CD-Review: Rammstein - Rammstein

Besetzung

Till Lindemann – Gesang
Paul Landers - Gitarre
Richard Z. Kruspe - Gitarre
Oliver Riedel - Bass
Cristoph Schneider - Schlagzeug
Christian Lorenz - Keyboard

Tracklist

01. Deutschland
02. Radio
03. Zeig dich
04. Ausländer
05. Sex
06. Puppe
07. Was ich liebe
08. Diamant
09. Weit weg
10. Tattoo
11. Hallomann


Stolze zehn Jahre blieb „Liebe ist für alle da“ ohne Nachfolger. Und als hätten RAMMSTEIN Angst, seitdem in Vergessenheit geraten zu sein, fahren sie für ihr nunmehr siebtes Album „Rammstein“ eine Kampagne, wie sie die Welt noch nicht gesehen hat: Da wird mit KZ-Szenen als Videoteaser provoziert und werden Clips auf Hauswände projeziert, Musik feiert exklusiv im Radio Premiere und nun wird auch noch ein Riesen-Streichholz durch Deutschland gekarrt. In aller Munde sind RAMMSTEIN damit fraglos – aber bleibt „Rammstein“ auch im Ohr?

Zunächst „Deutschland“ mit seinem flirrenden Keyboard, dem knackigen Riffing und dem eingängigen Refrain, dann das leichtere, verspieltere – ja, „radiotaugliche“ „Radio“ mit unüberhörbarer Kraftwerk-Reminiszenz: In der Reihenfolge ihrer Veröffentlichung eröffnen die beiden Vorab-Singles auch das Album. Ersteres in Kombination mit dem dazugehörigen Videoclip eine nur auf den ersten Blick provokante Abrechnung mit überbordendem Patriotismus, zweiteres zugleich Geschichtsstunde und Hommage an die Pressefreiheit. Beides Stücke mit von RAMMSTEIN ungekannt klarer politischer Message. Ob der „Deutschland“-Refrain „Deutschland über allen“ oder der fast schmerzhafte, ausgelassene Reim durch mutwillige Verwendung des sperrigen „Weltempfängers“ in „Radio“: Lindemann begeistert durch sein sprachliches Geschick, mit dem bei RAMMSTEIN seit jeher alles steht und fällt.

Das zeigt sich auch in „Zeig dich“, in dem der Klerus einen vor den Latz bekommt, dessen Mitglieder sich „aus Versehen […] an Kindern vergehen“. Erneut sind RAMMSTEIN damit überraschend tagespolitisch, am Puls der Zeit. Musikalisch hingegen bietet dieser Song höchstens im RAMMSTEIN-Kontext überraschende Elemente: Von großer Kreativität zeugt es jedenfalls nicht, in einem Song über die Kirche als prägendes Element sakrale Chöre einzusetzen. Die Qualität des ansonsten vergleichsweise RAMMSTEIN-typischen Stücks steigert vor allem der Kontrast zu dem, was folgt.

So unkreativ wie der Albumname „Rammstein“ (warum lässt eine sonst so wortgewaltige Band wie RAMMSTEIN diese Gelegenheit für ein starkes Spiel mit Worten aus?) sind nämlich in textlicher Hinsicht fast ausnahmslos alle Nummern, die folgen.

Obwohl etwa die Themenfelder Sextourismus und der Akt an sich fraglos perfekt in den RAMMSTEIN-Kosmos passen, passt hier eigentlich nichts: Während sich Till Lindemann mäßig lustvoll und ohne jede Finesse an den Themenkomplexen und den dazugehörigen, längst ausgelutschten Phrasen (wie der Anspielung auf den Kalauer „besser widerlich als wieder nicht“) abarbeitet, liefern RAMMSTEIN billigen Club-Sampler-Sound („Ausländer“) oder musikalische Magerkost („Sex“). In „Was ich liebe“ wiederum will Till nicht nachvollziehbar tiefenentspannt alles töten, was er liebt (glaubhafter gehört in „Benzin“, „Liebe ist für alle da“ und vielen weiteren), ehe es mit der völlig ironiefreien Herzschmerz-Kurznachricht „Diamant“ (2:34 Minuten) fast dreist wird: Nicht nur verglichen mit den unzähligen unsterblichen Balladen der Berliner („Nebel“, „Seemann“, „Ohne Dich“, „Roter Sand“ …) ist dieses kitschige Machwerk aus Akustikgitarren, modulierten Streichern und leeren Worthülsen für RAMMSTEIN fast unerhört.

