine Gegensätze sind, sondern sich ergänzen können.

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Wertung: 8 / 10

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2 Kommentare zu “Ellereve – Umbra

  1. Ich höre das Album seit 1 Woche in Dauerschleife und werde nicht müde. Für mich die Überraschung des Jahres. 9/10 Punkte. Artwork, Stimme und Atmosphäre bilden eine Einheit. Für Fans von Alcest… Sylvaine und Heretoir sehr zu empfehlen 🥀🖤

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