CD-Review: Rammstein - Sehnsucht

Besetzung

Till Lindemann – Gesang
Richard Kruspe – Gitarre
Paul Landers – Gitarre
Oliver Riedel – Bass
Christoph Schneider – Schlagzeug
Christian Lorenz – Keyboard

Tracklist

01. Sehnsucht
02. Engel
03. Tier
04. Bestrafe mich
05. Du hast
06. Bück dich
07. Spiel mit mir
08. Klavier
09. Alter Mann
10. Eifersucht
11. Küss mich (Fellfrosch)


Bereits mit ihrem Debüt „Herzeleid“ konnten RAMMSTEIN nicht nur eine Duftmarke, sondern einen echten Trend setzen: Neue Deutsche Härte. Zwei Jahre später nun gilt es, den Schwung mitzunehmen und aus RAMMSTEIN eine Marke zu machen. Wie aus heutiger Sicht allseits bekannt, ist den Berlinern das mit ihrem zweiten Werk, „Sehnsucht“, vortrefflich gelungen.

Den Grundstein zum Erfolg legte dabei das schon damals stimmige Gesamtkonzept hinter der Band: Vom Cover mit seinen sechs Varianten ausgehend, über das auch diesmal konsequent weitergeführte Konzept gezielter Provokation in den Texten bis hin zur Musik, die auf „Sehnsucht“ weitaus vielschichtiger ausfällt als noch auf dem bisweilen recht stumpfen Debüt. So lassen RAMMSTEIN mit Stücken wie „Engel“, „Klavier“ oder „Alter Mann“ auf „Sehnsucht“ neben den vom Debüt her bekannten Brachial-Riffs zum ersten Mal auch sanfte Töne hören. Dass Till Lindemann zugleich mit Nummern wie „Bestrafe mich“, „Tier“ oder „Bück Dich“ textlich härteren Tobak parat hält als auf dem diesbezüglich vergleichsweise harmlosen Debüt, geht bei so viel Romantik und Melancholie fast unter. Und genau diese Zweischneidigkeit ist es, die RAMMSTEINs „Sehnsucht“ so erfolgreich macht – am Ende ist nämlich doch für jeden was dabei: Während der eröffnende Titeltrack den RAMMSTEIN-Fan der ersten Stunde direkt bei „Herzeleid“ abholt und „Alter Mann“ allen Kritikern beweist, dass Till Lindemann durchaus auch zu Texten mit Tiefgang fähig ist, erobert die Hitsingle „Engel“ quasi im Alleingang den Mainstream im Sturm. Allen stilistischen Unterschieden zum Trotz gelingt es RAMMSTEIN, „Sehnsucht“ als Einheit auftreten zu lassen: Die Keyboardlastigkeit, der transparente Sound und nicht zuletzt die düstere Atmosphäre kreieren ein starkes Band, das die elf Nummern zusammenhält. Dass das Album nicht nur Hits aufweist, ist in diesem Kontext ebenso verkraftbar wie die Tatsache, dass auch Lindemanns Gesang (noch) nicht vollends zu überzeugen vermag – auch darüber täuschen die Gesamtstimmung wie auch einzelne Highlights leicht hinweg.

„Sehnsucht“ ist, um eine abgedroschene Kritiker-Phrase zu nutzen, noch nicht das Album, das zu schreiben RAMMSTEIN imstande sind. Trotzdem ist die CD mit ihren unzähligen Hits, die auch jetzt noch in keinem RAMMSTEIN-Set fehlen dürfen, bereits 1997 mehr als ein Indiz auf das unglaubliche Potential dieser Band.

Bewertung: 8.5 / 10

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