Review Nachtblut – Antik (Re-Release)

  • Label: Napalm
  • Veröffentlicht: 2011
  • Spielart: Black Metal

Zumindest in musikalischer Hinsicht hat das Jahr 2009 positiv begonnen. Auch in Zeiten der Wirtschaftskrise(n) gibt es nach wie vor Bands, die alles aus ihrem Potential in geballter Form auf einen Silberling gepresst kriegen. Kreator haben für viele das Thrash-Album des Jahres bereits veröffentlicht, doch auch in den anderen Sparten der „Isch kann mit diesem Metal-Lärm gar nix anfangen“-Musik tut sich einiges. Die Rede ist in diesem Fall von NACHTBLUT, die sich mit ihrem zweiten Album „Antik“ und ihrem Mix aus Black/Gothic und Alternative-Einflüssen auf Beutezug begeben. Bei „Antik“ handelt es sich im Großen und Ganzen um ein Konzeptalbum und somit haben die Osnabrücker bei besagtem Beutezug Kreuzritter, Hexen und Jesus Christ Superstar himself im Gepäck. Um es gleich vorweg zu nehmen: Wie an der Titelauswahl unschwer zu erkennen ist, ist es nicht ganz gelungen, sich ausschließlich mit der Thematik der Antike auseinander zu setzten. Doch auch die anderen Stücke fügen sich schnörkellos ins Gesamtwerk ein.

Der Titeltrack fungiert auch gleich als Opener und erscheint, wenn man bedenkt, dass viele Bands als eben diesen den Vorschlaghammer auspacken, gar friedlich. Freunde der Hartwurst-Fraktion können das Valium direkt im Schrank lassen, denn Tempo oder schneidige Riffs sucht man hier vergebens. Das, und so muss es gesagt werden, würde allerdings auch in keinster Weise zum Song als solches passen, welcher durch seinen eher anspruchsvollen Text zum Nachdenken anregt. Doch keine Sorge, NACHTBLUT zeigen wie beim Vorgänger auch auf „Antik“, wie auch in der dunkelsten Gruft die Lumpen fliegen können. Mit der „Blutgräfin“ präsentiert man die allseits bekannte Geschichte von Elisabeth Bathory, verpackt mit Doublebass, reichlich sakralen Elementen und einem keifenden Askeroth in Höchstform. Ohne Frage ein Highlight der Band, doch auch die nächste Nummer „Gedenket Der Toten“ darf als sehr gelungen bezeichnet werden. Jeder kennt mittlerweile den Film 300 und eben diese Schlacht an den Thermopylen wird hier in musikalischer Form unters Volk gebracht. Ebenfalls wie der Opener ein eher ruhiges Stück, welches aber mit Melodie zu überzeugen weiß. Zumal es abgesehen von 300 Toten Spartanern sicherlich richtig ist, den Verstorbenen bei Zeiten seine Gedanken zu widmen.

„Die Mutter Die Ihr Kind Verlor“ – nun solche Stücke haben sicherlich auch ihre Daseinsberechtigung, aber es passt sowohl textlich, als auch musikalisch eher weniger ins Gesamtbild – der Trauerklos schlechthin! Und somit widmen wir uns lieber jemandem, der wohl die bekannteste Geschichte der Welt zu erzählen hat, nämlich Jesus und seinem Kreuz, an welches er vor gut 2000 Jahren geschlagen wurde. Ebenso schleppend wie Jesus sein Kreuz (wenn es denn wirklich so passiert ist) auf den Berg Golgatha tragen musste, geht „Kreuzigung“ mit einem schweren, stampfenden Riff direkt nach vorne. Spätestens hier lässt sich die Vorliebe der Band für Rammstein und deren Liedgut nicht mehr verbergen, erinnert doch das Riffing teilweise stark an die allseits bekannten Stücke. Das tut der Stimmung allerdings keinerlei Abbruch. Im Gegenteil, bei Kreuzigung handelt es sich wie bei vielen Stücken auf diesem Album um die perfekte Kombination aus Härte, Melodie und Text. Wenig überraschend verstirbt Jesus im Laufe des Stücks und macht Platz für weitere Kapitel der Weltgeschichte.

