CD-Review: Nachtblut - Chimonas

Besetzung

Askeroth - Gesang
Greif - Gitarre
Trym - Bass
Skoll - Schlagzeug
Lymania - Keyboard

Tracklist

01. Gotteskrieger
02. Wien 1683
03. Wie Gott sein
04. Kalt wie ein Grab
05. Und immer wenn die Nacht anbricht
06. Schwarz
07. Dort wo die Krähen im Kreise fliegen
08. Märchen
09. Töte mich
10. Chimonas


Und immer wenn die Nacht anbricht, sehne ich mich nach ihrem Gesicht, bei Regen, bei Kälte, bei Sturm bleib ich hier, und wenn sie dann kommt, bin ich ganz nah bei ihr“. Ihr lieben Herren, verpackt ihr diese Worte richtig, könnt ihr sicher das Herz einer jeden Frau gewinnen. Dass die Textzeile nur vom neuen Album „Chimonas“ der Dark-Metal-Band NACHTBLUT gestohlen ist, wird sicher niemandem auffallen, denn in den Genuss solch lyrischer Ergüsse sind die Fans der aus Osnabrück stammenden Gruppe in den letzten Jahren schon lange nicht mehr gekommen, denkt man doch einmal an die Vorgängerplatte „Dogma“ zurück, in der es heißt: „Ich trinke Blut und ich fühl mich dabei gut“
Mit genau solchen Zeilen hat es sich die geschminkte Truppe nämlich bei vielen potenziellen Hörern kräftig verscherzt, wenn es darum geht, als Musiker mit düsterem Image ernst genommen zu werden. Ob das mit der neuen Scheibe wieder aufpoliert werden kann?

Mit dem Titel „Gotteskrieger“ startet die Platte relativ gewöhnlich und enttäuschend. Zwischen dem Geschrei von Askeroth in verschiedenen Stimmlagen lässt sich mal wieder ein kleiner Part von Sprechgesang entdecken, die Reime und Betonungen sind akzeptabel, könnten jedoch besser sein und natürlich geht es im Text um Gewalt. Willkommen zurück, NACHTBLUT, da hat sich wohl leider gar nichts bei euch geändert.
Zum Glück lässt sich bereits im zweiten Titel etwas mehr Potenzial entdecken. In „Wien 1683“ geht es um die Endschlacht Wiens gegen die damaligen türkischen Besatzer und es kann behauptet werden, hier wurde eine Siegeshymne geschrieben, die durch das Intro und einen gewissen Marschcharakter kriegerische Völker vereinen könnte. Die Dark-Metaller haben sich etwas einfallen lassen, wo es Spaß macht, zuzuhören. Das Lied könnte auf zukünftigen Konzerten durch seine Einprägsamkeit ein Titel sein, dessen Refrain vom Publikum am lautesten mitgeschrien wird.
Generell sind viele Songs auf der Scheibe „Chimonas“ weitaus dynamischer und kraftvoller als das, was NACHTBLUT zuvor produziert haben: Und das steht der Band sehr gut! Die Instrumente werden hierdurch in den Mittelpunkt gestellt und es ist nicht zu leugnen, dass die Dark-Metal-Band aus ausgezeichneten Musikern besteht. Fast etwas traurig muss allerdings festgestellt werden, dass trotz des kleinen Hoffnungsschimmers „Wien 1683“ die Texte im Großteil kaum ernst zu nehmen sind. Immer wieder werden einige Worte falsch betont, um sie dem Reimschema anzupassen, was dann im Gesamtbild einfach falsch und schräg klingt.
Das letzte und gleichnamige Stück zum Album „Chimonas“ beginnt mit dem lauten Rauschen des Windes, welches für einen Moment für Gänsehaut sorgt, stellt man sich vor, das dämonische Flüstern von Askeroth bei einem Winterspaziergang plötzlich hinter sich zu hören. Selbst wenn man die Band verabscheut, muss man ihr doch lassen, dass sie schon immer irgendetwas Unheimliches an sich hatte. Das Lied wird noch einmal genutzt, um jegliches Können an den Instrumenten zu beweisen und alle Stimmlagen des Sängers zu präsentieren: Das kann sich hören lassen!

Die Mission „Image aufpolieren“ ist weder richtig gescheitert, noch geglückt. Obwohl NACHTBLUTs Fangemeinde immer weiter wächst und die Truppe es nicht nötig hätte, sich Gedanken darüber zu machen, was Kritiker meinen, könnte wegen der wesentlich erkennbaren Steigerung vom letzten Album zu diesem behauptet werden, NACHTBLUT haben ganz bewusst an sich gearbeitet. Ob man mit dieser Vermutung recht hat, bleibt ungewiss. Klar ist nur: Fans werden von dieser Platte nicht enttäuscht sein und auch Neueinsteiger in die Dark-Metal-Szene werden die Osnabrückner weiterhin für sich gewinnen.

Bewertung: 6 / 10

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