CD-Review: Katatonia - The Fall Of Hearts

Besetzung

Jonas Renkse - Gesang, Gitarre, Keyboards, Programmierung Roger Öjersson - Gitarre Anders "Blakkheim" Nyström - Gitarre, Bass, Keyboards, Programmierung, Hintergrundgesang Niklas "Nille" Sandin - Bass Daniel Moilanen - Schlagzeug

Tracklist

01. Takeover
02. Serein
03. Old Heart Falls
04. Decima
05. Sanction
06. Residual
07. Serac
08. Last Song Before The Fade
09. Shifts
10. The Night Subscriber
11. Pale Flag
12. Passer


23 Jahre sind vergangen, seitdem die Düster-Rocker von KATATONIA mit „Dance Of December Souls“ (1993) ihren Einstand in die Musikwelt gaben. Damals unter dem mittlerweile nicht mehr existenten Label No Fashion Records unter Vertrag, steht das schwedische Quintett mittlerweile in den Diensten von Peaceville Records und bringt nun seine elfte Platte namens „The Fall Of Hearts“ auf den Markt. Nachdem es sich bei dem Vorgänger „Dethroned & Uncrowned“ ’nur‘ um die Akustik-Version des 2012er Werkes „Dead End Kings“ handelte, liefern die Herren um Sänger Jonas Renkse nach vier Jahren endlich das heiß ersehnte neue Material!

Heiß ersehnt und leider doch ernüchternd, denn: Irgendwie fällt es schwer, in den ersten Durchläufen von „The Fall Of Hearts“ markante Punkte zu finden, derer Großartigkeit wegen es sich lohnt, nochmals (oder im besten Fall) immer und immer wieder in das Album hören zu wollen; die Gefahr, KATATONIA mit diesem Album zu früh abzuschreiben, ist begründet. Selbst wenn ein Track wie „Serein“ mit einem ins Ohr gehenden Refrain sowie einem zurückhaltenden Samples-Arrangement irgendwann zu zünden beginnt, sind es die geklimperten Parts, welche KATATONIA Kraft rauben. Gleiches gilt für „Sanction“, der mit einem guten Riff startet und einen beeindruckenden Renske zeigt, aber seine Intensität durch wenig packendes Gezupfe an der Gitarre verliert. Möglich, dass sich die Schweden hierbei mit ihren Landsleuten von Opeth und deren 2003 veröffentlichten ersten Prog-Rock-Album „Damnation“ zu versuchen messen, aber während Opeth eben darauf tatsächlich progressiv vorgehen, stagnieren KATATIONA mit erschreckend einfachen wie dünnen Leads.

Für „The Fall Of Hearts“ ist ein durchweg ein melancholisches Mid-Tempo charakteristisch, dessen dynamischere Ausbrüche von als vermutlich stimmungsvoll geplanten Parts abgelöst und genau dadurch torpediert werden. Mag der Wechsel zwischen treibenden und stillen Momenten noch vor zehn Jahren spannende Alben hervorgebracht haben, stellt diese Methode nun kein Erfolgsrezept mehr für KATATONIA dar. Für kontinuierliche Steigerungen, die unter die Haut gehen, sowie einer vereinnahmenden Stimmung, die dem Hörer eine Gänsehaut beschert, bedarf es wesentlich mehr an Komplexität, Dichte und Atmosphäre als das vorlegte Material unterm Strich bietet. Lediglich bruchstückhaft gelingt es den Schweden beispielsweise durch die sanfte Melodik in „Shifts“ und „Pale Flag“ an die Stärken von Porcupine Tree zu erinnern oder mit „Serac“ zumindest halbwegs der gängigen KATAONIA-Songstruktur zu entrinnen. So lässt einem das Gefühl nicht los, dass „The Fall Of Hearts“ zwar vielfach gute Kniffe besitzt, diese aber willentlich gesucht werden müssen – etwas, dessen ein Redakteur sich gerne hingibt, der Durchschnittshörer aber vermutlich nicht. Wie bereits vorweg formuliert: Die Gefahr, KATATONIA mit diesem Album zu früh abzuschreiben, ist begründet.

