Review Poem – Unique

Erst vor zwei Jahren beeindruckte die griechische Formation POEM die Prog-Welt mit ihrem zweiten Album „Skein Syndrome“, das mit sieben Jahren Abstand zum ebenfalls viel gelobten Debüt „The Great Secret Show“ fast schon eine Art kleines Comeback darstellte. In dieser nun viel kürzeren Zeit hat die Band fleißig an Werk Nummer drei gearbeitet und kann dieses nun unter dem Namen „Unique“ präsentieren.

Thematisch geht es auf dem hervorragend produzierten Album um eine geisteskranke Person und wie diese die Welt wahrnimmt. Die Texte sind eher metaphorisch gehalten und wirken dabei untereinander sehr stimmig. Ebenso kann die Platte mit einem dazu passenden, wundervollen Albumartwork punkten. Die dargestellte Szenerie wirkt gleichermaßen bedrückend und dramatisch wie auch durch ihre Ästhetik und Schönheit hoffnungsvoll.

Erneut besteht das Album aus sieben Songs, die die musikalische Vielseitigkeit der Truppe abdecken. Grundsätzlich sind die meisten der Stücke für Prog eher geradlinig aufgebaut und drehen sich viel um die eingängigen, emotionalen Gesangsmelodien von Fronter George Prokopiou. Dieser ist zu einem großen Teil dafür verantwortlich, dass die Platte so derart gut funktioniert. Egal ob gefühlvoll und sanft, wie beispielsweise im komplett mit Clean-Gitarren gespielten Titeltrack, rau, wie in den beiden Hit-Songs „Discipline“ und „My Own Disorder“, guttural, wie im leider hin und wieder mit wenig kreativen Djent-Riffs liebäugelnden „Four Cornered God“, oder geradezu mysteriös, fast schon sakral, wie im atmosphärischen Schlussteil von „Brightness Of Loss“ – er trifft zu jeder musikalischen Untermalung die richtigen Töne, um die Stimmung des Albums perfekt zu transportieren. Die Refrains sind durch die Bank alle meisterlich, kein einziger fällt hier im Vergleich zu den anderen merklich ab.

Doch auch die Instrumentalfraktion leistet Großes. Riffs wie bei „Unique“ oder „Brightness Of Loss“ fressen sich schon beim ersten Durchlauf unaufhaltsam in die Gehörgänge. Das Quartett findet hier die perfekte Balance zwischen songdienlichen, einfacheren Strukturen und gelegentlich eingestreuten, komplexeren Kunststücken. So glänzt „Euthanasia“ etwa über die meiste Zeit im Opeth-Stil durch groovig-melancholische Riffs und gefühlvollen Gesang, bevor die Band im Mittelteil dann in einen ruhigen Soloteil wechselt und gegen Ende dann auch vertracktere Ideen ihren Platz bekommen. Das alles wirkt derart gekonnt ausgewogen, dass sich weder Schwurbel- und Skillposing-Allergiker noch anspruchsvolle Musikhörer hier beschweren dürften. Denn zu keinem Zeitpunkt driftet die Band in nervige Technik- und Komplexitäts-Angeberei ab, banalisiert ihre Musik aber auch nicht unnötig in den Alternative-Metal-Bereich hinein, nur um damit ein größeres Publikum zu erreichen.

POEM ist damit ein hervorragendes Progressive-Metal-Album gelungen, das die Messlatte in diesem Genre für 2018 schon sehr früh sehr hoch setzt. Auch wenn nicht alle Songs gleichermaßen vollkommen sind und hier und da mal eine Kleinigkeit nicht ganz so sehr begeistert, ist das unterm Strich ein wahnsinnig starkes Werk. Fans von Tool und Opeth, die auch an gefühlvollen, an Katatonia erinnernde Melodien nichts auszusetzen haben, sollten hier unbedingt reinhören. Generell muss man für „Unique“ eine dringende Kaufempfehlung aussprechen. Viel besser wird Progressive und Alternative Metal nicht mehr.

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Wertung: 9 / 10

Publiziert am von Simon Bodesheim

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