CD-Review: Nebelkrähe - Lebensweisen

  • Veröffentlichung: 2013
  • Label: Mighty Music, Target
  • Spielart: Black Metal
Besetzung

umbrA – Gesang
Morg – Gitarre
Euphorion – Gitarre
Kar – Bass
Latrodectus – Schlagzeug

Tracklist

01. Versucher
02. Mit Glut auf den Lippen
03. Mut und Demut
04. Der Flaneur
05. Lebenswaisen
06. Das Karrussell
07. Macht und Ohnmacht
08. ebenbürdig


Jetzt ging es dann doch ganz schön schnell: Veröffentlichte man noch im Herbst 2012 die Uns-gibt-es-auch-noch-Single „Der Flaneur“, haben NEBELKRÄHE für ihr zweites Album „Lebensweisen“ mit Mighty Music nun nach langer Suche eine Labelheimat gefunden. Nach den drei Songs, die „Der Flaneur“ bereits vorwegnahm, gibt es hier also endlich das gesamte seit 2009 und dem Debütalbum „entfremdet“ erarbeitete Material zu hören.

Auffällig ist an „Lebensweisen“ zuerst einmal der großartige Sound, für den Christoph Brandes von den Iguana Studios verantwortlich zeichnet. Hier zeigt man sich auch international auf anschlussfähigem Niveau und behält dabei im Gegensatz zu vielen anderen Bands auch in der Produktion eine individuelle Note bei.
Wie Artwork und Songtitel, der Bandname weniger, andeuten, ist aber vor allem die Musik NEBELKRÄHEs individuell. Im Wesentlichen nach wie vor im Black Metal verwurzelt, integriert man weit stärker als auf dem Vorgänger moderne, progressive Elemente. Fretless-Bass, teilweise intensiver Piano-Einsatz und Akustikgitarre sind nur die offensichtlichsten Merkmale, die „Lebensweisen“ anders klingen lassen, wichtiger für den Gesamtsound sind wohl das abwechslungsreiche, fordernde Schlagzeugspiel und die bisweilen sperrigen Riffs, die jedenfalls nie Langeweile aufkommen lassen. Der Facettenreichtum, der hier abgedeckt wird, ist ohnehin schon beeindruckend, von elegischen Soli über mit dem Post Rock sympathisierende Gitarrenwände bis hin zu rotzigen, death-thrashigen Grooves wird alles geboten, was man sich als aufgeschlossener Hörer so wünschen kann. Dass daneben dann auch noch Walzer und Funk Gastauftritte auf dem Album feiern, mag dem einen oder anderen etwas zu experimentell sein, ist aber irgendwo nur folgerichtig.
Die eigentliche Leistung von „Lebensweisen“ ist nun, dass es trotz der vielen Einflüsse und der Sperrigkeit der Musik einen bodenständigen Eindruck vermittelt. Das Album fühlt sich weder wie ein hochtrabender Versuch an, das Genre zu revolutionieren, noch wie eine Spielwiese für Musiker, die sich durch das wahllose Mixen möglichst unpassender Genres als besonders alternativ profilieren wollen. Stattdessen atmet das Album häufig klassischen Black-Metal-Spirit und ist bei allem Innovationswillen erstaunlich geradlinig. Anstrengend ist es trotzdem, weil NEBELKRÄHE den Hörer nie durchatmen lassen, sondern alle Einfälle extrem kondensiert präsentieren.

Wer genügend Geduld mitbringt, bekommt mit diesem Album eine qualitativ hochwertige, erfrischende Interpretation des Black Metal geboten, die vielleicht gerade deswegen gelungen ist, weil sehr bewusst dosiert wurde, wo und wie man innovativ klingen will. Für die Zukunft kann man sich sicher einen etwas offeneren Sound und mehr Leichtigkeit erhoffen, für diesmal geht das Konzept aber sehr gut auf. Sollte man in jedem Fall gehört haben, auch, wenn „entfremdet“ nicht gefiel, denn damit hat „Lebensweisen“ kaum mehr etwas zu tun.

Bewertung: 8 / 10

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