Man könnte jetzt denken, man sei auf dem Boden der Belanglosigkeit angekommen. Kämen da nicht noch „Weit weg“, das textlich wie musikalisch auch von In Extremo stammen könnte, und „Tattoo“, dessen Text sich, nun ja, eben um Tattoos dreht. Dass diese beiden Songs musikalisch wieder mehr zu bieten haben, bei letztgenanntem sogar wieder „typisches“ RAMMSTEIN-Riffing, hilft da allenfalls nicht deutschsprachigen Hörern weiter. Die ganze Tragik des Albums bringt schlussendlich „Hallomann“ auf den Punkt: Wäre ein Text aus Sicht eines Pädophilen an sich der perfekte Stoff für einen zynischen, bösen, ja ekelhaften RAMMSTEIN-Text par excellence, erzählt Till Lindemann die Story so ohne jede dramaturgische Zuspitzung. So verstreicht auch diese letzte Chance, Emotion zu wecken, ungenutzt.

Dabei könnten RAMMSTEIN auch ganz anders: Zwischen all dem Mittelmaß, auf Platz sechs der Tracklist, im Zentrum des Albums, steht mit „Puppe“ der Beweis. Nicht nur, dass der Song über das Kind, dessen Schwester sich im Nebenzimmer prostituiert, als erster und wohl einziger musikalisch völlig rund ist. Vielmehr ist der verstörend düster begleitete und gesanglich grandios dargebotene Gefühlsausbruch der erste und einzige echte Gänsehautmoment. Da verzeiht man auch fast (nein, eigentlich nicht), dass Lindemann „Medizin“ auf „ziehn“ reimt und das „Daunenbett“ zum „Daunenbeet“ streckt, um den Reim auf „untergeht“ zu erzwingen.

Dass dieser Song, aber auch die beiden textlich tief reichenden Singles auf dem gleichen Album stehen, ja, aus der gleichen Schaffensperiode stammen sollen wie die anderen acht Nummern auf „Rammstein“ ist kaum nachzuvollziehen. Doch selbst, wenn man die Texte komplett außen vor ließe, bliebe „Rammstein“ nach dem bislang längsten Schaffensprozess der Bandgeschichte deren schwächstes Album: Egal, ob sie Neues probieren oder sich selbst kopieren („Zeig dich“ erinnert etwa an „Links 2 3 4“, „Puppe“ an „Wiener Blut“ und „Tattoo“ lässt an „Weißes Fleisch“ denken) – wirklich zünden kann „Rammstein“ nicht. Ob es das war, was RAMMSTEIN mit dem Album-Artwork andeuten wollten?

Bewertung: 6 / 10

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25 Kommentare zu “Rammstein – Rammstein”

  1. Roland

    Oh gott wie oft habt ihr das Album gehört, ich höre seit 18 jahren rammstein und finde dirsrs Album sehr gut besser als Rosenrot, die tracks wie Deutschland, Radio, was ich liebe, Puppe, sex, weit weg, Tattoo und Diamant sind klasse, klar anderer sound und viele erinnern an alte Lieder aber das experimenten ist Ranmstein srhr gelungen 9 von 10 Punkten.

  2. Velibor

    Dear Moritz Grütz.
    According to your review of the last Rammstein album my suggestion is that you have to listen much more different music to be able to comment Rammstein. You don’t have capacity to do revews of such a band. So listen to my advice and go and listen to more music. I wish you all the best.

    1. Silvia

      Ich bin absolut begeistert von diesem Album! 10 Jahre warten haben sich absolut gelohnt. Meine Highlights sind Puppe, Weit weg, Deutschland, Was ich liebe und Zeig Dich. Seid dem ersten Album Fan. Und ich bin wirklich begeistert. Alle Erwartungen erfüllt!

  3. Stefan

    Eine 6/10 finde ich absolut nicht gerechtfertigt.

    Fast alle Reviews die ich bisher über das Album gelesen habe, kritisieren die fehlende Tiefe der Texte. Hierzu werden gern wörter wie „belanglos“ verwendet. Auch wird kritisiert das Rammstein sich zu sehr von ihren Ursprüngen wegbewegt haben, und ihnen dieser „böse“ gruselfaktor fehlt, der die Band bislang ausgezeichnet hat.

    Jeder der Rammstein auf dieses „Böse“ reduziert, hat das Gesamtkonzept der Band nicht verstanden. Rammstein reflektiert in ihrer Musik die schlechten Seiten des Lebens.
    Dabei geht es oft um Liebe und Emotionen oder um die Frage, was einen Menschen dazu treibt schlechte Dinge zu tun (z.B. Mein Teil über den Kannibalen von Rotenburg oder Wiener Blut über Jospeh Fritzl).
    Provokation und Tabubrüche sind dabei Stilmittel aber niemals der Kerninhalt.
    Keines der nun sieben Alben enthielt mehr als 2-3 dieser „Tabuthemen“.
    Der Rest waren einfach nur Lieder über das Leben!