Aufgepasst, denn nun wird es wieder kritisch. Mit „Des Menschen Kunst Blindheit Zu Säen“ kriegt letztendlich auch der Islam sein Fett weg. NACHTBLUT haben es sich ja bekanntlich auf die Fahne geschrieben, die Übel der Welt unverblümt anzusprechen, wenn es denn notwendig ist. Der Text zum Song beinhaltet im Grunde die traurige Wahrheit über viele Missstände in dieser Religion, kann aber von manchen Gruppierungen schnell falsch aufgefasst werden. Somit kommen wir zu einer längst ausgestorbenen Art – und zwar die „Kreuzritter“, welche den würdigen Abschluss einer Reise durch die Jahrtausende bilden. Dafür hat man sich, was die Gitarrenarbeit betrifft, an den Wikingern orientiert. Das Anfangsriff weist nämlich eine gravierende Ähnlichkeit zu Amon Amarth´s „Versus The World“ auf. Danach entwickelt der Song allerdings seine eigene Richtung und weiß durch bereits aufgeführte Attribute und schnelles Tempo zu überzeugen. Ende aus? Nein, noch nicht ganz, denn es haben noch zwei Hidden Tracks den Weg aufs Album gefunden. Zum einen wird das Stück „Gedenket Der Toten“ der Thematik entsprechend in griechischer Sprache dargeboten. Eine Idee, die absolut zu überzeugen weiß. Zum anderen präsentieren NACHTBLUT das abschließende Geständnis „Alles Nur Geklaut“. Hierbei handelt es sich wirklich um eine ureigene Version des Prinzen Klassikers. Und damit kommen wir auch zu einer Feststellung in diesem Zusammenhang. Bekommt man als Zuhörer in der Antike Innovationen en masse geboten? Nein! Willst du bis der Tod euch scheidet… Nein! Themenwechsel.

Ja es ist nicht zu leugnen. NACHTBLUT bedienen sich für ihre Stücke gerne bei ihren Vorbildern wie Rammstein und Eisregen. Dennoch schafft es die Band ohne große Mühe ihre ganz eigene Note einzubringen, so dass man zu keiner Zeit das Gefühl hat, hier ausschließlich Songs der erwähnten Bands zu hören. Für eine Eigenproduktion stimmt hier wirklich alles. Der Ton kommt im Vergleich zum ersten Abendmahl weitaus druckvoller durch die Boxen und auch Bandleader und Sänger Askeroth hat in der Zwischenzeit einen enormen Fortschritt durchgemacht. Trotz aller positiven Aspekte ist „Antik“ sicherlich kein Album für die breite Masse. Freunde der melodiösen schwarzen Klänge die zum Nachdenken anregen, sind mit dieser Veröffentlichung allerdings mehr als gut bedient. Und wenn man sich am Morgen aus dem Bett erhebt und es kaum erwarten kann, ein Album ohne nennenswerte Schwächen immer wieder im Spieler laufen zu lassen, darf es gerne heißen…
(Überarbeitete Rezension zur Erstausgabe des Albums von Marcel Steinberg)

Zwei Jahre nach dem in Eigenregie produzierten „Antik“, erscheint dieses Kunstwerkt der Düster-Metaller NACHTBLUT komplett remastered und mit neuem Artwork über Napalm Records Ende September erneut, um allen, die auf Liedgut der Marke Eisregen trifft Rammstein stehen, einzuheizen. Die im obigen Review genannten beiden Hidden Tracks gab es in der mir vorliegenden Version nicht zu hören, jedoch erscheint die Neuauflage dieser Scheibe mit vier Bonustracks, unter denen die genannten Songs dabei sein könnten – jene lagen mir zur Rezension leider nicht vor, weshalb ich dazu keine Angaben machen kann.

Nach wie vor bieten euch NACHTBLUT auf „Antik“ eine durch und durch runde, ausgewogene Mischung aus Black Metal und Gothic, die vor allem auf schwere, rammsteinige Riffs setzt und durch die markante Krächz-Stimme des Herren Askaroth für Wiedererkennungswert sorgt. Feine Melodiebögen sind ebenso vorhanden wie kritische Texte und die hohe Qualität wird sowohl im Songwriting, als auch in der überaus druckvollen Produktion gehalten, weshalb ich der Wertung von 2009 ruhigen Gewissens zustimmen kann. NACHTBLUT kann man nur beglückwünschen, denn der Weg aus dem Underground könnte mit „Antik“ geebnet sein.

Wertung: 10 / 10

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