Albumcover von Overkill zu "Scorched".
April 2023

Review Overkill – Scorched

  • Label: Nuclear Blast
  • Veröffentlicht: 2023
  • Spielart: Thrash Metal

1980 gegründet und nach ihrem liebsten Motörhead-Song benannt halten sich die Thrash-Metal-Veteranen OVERKILL seit über 40 Jahren hartnäckig im oberen Drittel einer nicht gerade kleinen Szene. Dabei gelingt es der Truppe um den charismatischen Bobby „Blitz“ Ellsworth obendrein, ein ziemlich stabiles Line-Up aufrechtzuerhalten: Einzig der Schlagzeugerposten wurde in den vergangenen 20 Jahren mit dem Eintritt von Jason Bittner (u. a. Shadows Fall) neu besetzt – das können nur die wenigsten ihrer Kollegen für sich verbuchen. Mit „Scorched“ präsentieren OVERKILL nun ihr mittlerweile 20. (!) Album, das ausgerechnet am gleichen Tag wie die neue Platte der unangefochtenen Genre-Spizenreiter Metallica erscheint – das ist selbstbewusst.

Es war schon immer eines der Markenzeichen von OVERKILL, in ihrer Musik thrashige Aggression mit rockiger Coolness zu ihrem ganz eigenen Sound zu verbinden. Das gelingt ihnen auf „Scorched“ bereits im Titeltrack, denn nach einem für diese Band unerwartet theatralischem Intro münden das schneidende Riffing und der typisch bissige Gesang von Frontmann Blitz in einen Refrain, der jeden Taktfuß zum Wippen bringen dürfte. Ganz ähnlich verhält es sich mit „Harder They Fall“ oder „Know Her Name“ und somit ist klar, dass OVERKILL auch auf ihrer 20. Platte noch nach OVERKILL klingen – kaum ein Fan dürfte sich ein zufriedenes Grinsen verkneifen können, wenn Mr. Ellsworth seine Texte wie in „The Surgeon“ ins Mikro spuckt, jede Silbe wie ein Stich mit der Giftspritze.

Und wenngleich das geballte Talent der Besetzung in den letzten zwei Dekaden dafür gesorgt hat, dass jedes OVERKILL-Album überzeugen konnte, gab es doch auch hier (leichte) Qualitätsschwankungen. „Scorched“ ist mit sicherheit eines der stärksten Alben der Formation geworden, was auch daran liegen mag, dass die Band seit dem überragenden „Ironbound“ nicht mehr so unverhohlen mit dem Heavy Metal geflirtet hat wie auf dieser Platte – das macht nicht zuletzt das recht offensichtliche „Heaven & Hell“-Zitat in „Won’t Be Comin‘ Home“ deutlich. OVERKILL bewegen sich auf ihrem neuen Album stets im Spannungsfeld aus agrressivem Riffing, rockiger Breitbeinigkeit und erhebender Eingängigkeit, die aber so fein dosiert wird, dass nie von Kitsch gesprochen werden kann – sieh etwa „Wicked Place“.

Eingängigkeit ist überhaupt ein gutes Stichwort: Zum einen setzen OVERKILL auf „Scorched“ vermehrt auf bombastische Song-Intros, die gerne von zweistimmigen Gitarren getragen werden – auch das kennt man vor allem von „Ironbound“. Viel überraschender ist allerdings, dass sich die New Yorker auf diesem Album doch tatsächlich erlauben, orchestrale Elemente einzubauen (die übrigens von Symphony-X-Gitarrist Michael Romeo beigesteuert wurden). Das stört etwa in „Twist Of The Wick“ weit weniger, als man erwarten möchte, sondern fügt dem Sound der Truppe eine ebenso unerwartete wie spannende Facette hinzu.

Es ist davon auszugehen, dass langjährige Fans von OVERKILL mit diesem Album mehr Spaß haben als die alteingesessene Anhängerschaft von Metallica mit „72 Seasons“. Die New Yorker sind ihrem Sound über die Jahre weitaus treuer geblieben als James Hetfield und seine Mannschaft dem ihren. Auch „Scorched“ dürfte niemanden vor den Kopf stoßen, der mit Platten wie „The Years Of Decay“ etwas anfangen kann und Fans von „Ironbound“ fühlen sich hier sowieso zuhause. OVERKILL haben beim Songwriting alle Register gezogen und die besten Elemente ihres Songwritings zu diesem Album kondensiert. Dabei gelang es der Band, auch all die neuen Elemente passgenau in ihrem Sound zu verbauen, weshalb OVERKILL auch nach über 40 Jahren noch wie sie selbst und doch zugleich frisch und unverbraucht klingen.

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Wertung: 9 / 10

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3 Kommentare zu “Overkill – Scorched

  1. Kann mich nur anschließen, „Scorched“ ist einfach großartig und braucht auch Vergleiche mit dem grandiosen „Ironbound“ nicht scheuen. Überhaupt hauen Overkill seit ihrem 2010er Werk einen Kracher nach dem anderen raus und spielen ganz vorne mit dabei in der allerersten Thrash-Rige. Die Wahl des Bandnamens kommt nicht von ungefähr: Overkill sind die Motörhead des Thrash-Metals!

  2. Hi, war froh über die neue „CD“ von Overkill. Aber ganz ehrlich: ich hatte mehr erwartet. Gebe der Veröffentlichung 4 von 5 Sternen.

    1. Overkill haben geliefert, bewundernswert was die Trash Metaller auch nach so vielen Jahren abliefern,eine würdige CD des Monats,geht gut ins Ohr und ist eigentlich durchgängig ein tolles Album
      warum jetzt Vergleiche mit Metallica ‚ s 72 Seasons gezogen werden weiß ich nicht.Metallica machen für mich seit dem schwarzen Album eher Heavy als Trash Metal wobei ich das neue Metallica Album auch Klasse finde

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