    Im Prinzip geht es viel mehr darum, sich gedanken über ein Thema zu machen das in unserer Gesellschaft existiert, aber niemand so wirklich darüber reden möchte.
    Und genau solche Themen greift Till Lindemann auf und verarbeitet sie in seinen Texten.

    Das neue Album ist deshalb ein Rammstein-Album wie jedes andere auch. Jeder der Titel lässt sich problemlos Thematisch mit alten Titeln vergleichen.

    Mit Gesellschafts-Kritischen / Politischen Themen: z.B. Deutschland und Radio
    – Vergleichbar mit z.B. Amerika

    Liebe / Emotionen: z.B. Diamant und Was ich liebe
    -Vergleichbar mit: Wo bist du, Stirb nicht vor mir, Nebel etc.

    Tabuthemen: z.B. Zeig dich, Hallomann
    -Vergleichbar mit: Heirate Mich, Wiener Blut, Spiel mit mir etc.

    Dazu reihen sich noch Sex oder Ausländer, welche inhaltlich an Rein Raus, Pussy, Waidmannsheil etc. anknüpfen.

    Musikalisch mag es an einigen ecken anders klingen, inhaltlich hat sich absolut nichts verändert!

    1. Moritz Grütz Post Author

      Hallo Stefan, danke für deinen ausführlichen Kommentar – endlich mal einer, auf den man inhaltlich antworten kann. ;)
      Womit du recht hast, ist der Rammstein-typische „Themenmix“, den es immer schon gab und an dem sich auch nichts geändert hat. Das Problem hier ist wohl vor allem, dass Rammstein mit „Deutschland“ und „Radio“ zwei sehr politische Songs vorgeschoben haben, die sich extrem von den anderen unterscheiden. Das mag schlicht falsche Erwartungen geschürt haben. Dazu kommt, und das ist aus meiner Sicht das eigentliche Problem, dass die Texte der anderen Songs qualitativ einfach nicht auf dem Level spielen, auf dem Rammstein sonst agieren. Der Sprach- und Wortwitz, mit dem Lindemann selbst in einem „stumpfen“ Song wie „Pussy“ formuliert, fehlt in einem Text wie dem zu „Sex“ leider völlig. Auch bleibt Lindemanns „Hallomann“ ein blasser Charakter, die Story führt nirgendwo hin – ganz anders, als etwa „Wiener Blut“. So geht es mit fast allen Songs außer „Puppe“ weiter: Die früher charakteristische Sprachgewalt ist einer blassen Darstellung mehr oder weniger spannender Szenarien gewichen. Bei „Mathematik“ von Lindemann dachte ich noch, das wäre ein (musikalisch missratener) Gag – bei Texten wie dem Großteil derer von „Rammstein“ bin ich mir nicht mehr sicher. Wie der Text zu „Deutschland“ oder „Amerika“ oder „Wiener Blut“ etwa vom gleichen Verfasser sein soll wie „Tattoo“ oder „Was ich liebe“, ist für mich fast unerklärlich. Insofern: Es geht nicht um das WAS, sondern das WIE ;)

    2. Steph

      Ich war nach dem ersten Höreindruck auch ziemlich enttäuscht. Die Texte wirken belanglos, wenn man jedes Lied einzeln betrachtet. Rammstein machen auf diesem Album jedoch etwas, was dieses wiederum genial macht. Die Songs von Zeig dich bis Hallomann erzählen eine Geschichte, quasi das Psychogramm eines Triebtäters. Die übermäßige Sexualisierung der Gesellschaft durch Kirche oder Medien führen zum Leid eines Kindes in Puppe, was wiederum selbst im Lied Hallomann als Erwachsener zum Täter wird. Wenn man das Album so betrachtet werden aus belanglosen Strophen sehr tiefgründige Botschaften! Geht es in Tattoo wirklich um Tattoos oder wird hier was ganz anderes gestochen? Ich zeig MIR deins, wer schön sein muss, der will auch leiden?! Starkes Album.

      1. Moritz Grütz Post Author

        Hallo Steph.

        Wenn ich ehrlich bin halte ich diese Theorie, die der Parabelritter da in die Welt gesetzt hat (zumindest ist er meines Wissens nach der Urheber dieser Interpretation) für ziemlich an den Haaren herbeigezogen. Zunächst wäre das das erste Albumkonzept, das ich kenne, das von Song 3-11 geht. Weiters passt „Diamant“ eigentlich gar nicht, „Tattoo“ nur mit viel Phantasie ins Konzept, und für eine „Story“ müsste „Sex“ doch irgendwie eher nach dem Kindheitstrauma „Puppe“ stehen, oder? Natürlich KANN man da irgendwie einen Kontext reinlesen, das kann man aber mit quasi allem und jedem. Ein Beispiel:
        „Reise, Reise“ ist ein Konzeptalbum. Es geht um einen Mann, der über das Meer („Reise, Reise“) reist, weil er unter Flugangst („Dalai Lama“) leidet. Wie später erst klar wird („Amerika“) will er in die USA. Dort entgleist sein Leben, er wird zum Kannibalen („Mein Teil“) und verliert aus Selbsthass, weil er hässlich ist („Morgenstern“) seine Libido („Keine Lust“) . Weil er wieder zu sich selbst findet („Los“) will er sein Leben radikal ändern und geht nach „Moskau“. Dort aber wird alles nur noch schlimmer, er wird rückfällig und mauert eine Frau ein („Stein auf Stein“), der er schließlich nachtrauert („Ohne dich“) … denn „Amour“.

