CD-Review: In Flames - Battles

Besetzung

Anders Friden - Gesang
Bjorn Gelotte - Gitarre
Niclas Engelin - Gitarre
Peter Iwers - Bass
Joe Rickard - Schlagzeug

Tracklist

01. Drained
02. The End
03. Like Sand
04. The Truth
05. In My Room
06. Before I Fall
07. Through My Eyes
08. Battles
09. Here Until Forever
10. Underneath My Skin
11. Wallflower
12. Save Me


Ein quietschbunter Radiergummischädel, der vor den unendlichen Weiten des All materiell wie farblich mit den ihn haltenden Händen verschmilzt – so stellen sich IN FLAMES scheinbar die perfekte Visualisierung des Begriffs „Battles“ vor. Das sollte einem vielleicht zu denken geben. Aber gut, preisverdächtig sind die Cover der Schweden ja schon lange nicht mehr. Böse Zungen behaupten, seit es auch musikalisch abwärts ging. Doch wie dem auch sei – am Ende zählen die zwölf Songs, die Björn Gelotte und Anders Friden in den zwei Jahren seit dem Release von „Siren Charms“, vornehmlich übrigens in Los Angeles, geschrieben und aufgenommen haben. „Augen zu und abgespielt“ lautet also die Devise.

Mit dem Opener „Drained“ setzen IN FLAMES gleich eine Duftmarke: Melodisch und hart, gefühlvoll und rasant zugleich, zeigt das Stück, wo IN FLAMES sich heute sehen. Dabei klingt der Song jedoch nicht wie ein Hit, sondern wie alle: Die abrupten Umbrüche verleihen dem Stück eher den Charakter eines Medleys – für einen Appetitanreger gar nicht mal verkehrt. Das folgende „The End“ hingegen geht als echter Hit durch: Die griffige Gitarrenarbeit im stets unverkennbar gebliebenen IN-FLAMES-Stil weiß zu gefallen, das Highlight des Songs ist ein Chorus mit enormem Ohrwurm-Potential. Der überflüssige, weil unnötig kitschige Background-Chor? Geschenkt. Denkt man. Wäre dieser ein einmaliger Ausrutscher, nicht ein immer wiederkehrendes Element. Und selbst das wäre verkraftbar. Wäre es nicht symptomatisch für „Battles“.

Wer nämlich mit dem Begriff „Battles“ automatisch Krieger, Blut und Testosteron verknüpft oder zumindest erwartet hätte, dass IN FLAMES unter diesem Titel wieder hart zur Sache gehen, wird enttäuscht. Vielmehr ficht Friden hier allenfalls einen emotionalen, inneren Kampf mit dem Leben, dem Universum und dem ganzen Rest aus – lyrisch aufgearbeitet in pseudo-philosophischen Texten mit dem Tiefgang einer Ente: „I believe that the whole wide world is against me – I, I, I believe that the whole wide world is afraid of me“ jammert Friden im zumindest musikalisch recht abwechslungsreichen „Like Sand“ – „I am far from lonely but without you I’m a mess“ in der klischeehaft-kitschig „Here Until Forever“ betitelten Quoten-Schnulze.

Wie schon beim Cover ließe sich wohl auch über die Texte geflissentlich hinwegsehen – wäre es nur das Cover, wären es wirklich nur die Texte. Allerdings geht die Musik mit diesen Hand in Hand. Vor allem Fridens Gesangsführung verdient sich dabei ein ums andere Mal das Prädikat cheesy – und auch, dass den Stücken inflationär oft Background-Chor beigemixt wird, trägt nicht eben zur Stärkung der Metal-Attitüde der Songs bei. Seinen absoluten Tiefpunkt hat das Album aus genau diesen Gründen beim plakativ-poppigen „The Truth“ – aber auch „Wallflower“ oder „Save Me“ werfen Wattebäusche in dieselbe Kerbe.
Dazwischen verstecken sich – leider sehr gut – auch einige Lichtblicke: „Before I Fall“ etwa, als abwechslungsreicher IN-FLAMES-Song, „Underneath My Skin“ durch seinen modernen, stilistisch erfrischend andersartigen Charakter oder das wirklich schmissige „Through My Eyes“, das mit viel Aggressivität in Gesang und Riffing zu gefallen weiß: Selbst der kraftvolle Clean-Refrain weiß hier zu begeistern – nicht zuletzt, da bei der Gesangslinie zur Abwechslung mal nicht gleich klar ist, wohin die Reise geht. Und selbst der Titeltrack kann trotz hohem Düdel-Faktor zumindest mit großer Eingängigkeit punkten.

Zugegeben, alles in allem ist „Battles“ objektiv betrachtet wieder etwas härter als sein Vorgänger „Siren Charms“. Die Vorstellung, damit „sowohl die jüngeren, als auch die Old School IN FLAMES Fans“ zufriedenzustellen, wie es der Pressetext hoffnungsvoll formuliert, dürfte sich jedoch als illusorisch erweisen. Denn subjektiv gesehen setzen IN FLAMES mit „Battles“ ihren Weg in den Mainstream ungebremst fort: Girlandenhaft geschwungene Gesangslinien, plakative Synthesizer, ein poppig-dünner Albumsound und auf maximale Eingängigkeit getrimmte Songs führen scheinbar geradewegs in die kitschige Radio-Welt. Insofern bringt es das Cover alles in allem doch recht gut auf den Punkt: So mancher IN-FLAMES-Fan wird sich im Angesicht dieses Albums an den Kopf fassen.

