Seit der vor knapp zehn Jahren gestarteten Initiative „Noise lebt“, die so manche lang vergriffene Veröffentlichung wieder verfügbar machte, ist es um das einst von Karl Walterbach geführte Kult-Label wieder ruhiger geworden. Mitte der 90er waren dort auch die aus Florida stammenden U.S.-Power-Metaller KAMELOT unter Vertrag. Aus bekannten Gründen sind die von Noise veröffentlichten Platten der Truppe nicht mehr erhältlich, weshalb es umso erfreulicher ist, dass mit „Ascension“ nun ein Boxset erschienen ist, das zumindest die ersten drei KAMELOT-Alben enthält. Optisch macht das schon mal viel her, denn die Digipak-Versionen der CDs kommen im stabilen Pappschuber mit Reliefdruck.
Heute spielen KAMELOT progressiv angehauchten Power Metal und werden gerne in einem Atemzug mit den Finnen SONATA ARCTICA und STRATOVARIUS genannt. Als die Band um Gitarrist Thomas Youngblood sich anschickte, die Metalwelt zu erobern, entbehrte dieser Vergleich jedoch noch jeglicher Grundlage. Gemessen an ihrem heutigen Schaffen präsentierten sich die Burschen aus Tampa auf ihrem Debüt ungewöhnlich hart, denn die Songs von „Eternity“ rangieren irgendwo in der Schnittmenge von SANCTUARY, ICED EARTH und den weniger verkopften Momenten von NEVERMORE – ein Bild, das von der staubtrockenen Produktion der Morrisound Studios nur unterstützt wird. Insgesamt machen KAMELOT auf ihrem Erstlingswerk schon eine ziemlich gute Figur, wenngleich Sänger Mark Vanderbilt hier noch ab und an ein wenig daneben liegt.
Mit geringen Änderungen kann man all das auch über „Dominion“ sagen. Ähnlich wie ihr Vorgänger wird auch diese Platte von charmant-trashigen Synthie-Streichern eingeleitet, die direkt aus einem der damaligen „Final Fantasy“-Spiele stammen könnten und wahrscheinlich auch 1996 schon hochwertiger hätten sein können. Nach wie vor im härteren, bisweilen gar thrashigen Power Metal nach Rezept der US-Ostküste beheimatet, präsentieren sich KAMELOT auf ihrer zweiten Platte deutlich gereift. Sänger Vanderbilt hat hörbar an sich gearbeitet und kann nun sein volles Potential ausschöpfen, die Leadgitarren fallen um ein Vielfaches ausgebuffter aus und die Songs als Ganzes sind eine Idee eingängiger mit schön integrierten Keyboards. Dass die Snare allerdings klingt, als hätte man nur den Teppich mikrofoniert, ist fast unfreiwillig komisch …
Das 1998 erschienene „Siège Perilous“ markiert die erste Zäsur im Schaffen von KAMELOT. Der bisherige Sänger Mark Vanderbilt verließ die Band noch im vorigen Jahr und machte damit Platz für Roy Khan, der auf dieser Platte seinen Einstand gibt (und immerhin 13 Jahre in der Band blieb). Obendrein kam hier auch Drummer Casey Grillo (heute bei QUEENSRYCHE) an Bord, der es sogar über 20 Jahre bei KAMELOT aushielt. Musikalisch hat man es hier zumindest mit einer geringfügigen Kurskorrektur zu tun. Noch immer weit von ihrem heutigen Sound entfernt geben sich die Floridianer auf ihrer dritten Platte noch ein bisschen eingängiger und setzen passend dazu auch auf eine minimal weichere Produktion. Roy Khan füllt die Fußstapfen seines Vorgängers bestens aus – und klingt ihm gar nicht so unähnlich – und mit Nummern wie „Millennium“ macht die Band sogar erste Ausflüge in den europäischen Power Metal.
„Ascension 1995 – 1998“ gibt umfassenden Einblick in ein fast vergessenes und ziemlich überraschendes Kapitel von KAMELOT. Ehe die Truppe zu ihrem heutigen Selbst fand, spielte sie eine Art von Power Metal, die man vor allem aus dem östlichen Teil der USA kennt und trug mit ihrem harten und doch stets melodischen und melancholischen Sound vielleicht sogar in Teilen zur Entstehung ihrer kalifornischen Kollegen WITHERFALL bei. In jedem Fall lässt sich das Wachstum von KAMELOT in ihrer Sturm-und-Drang-Phase anhand der drei in dieser Box enthaltenen Alben (sowie der beigefügten Liner Notes) hautnah nachempfinden, weshalb das Set sowohl für Fans der Band selbst als auch der genannten Vorbilder absolut zu empfehlen ist.
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