Der Begriff „Supergroup“ wird heutzutage geradezu inflationär verwendet und in der Regel handelt es sich bei derart betitelten „Bands“ um künstlich zusammengestellte Ansammlungen mehr oder weniger namhafter Musiker. Die Lebensdauer? Eher kurz. METAL CHURCH haben sich im Laufe ihrer 45-jährigen Karriere nie an den Errungenschaften einzelner Mitglieder aufgehängt, sind aber unverhofft zu einer tatsächlichen Supergroup gewachsen: Mit FIFTH-ANGEL– und FLOTSAM-AND-JETSAM-Drummer Ken Mary hat die Truppe einen der profiliertesten Schlagzeuger des Genres an Bord und Bassist David Ellefson, Gründungsmitglied von MEGADETH, muss wohl niemandem mehr vorgestellt werden. Abgerundet wird diese hochkarätige Besetzung, die auf dem neuen Album „Dead To Rights“ zu hören ist, übrigens von Sänger Brian Allen (ehemals VICIOUS RUMORS).
Das Wichtigste gleich zu Anfang: Der neue Sänger passt bestens – und sogar weit besser als sein Vorgänger Marc Lopes – zum charakteristischen Sound der Truppe. Mr. Allens schneidender Gesang fügt sich ab „The Brainwash Game“ bestens neben den oftmals thrashigen Riffs in den Sound der Formation ein. Obendrein konnte der Frontmann ja bereits bei VICIOUS RUMORS beweisen, dass er trotz grundsätzlich eher aggressiverer Vocals ziemlich variabel ist, was ihm auch bei METAL CHURCH in die Karten spielt. Die rangieren nämlich auch auf „Dead To Rights“ wieder zwischen treibendem Thrash Metal und stadiontauglichem Rock-Bombast, was auch am Gesang eine gewisse Vielfalt erfordert – und Brian Allen kann sie liefern.
METAL CHURCH behalten also auch auf „Dead To Rights“ das Spannungsverhältnis zwischen thrashig-druckvollen Songs und eingängigen, oft rockigen Refrains, bei. Somit ist das neue Album der Herren voll von wirklich starken Nummern, die diese Balance in ihrer besten Ausformung abbilden und durchweg mit tollen Riffs punkten. Als beste Beispiele eignen sich neben dem Titeltrack vor allem „Deep Cover Shakedown“ und „Heaven Knows (Slip Away)“. Und wenngleich METAL CHURCH auf „Dead To Rights“ kaum als progressiv bezeichnet werden können, ist das Gebotene doch mitunter überraschend vielschichtig, wie vor allem der ruhige Mittelteil von „The Show“ offenbart.
METAL CHURCH zeigen sich auf „Dead To Rights“ im Hinblick auf Songwriting und Performance also von ihrer besten Seite, denn die Truppe spielt wirklich all ihre Stärken aus, ohne sich an irgendeinem Punkt selbst zu kopieren. Der großartige Sound des Albums rundet dieses Bild ab. Der dünne, schwachbrüstige Klang von Platten wie „XI“ oder „Damned If You Do“ ist dank der Bearbeitung durch Chris Harris (u. a. HEATHEN, QUEENSRYCHE) endlich passé, denn das Album punktet mit zeitgemäßem, fettem Schlagzeug-Sound und wuchtigen Gitarren.
Wie eingangs angesprochen ist die Lebensdauer hochkarätig besetzter Bands im Regelfall eher kurz. Da sich die neue METAL-CHURCH-Besetzung aber ganz natürlich und nicht um der Sensation willen gefunden zu haben scheint, könnte sie länger fortbestehen. Zu hoffen wäre es, denn mit „Dead To Rights“ hat die Gruppe dank durchweg überragendem Songwriting ihr vermutlich bestes Album seit „Hanging In The Balance“ zustande gebracht. Die Platte ist ebenso kurzweilig wie mitreißend und präsentiert den typischen Sound von METAL CHURCH von Anfang bis Ende im denkbar besten Licht. „Dead To Rights“ ist daher nicht nur Fans der Band uneingeschränkt zu empfehlen!
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Wertung: 8.5 / 10


