Album-Cover "Rapture" von Lord Belial

Review Lord Belial – Rapture

  • Label: Hammerheart
  • Veröffentlicht: 2022
  • Spielart: Black Metal

LORD BELIAL sind zurück. Dass diese Nachricht – eigentlich eine Sensation – heute selbst bei vielen eingefleischten Black-Metal-Fans wenig Euphorie auslösen dürfte, hat viele Gründe: Obwohl die Band Anfang der 1990er-Jahre quasi zeitgleich mit Dark Funeral und Naglfar entstanden war, verloren LORD BELIAL gegenüber ihren schwedischen Landsmännern schnell an Boden: Statt bei großen, internationalen Labels unterzukommen, kamen sie diesbezüglich nie aus ihrer Heimat heraus (erst No Fashion, später Regain Records). Der Tourfreude ihrer Kollegen konnten oder wollten LORD BELIAL nie nacheifern – nur knapp 80 mal stand die Band in über 15 Jahren aktiver Zeit auf der Bühne. Und nach einem musikalisch großartigen Start ins neue Jahrtausend mit „Angelgrinder“ (2002), „The Seal Of Belial“ (2004) und „Nocturnal Beast“ (2005) ließ leider auch die Qualität der Alben merklich nach. Nach ihrem ziemlich missratenen Machwerk „The Black Curse“ war dann Schluss, einige Reunion-Versuche scheiterten due to health issues and lack of motivation within the band“. Schluss, aus vorbei. Dachte man.

Wie aus dem Nichts sind LORD BELIAL nun mit einem neuen Album zurück. „Rapture“ heißt das Werk, und wenn der Name auch anders (vermutlich biblisch, als „Entrückung“) gemeint sein dürfte, passen auch die gängigeren Wortbedeutungen „Begeisterung, Verzückung“ perfekt. Das nämlich sind die Emotionen, die langjährige Fans der Band beim Genuss des Albums verspüren dürften. Hinter dem ästhetisch fragwürdigen, aber grade drum gelungen „oldschooligen“ Artwork verbirgt sich nämlich das fraglos beste Album der Band seit „The Seal Of Belial“, wenn nicht gar überhaupt.

Bereits mit dem Opener überfallartigen „Legion“ setzen LORD BELIAL ein Zeichen: Ohne Vorwarnung setzt es hier eine akustische Tracht Prügel, wie man sie von den Schweden seit „Angelgrinder“ nicht mehr bekommen hat. Durch geschickt gesetzte Riffwechsel, Breaks und Soli gelingt es LORD BELIAL, dem Song eine gewisse Melodik mitzugeben, ohne jedoch nennenswert vom Gas zu gehen. Nach dieser ersten Ansage liefern die Schweden im weiteren Albumverlauf alles nach, was man an Band-Trademarks im ersten Song vielleicht noch vermisst haben könnte: Das kompromisslose Geprügel lockert das Trio elegant durch geschickt gesetzte Tempowechsel und perlende Cleanparts, geschwunge Melodieläufen und gelungene Soli, dezente Pianos und epische Chöre auf. Dass selbst der einzige Song mit Lückenfüller-Charakter („Destruction“) aks absolut gelungener Black-Metal-Track durchgeht, sagt eigentlich alles.

Von tiefschwarz-doomiger Atmosphäre bis hin zu typisch schwedischer Black-Metal-Raserei findet sich auf „Rapture“ wirklich alles. Und zwar in perfekter Abmischung – was die Anteile in den Songs angeht, aber auch im soundtechnischen Sinn: Nach dem wenig ruhmreichen „Seitensprung“ bei „The Black Curse“ sind LORD BELIAL für „Rapture“ wieder zu ihrem Stammproduzenten Andy La Roque (King Diamond) zurückgekehrt. Und der hat sich nicht nur für sein virtuoses Gastsolo in „Alpha And Omega“ viel Lob verdient. Denn „Rapture“ klingt tatsächlich exakt so, wie schwedischer Black Metal idealerweise klingen sollte: bissig und trotzdem voll, kompakt, aber dabei eben auch sehr „hochaufgelöst“: Was beim ersten Hören vornehmlich kraftvoll und rabiat klingt, offenbart schon beim zweiten Hinhören einen Detailreichtum, der seinesgleichen sucht.

Als „Nachzügler“ hinter den eben erst erschienenen Alben von Dark Funeral („We Are The Apocalypse“) und Watain („The Agony & Ecstasy Of Watain“) läuft „Rapture“ Gefahr, unterzugehen – zumal es nicht über einen Branchen-Major wie Nuclear Blast, sondern das vergleichsweise unbedeutende Hammerheart Records erscheint. Trotzdem sollten nicht nur (aber auch!) Fans von LORD BELIAL „Rapture“ eine Chance geben: Qualitativ kann dieses Reunion-Werk im Rennen um das Black-Metal-Album des Jahres definitiv von der ersten bis zur letzten Minute mithalten.

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Wertung: 9.5 / 10

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Ein Kommentar zu “Lord Belial – Rapture

  1. Jawoll.
    Album des Jahres und ich muss immer noch solang warten bis es offiziell erscheint.
    3 Titel kenn ich ja schon und die sind super.
    Als ü50ger hoffe ich den Release noch zu erleben. haha

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