Rückblickend hatten die Schweden ihren Peak vor einer Dekade, wenn nicht sogar noch früher, als sie mit Alben wie „Last Fair Deal Gone Down“ (2001), „Viva Emptiness“ (2003) und „The Great Cold Distance“ (2006) auf sich aufmerksam machten. Anno 2016 machen sie das erneut, aber nicht durch markige Riffs oder gute Hooklines, sondern durch nur mäßig vorhandene Melodien, die „The Fall Of Hearts“ zu einem melancholischen Einheitsbrei werden lassen. Das Fazit, dass KATATONIA nur dann überzeugen, wenn sie die lauten Tönen anschlagen, ist allerdings falsch, denn besonders die ruhigen, detailverliebten Momente in „Shifts“ und „Pale Flag“ verdeutlichen das Gespür der Band für eingängige fragile Klänge. Solange diese aber noch immer mit Reminiszenzen an Gassenhauer wie „Ghost Of The Sun“ oder „Consternation“ verbunden werden, generieren KATATONIA damit nicht etwas Packendes, sondern etwas nicht ausbalanciert Wirkendes, in welches sie zwischendurch sogar noch fade Gitarrenarbeit mogeln.

Bewertung: 5.5 / 10

Geschrieben am

11 Kommentare zu “Katatonia – The Fall Of Hearts”

  1. toni

    hallo,

    2 Hörer mit 2 ganz verschiedenen Ansichten .
    für mich ist das ein sensationelles Album ,
    alleine schon die aufnahmen sind so was von genial ,
    habe selten so knallende drums gehört !
    die schwermut und dazu so extrem viel atmosphäre , WAU
    von mir 10 / 10
    gruss

  2. Sarah Punke Post Author

    Hey Toni,
    danke für deinen Beitrag! Sehr interessant, wie verschieden dieses Album wirken kann.

    Ich entschied mich bewusst für den Vergleich mit Opeths „Damnation“, weil ich „The Fall Of Hearts“ als wesentlich schwächere Version davon empfinde; das Gitarrenspiel, die Gesangsführung, das Aufbauen von Atmosphäre – während all das anderen Bands vor Jahren gelang, scheinen sich Katatonia genau damit auf diesem Album zu übernehmen.

    Besonders deinen Punkt „Schwermut“ kann ich nicht heraushören, ebenso wenig „extrem viel Atmosphäre“. Bist du vertraut mit den letzten Veröffentlichungen von Negura Bunget, Agalloch und Solstafir? Nein? Dann bitte, hör dir diese Alben an. Wenn du Katatonia auf der aktuellen Platte diese Attribute zu schreibst, dürftest du bei den empfohlenen Alben nämlich dahinschmelzen.

    1. toni

      da ich aus der prog – ecke komme ,
      mag das ein Grund sein dieses Album extrem zu lieben.
      da es doch vertrackter , mehr Tonart – und Stimmungswechsel hat ,
      also dramatischer und progressiver daher kommt.

  3. Sarah Punke Post Author

    Weißt du, an was mich „vertrackter, mehr Tonart – und Stimmungswechsel […] und progressiver“ erinnert? An die neue Platte von Haken. Die impliziert all das; bei Katatonia entdecke ich das leider in einem nicht erwähnenswerten Umfang. Ich möchte dir die Platte jedoch nicht madig machen, aber so begeistert wie du bist, ist die Angst eh unbegründet. :)

    1. toni

      ja, die neue haken ist auch genial .

      so soll sich jeder seine eigene Meinung bilden
      und kann sie hier dann kundtun.

      sollte ich auch der einzig sein der die cd super findet
      habe ich damit absolut kein Problem .
      warum auch , mir muss sie ja gefallen

      grüsschen

  4. Texta

    Ich hab das Album bis jetzt ein Mal gehört, hat mir besser gefallen als der Vorgänger, und hab das Bedürfnis es unbedingt zu wiederholen. Mich zieht ebenfalls die „Schwermut“, die ich aber eher als „mellow“ beschreiben würde, an. Wobei die Ruhe für mich immer auch was von einer gewissen (An-)Gespanntheit transportiert, die die Musik für mich „dringlich“ macht. Schwer zu sagen, ich hörs heute auf jeden Fall nochmal.