Bewertung: 5 / 10

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4 Kommentare zu “In Flames – Battles”

  1. sonar

    Pressetexte sind eh wertlos…
    Mir gefällt dieses Album jedoch und ich bin auch Fan der alten und ganz alten Alben. Ich finde man sollte auch mal anerkennen, wenn es eine Band schafft eine bisher nicht dagewesene gute Mischung aus verschiedenen Stilen zu erzeugen und dabei trotzdem noch eindeutig wiederzuerkennen ist.
    Wer mit den neuen Sachen nichts anfangen kann… gut okay… mir gefiel Siren Charms auch nicht, aber In Flames aufgrund ihrer Abwendung vom Melo Death immer noch anzugreifen ist etwas, wo ich mir an den Kopf fasse. Man hackt im Netz einfach gerne auf In Flames herum, obwohl sie eigentlich ganz gute Sachen machen und geile Shows liefern. Wieso wird Dark Tranquillity eigentlich nicht angegriffen, weil sie kein The Gallery II abliefern und die neuen Alben auch viel weicher als die Alten sind?
    Die Lyrics von Friden waren sehr lange auf hohem Niveau. Leider ist das seit Siren Charms abhanden gekommen, wenn man aber von 93′ – 2011 gute Lyrics gehabt hat, ist das zu verzeihen.

  2. Simon Bodesheim

    Weil Dark Tranquillity selbst auf tendenziell schwächeren Alben wie dem neuen immer noch Arbeiten abliefern, die in Sachen Qualität und vor allem Innovation meilenweit über den abgenudelten letzten Werken von In Flames liegen? Dass das neue Album softer ist, heißt ja grundsätzlich nicht, dass es schlecht ist. Dark Tranquillity haben halt seit über 20 Jahren ein konstant hohes Niveau halten können, ohne sich dabei zu kopieren. Und einige Alben kommen ganz nah an „The Gallery“ ran.
    Ich finde ein paar Nummern auf „Battles“ auch echt gelungen. „The End“ und „Through My Eyes“ zum Beispiel sind super, ebenso der Opener. Insgesamt sind aber auch wieder ziemlich viele furchtbare Songs enthalten, die das Album dann doch wieder krass nach unten ziehen. Und wann waren die Lyrics von Friden bitte das letzte Mal wirklich gut…?
    Darüber hinaus greift Moritz In Flames nicht für ihre Abwendung vom Melodeath an. Wenn du mal zum „Siren Charms“-Review rüberschaust, wirst du sehen, dass er dem Album 7 Punkte gegeben hat. :) Es ist einfach das musikalisch banale Songwriting, das auf Battles langweilt und nervt.

    1. sonar

      Vorab: Das habe ich vielleicht missverständlich geschrieben, meinte aber nicht, dass Moritz sie wegen der Abwendung vom Melodeath angegriffen hat. Das war eher auf die allgemeine Bewertung von In Flames im Netz bezogen.

      Come Clarity hatte gute Lyrics. Mein Favourit ist Vaccum. The Mirror’s Truth’s EP hatte gute Lyrics, wenn auch nicht unbedingt A Sense of a Purpose.

      Ich finde nicht, dass DT immer noch so markante Musik wie früher produziert. Die Qualität ist hoch, aber ich könnte hier genauso wie bei In Flames sagen, dass ich gerne wieder etwas in Richtung der älteren Sachen hätte, weil die neuen Sachen nicht so fetzen wie z. B. Punish My Heaven. Aber ich sehe es hier auch so, dass es nicht Aufgabe der Band ist, mich zu bedienen.
      Und das sehen halt viele bei In Flames anders. Damit meine ich aber nicht die gute Diskussion hier, sondern die Kommentare in den „sozialen“ Medien.
      Ich wüsste nicht wo, mit Ausnahme von Siren Charms, In Flames abgenudelt wären. Siren Charms war nicht schlecht, aber das Energielevel war zum Einschlafen. Battles klingt für mich (zum Glück) frisch, metallischer und bei weitem besser ausgearbeitet was das Songwriting angeht. Nur Underneath my Skin nervt ein wenig mit dem Refrain. Ich empfinde auch die Chöre als Bereicherung. Ich finde keinen Totalausfall, vielleicht kannst du die Titel nennen, die dich nerven?

  3. Simon Bodesheim

    Klar, da stimme ich voll zu. Ich ziehe ein „Punish My Heaven“ auch jederzeit einem „Atoma“ vor. :) Für mich persönlich waren Dark Tranquillitys Alben aber, selbst ihre etwas schwächeren, immer trotzdem noch sehr, sehr gut, auch wenn keines „The Gallery“ jemals toppen konnte. Bei In Flames war das letzte Album, das mir gefallen hat, Rerout To Remain. Was mich an ihrem neuen Stil seitdem immer sehr stört, sind diese kitschigen Mitsingrefrains, weil sie die seitdem in einfach jedem Song haben und in fast keinem wirklich gut. Auf jedem Album waren vielleicht 2-3 Songs, wo ihnen das ganz gut gelungen ist, aber den Rest fand ich – verglichen mit ihren alten Alben – einfach kraftlos, vorhersehbar und lahm. Auf „Battles“ finde ich diesbezüglich z.B. „The Truth“ oder „Here Until Forever“ ganz, ganz schlimm.

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