CD-Review: Overkill - ReliXIV

Besetzung

Bobby “Blitz” Ellsworth - Gesang
D.D. Verni - Bass
Derek Tailer - Gitarre
Dave Linsk - Gitarre
Tim Mallare - Schlagzeug

Tracklist

01. Within Your Eyes
02. Love
03. Loaded Rack
04. Bats In The Belfrey
05. A Pound Of Flesh
06. Keeper
07. Wheelz
08. The Mark
09. Play The Ace
10. Old School


Es gibt alteingesessene Bands, die (leider?) Alben veröffentlichen können, wie sie wollen, und trotzdem immer nur an ihren alten legendären Scheiben gemessen werden, einige zu Recht (Sepultura, Metallica), andere zu Unrecht (Megadeth, Iron Maiden). Zwei Jahre nach der letzten Veröffentlichung “Killbox 13“ versuchen nun Overkill erneut aus dem Schatten ihrer Vergangenheit auszubrechen. Overkill haben das Kunststück geschafft, zwar über Jahre hinweg überdurchschnittliche Alben abzuliefern, jedoch zwischendrin auch mal eine solche Gurke dabei zu haben, dass beim nächsten Album erstmal die vergraulten Fans wieder zurück gewonnen werden mussten. “ReliXIV“ ist in der glücklichen Lage, an ein wirklich sehr gutes Vorgängeralbum anzuschließen.

Die Scheibe beginnt mit einem zugegebenermaßen schon oft verwendeten, nichtsdestotrotz sehr gutem Intro, das mir persönlich sehr gefällt: Eine Gitarre beginnt, eine Zweite kommt mit dem Riff hinzu, dann setzt das Schlagzeug ein, und zu guter Letzt läutet ein Double-Bass Gewitter den eigentlichen Song ein, der sich hier “Within Your Eyes“ schimpft. Und dieser ist gleich zu Beginn ein wunderbarer Thrash-Kracher geworden. Zahlreiche Tempowechsel, mal stampfend, mal voll auf die Kanüle, und der unwiderstehliche Gesang von Blitz. Jedoch fällt mir hier schon der leider sehr blechernde Sound auf. Tut dem Lied aber keinen Abbruch, ein genialer Hammer. Und auch “Love“ beginnt mit einem tollen Riff, nur dann der Schreck, wobei ich anfügen muss, das ist definitiv Geschmackssache, ich kann einfach mit Versen, bei denen aus der linken Box nur der Gesang und aus der Rechten nur eine Gitarre kommt, nichts anfangen. Erinnert mich sehr stark an den letzten Output von Holy Mother. Jedenfalls tue ich mich dadurch mit dem Lied sehr schwer, auch wenn diese Passagen nur teilweise vorkommen, der Rest fetzt schön nach vorne, speziell am Ende ist das mehr als bangkompatibel, aber irgendwie ist dadurch für mich der Song schon kaputt. Und auch mit nachfolgendem “Loaded Rack“ (Btw: kann mir jemand erklären, was der in erster Zeile besungene “Thunderfucker“ darstellen soll?!) wird die Sache erstmal nicht besser, und das trotz des fast schon Slayer-artigen Anfangs. Leider habe ich keine Ahnung, was die Jungs zu diesem uninspirierten belanglosen Refrain getrieben hat, schade drum. Ist die Stimmung nach diesen zwei Krücken schon stark am Sinken, steht mit “Bats In The Belfrey“ auf einmal wieder ein totaler Übersong in den Startlöchern. Allein schon der göttliche Anfang treibt die Gänsehaut auf den Rücken, und “Treiben“ ist auch das Wort des Songs, ein treibender Stampfer. Ist man gerade mitten schön im Bangrhythmus, schütteln Overkill urplötzlich einen Machine Head artigen Teil aus dem Ärmel, wahnsinn, sowas hab ich seit der “Burn My Eyes“ nicht mehr oft gehört. Und diesmal wird mit “A Pound Of Flesh“ nachgelegt, und zwar mit durchgetretenem Gaspedal. Hier zeigen die Herren, dass sie auch nach 20 Jahren nichts verlernt haben, geiles Teil, am Ende wird gebretzelt was das Zeug hält, wer jetzt noch keine Nackenschmerzen hat, dem ist wirklich nicht mehr zu helfen

Doch, oh weh, nach diesen zwei wirklich fantastischen Stücken hat sich der nächste Lückenfüller eingeschlichen, sollen das etwa Gang-Shouts sein, was im Refrain von “Keeper“ geboten wird? Hört sich eher an, als hätte der Herrschaften jemand mit vorgehaltener Pistole das Mikro unter die Nase gehalten. Ein Überflieger ist auch “Wheelz” nicht, dafür ein sehr guter rockiger Song, mit einer allerdings fürchterlichen, aber zum Glück auch nicht langen Bridge, und diesmal hört sich die ganze Gang-Sache im Refrain auch besser an. Höhepunkt ist aber sicherlich der in der Mitte angesiedelte Instrumentalpart. Leider scheint den Jungs am Ende etwas die Puste auszugehen, denn auch “The Mark“ ist zwar kein schlechtes Lied, aber irgendwie trotzdem schon tausendmal gehört und einfach Mittelmaß. Mit “Play The Ace“ ist es dann sogar so weit, dass man die letzten drei Lieder beliebig untereinander austauschen könnte, denn auch jener welcher schlägt in die exakt selbe Kerbe wie die Vorgänger. Rockig, Midtempo, definitiv nicht schlecht, aber auch keine erste Liga wie der Opener oder die Tracks vier und fünf. Tja, und was dann als Abschluss af den Hörer wartet, wird die Fangemeinde spalten wie Moses das Meer. Live funktioniert das sicherlich wunderbar, wie schon die Sauflieder von Onkel Tom bewiesen haben, denn genau das ist “Old School“ geworden. Den ein oder anderen Lacher kann auch ich mir nicht verkneifen, allein der Refrain ist mehr als kultig (“Here’s to the old school, didn’t matter if you looked cool, we drank some beers, we broke some heads, we never gave a shit“), so ganz anfreunden kann ich mich hiermit trotzdem nicht, speziell da die zweite Hälfte der Platte so oder so nicht das Gelbe vom Ei geworden ist.

Ehrlich gesagt bin ich von diesem Album enttäuscht, ein paar echte Kracher (Within Your Eyes, Bats In The Belfrey, A Pound Of Flesh) stehen einem Rest von mittelmäßigen Songs und einem Sauflied (Old School) gegenüber. “ReliXIV“ ist sicherlich keine schlechte Platte, jedoch erwarte ich von Overkill einfach mehr. Außerdem hätte ich mir wirklich einen besseren druckvolleren Sound gewünscht. Was bleibt ist ein solides Werk, das nicht weh tut, aber auch leider kein Überflieger geworden ist. Vielleicht hätten die Herren Ellsworth und Verni mal lieber Dave Linsk etwas beim Songwriting mitmischen lassen, denn dessen Speed/Kill/Hate Scheibe schlägt die Veröffentlichung seiner Hauptband um Längen.

(Oli)

Bewertung: 7 / 10

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