  5. T.B.

    „Die Gefahr, KATATONIA mit diesem Album zu früh abzuschreiben, ist begründet.“

    Wenn es denn eine Gefahr ist, warum tust du es dann? Ich würde der Aussage davon abgesehen zustimmen; nur bin ich nach 25-30 Hördurchgängen mittlerweile bei 9/10 angelangt.

    Weshalb du ausgerechnet bei „Sanction“ auf Opeths Damnation kommst, leuchtet mir auch überhaupt nicht ein.

  6. Sarah Punke Post Author

    Guten Morgen T.B.,
    und danke für deine Rückmeldung! Vorweg: Ich hätte nicht gedacht, dass dieses Album derart die Gemüter scheiden könnte. :)

    Womit wir bereits beim Thema „Wenn es denn eine Gefahr ist, warum tust du es dann?“ wären: Das tue ich nicht. Es ist der falsche Rückschluss, meine niedrige Punktzahl einem „zu frühen Abschreiben“ zuzuordnen, sondern hinter den 5.5 Punkten verbirgt sich schlichtweg der Fakt, dass sich für mich die Platte auch nach Durchläufen im zweistellig Bereich nicht verbessert. Ich nahm diese Gefahr also ernst, indem ich die CD nicht nach acht Durchgängen und eventuell vier Punkten aus dem Player nahm, sondern sie noch zweimal rotieren ließ; dennoch gelang es der Band in meinen Augen nur noch geringfügig, zu wachsen.

  7. Michaaa

    Ich habe die Platte noch nicht. Möchte sie aber erwerben, weil mich einige Stücke beim Konzert sehr geflasht haben! Jedenfalls live waren die Sachen richtig gut und passten perfekt in Katatonias Katalog. Eben jene Aspekte, für die ich diese Band höre und schätze.

  8. Jan

    Ich habe die Scheibe jetzt sicher ein gutes Dutzend mal oder noch häufiger gehört und fühle mich jetzt im Stande, auch was zur Diskussion beizutragen. Zum einen finde ich 5.5 etwas niedrig, so Richtung 6.5/7 würde es bei mir schon gehen. Ich sehe allerdings auch deutliche Kritikpunkte, die sich nicht dadurch wegwischen lassen, dass Katatonia „ja nun mal eine etablierte Band ist, die viel für die Szene getan hat.“ Im Großen und Ganzen finde ich, dass der Grundansatz beinahe jedes Songs gut gelungen ist, Stimmung, Atmosphäre und so, aber das Quentchen, das ein Lied und damit die Platte großartig macht, fehlt. Das ist bei Katatonia aber seit einigen Jahren ein echtes Problem, ich weiß nicht, welche Scheibe ich zuletzt richtig überzeugend fand. In meinen Augen wiederholen sie sich zu sehr und verzichten (aus Sicherheitsgründen?) auf beinahe jegliche Innovation. Man hört eben bei jeder Note, dass es Katatonia ist, etwas mehr Esprit wäre mal nicht schlecht, aber fraglich, ob sie das nach all den Jahren noch hinbekommen.

  9. Sarah Punke Post Author

    Hei Jan,
    in Kürze bringen wir ein Interview mit Bassist Niklas „Nille“ Sandin auf die Seite, welches seine Sicht der Dinge erläutert. Vielleicht wird er dir damit die Frage beantworten, ob Katatonia auch noch anders können. :)

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