CD-Review: Rammstein - Mutter

Besetzung

Till Lindemann – Gesang
Paul Landers - Gitarre
Richard Z. Kruspe - Gitarre
Oliver Riedel - Bass
Christoph Schneider - Schlagzeug
Christian Lorenz - Keyboard

Tracklist

01. Mein Herz brennt
02. Links 2 3 4
03. Sonne
04. Ich will
05. Feuer frei!
06. Mutter
07. Spieluhr
08. Zwitter
09. Rein raus
10. Adios
11. Nebel


Es gibt Alben, die kennt man einfach. RAMMSTEINs „Mutter“ gehört dazu: Vier Wochen Platz eins, insgesamt 58 Wochen in den Charts und Doppelplatin für 600.000 verkaufte Einheiten in Deutschland sprechen Bände über die Begeisterung, mit der das Album nach seiner Veröffentlichung 2001 aufgenommen wurde. Heute gehört „Mutter“ zu den Standard-Werken deutscher Rockmusik – und das mit Recht.

Waren auf „Sehnsucht“ die beiden entscheidenden Elemente, die melodiebetonte Eingängigkeit und die von den Texten unterstützte Härte, eher nach Songs verteilt, gelingt es RAMMSTEIN diesmal, beides näher zusammenzubringen: Zwar gibt es auch auf diesem Album für beide Extreme gute Beispiele wie die Ballade „Nebel“ einerseits, deren Titel als Aphorismus zum Songthema „Leben“ (und Abschied) einmal mehr die Spitzfindigkeit der Band herausstellt und das stampfende, auch textlich eher lässig aus der Hüfte geschossene „Rein raus“ andererseits. Besonders zu begeistern wissen jedoch gerade die Stücke, welche beide Stärken der Berliner vereinen und so mit einer Kombination aus Härte und Eingängigkeit zu begeistern wissen: Der Titeltrack „Mutter“, „Spieluhr“ oder das epische – ursprünglich als Einmarschhymne für die Klitschko-Brüder komponierte – „Sonne“ sind hierfür die markantesten Beispiele.Allein die zur Perfektion gebrachte Fusion aus brachialen Riffs und so simplen wie grandiosen Melodien hätte RAMMSTEIN jedoch nicht diesen phänomenalen Erfolg beschert, wäre da nicht Till Lindemann: Gesanglich seit „Sehnsucht“ merklich gereift, liefert er sowohl in den brachialen Passagen mit seiner harten Aussprache und dem legendären, gerollten „R“ als auch in den klar gesungenen Refrains („Zwitter“), als Erzähler („Spieluhr“) oder Mann für sanfte Töne („Nebel“) eine tadellose Leistung ab. Solche Vielseitigkeit in der Stimme, kombiniert mit einem derartigen Wiedererkennungswert, findet man selten.

Doch es ist nicht nur die musikalisch wie aufnahmetechnisch brilliante Umsetzung, die „Mutter“ einzigartig macht. Vielmehr fängt die Genialität von RAMMSTEINs Meisterwerk bereits bei der Konzeption an: Kompositorisch wie auch lyrisch ist „Mutter“ der Inbegriff eines in sich schlüssigen Albums: Mögen die Texte auch an sich nicht durch ein offensichtliches Konzept verbunden sein, erzeugen sie doch allesamt ein düsteres Bild der Moderne und im Verbund eine einmalig düster-melancholische, zugleich jedoch kraftstrotzende Atmosphäre, die ihresgleichen sucht.

„Mutter“ ist gewiss kein Album, das jedem gleich gut gefällt – eine solche CD wurde (zum Glück) noch nicht gepresst. Dennoch sollte dieser Tonträger definitiv in keiner Sammlung fehlen  – als Meilenstein deutschsprachiger Musikkultur.

Durch seine Vielseitigkeit, die von Mainstream-tauglichen Stücken wie „Sonne“ bis hin zu groben Nummern wie „Rein raus“ reicht, hat „Mutter“ zudem für nahezu jeden etwas zu bieten, der dem RAMMSTEIN-Stil nicht per se ablehnend gegenübersteht und stellt somit gleichermaßen einen perfekten Einstieg in die Welt von RAMMSTEIN wie ein Highlight für langjährige Fans dar. Einzig für RAMMSTEIN selbst hat dieses Album auch einen negativen Aspekt: An diesem Meisterwerk wird sich die Band auf ewig messen lassen müssen.

Bewertung: 10 / 10

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