        Du siehst, was ich meine?

        Davon abgesehen wäre eine solche „Geschichte“ schlimmste Küchenpsychologie, die vermutlich selbst RAMMSTEIN zu platt wäre – und wollten sie so ein Konzept umsetzen, hätten sie es (hoffentlich) deutlich eleganter getan. Was wieder zum eigentlichen Problem führt: Konzept hin oder her – die Texte sind einfach zu wenig auf den Punkt.

        1. Steph

          Hi Moritz.
          Ich habe mir schon sowas ähnliches gedacht,da es bei Rammstein meistens nicht das ist wonach es sich anhört. Er sieht das mit Zeig dich, Ausländer und Sex etwas anders. Aber egal, das kann natürlich auch an den Haaren herbeigezogen sein. Für mich macht es Sinn und hat das Album auf jeden Fall aufgewertet. Instrumental ist es sowieso klasse. Das aber ist doch das Schöne an dieser Musik, jeder hört etwas anderes heraus. Rammstein eben.

    3. Andre Bonow

      Stefan, wie sehr Recht du doch hast. Glatte Eins für deine Analyse!! Ich finde auch dass Till seine Texte absolut zum nachdenken anregen. Und vor dem Hintergrund die Gesellschaft zu reflektieren und zu polarisieren sind die aufkommenden Fragen nach „Belanglosigkeit in seinen Texten“, zumindest für so manchen durchaus legitim. Denn wie wir alle wissen sieht das Entlein im Spiegel den Schwan. Doch die Realität sieht ja vielleicht auch anders aus….

  4. Michael Schmidt

    Tja, da haben sich die Herren Rammstein ins eigene Fleisch geschnitten. Wer einen so hohen Erwartungsdruck aufbaut, braucht sich nicht wundern, dass die finale Umsetzung enttäuscht. Eine Chance haben sie dennoch: wenn das Konzert wie erwartet gigantisch wird, wird die Fangemeinde die Schwächen des Albums vergessen…

  5. David

    Sehr gut gelungen das Album richtige Fans kritisieren das nicht sondern sollten es feiern so wie lange gewartet und jetzt ist es da macht weiter so RAMMSTEIN. Freu mich schon auf das nächste Konzert 🤘🏼🤘🏼

  6. Bandit

    Also ich kann mich auch nicht beklagen, höre seit meiner Kindheit Rammstein und bin auch mit dem neuem Album sehr zufrieden. Die tracks sind allesamt klasse anzuhören.

  7. Jonas Kreitz

    Hi Moritz, danke dass du dich in den Kommentaren äußerst und die Möglichkeit gibst, einmal direkt zum Autor zu schreiben. Dein review schließt sich ja doch sehr der breiten Meinung an und gibt als Fazit diese belanglosigkeit an. Da bist du glaube ich, wie fast jeder, rammstein komplett in die Falle gegangen, denn das album entlarvt gerade, meiner Meinung nach, die halbe gesellschaft als eben genau das worum es in dem Album geht, das wegschauen und kaschieren von unfassbar tragischen Leben die, vom Rad der Gesellschaft zermahlen werden, als belanglos.

    Das kaum niemand entdeckt, dass wir hier ein verstecktes Konzept Album haben, schockiert mich etwas, da es die geballte journalismuskompetenz ignoriert, oder eben nicht hört oder sieht.

    Schon in der trackliste, lassen sich doch Zusammenhänge herauslesen, Sex-Puppe-was ich liebe- diamant- weit weg….
    Das Artwork ein streicholz ( der Protagonist (hallomann) des albums), das (der) durch die reibefläche (die gesellschaft) läuft und am Ende entflammt.

    Wir erleben die Lebensgeschichte eines Menschen, der in einem gewaltzyklus lebt und aus diesem, trotz kläglicher Versuche, nicht herauskommt, weil es die übersexualisierte gesellschaft nicht zulässt, da er überall konfrontiert wird, am Ende kompensiert er alles in dem er ein kleines Mädchen vergewaltigt…. Da hilft ihm kein Tattoo, kein spannen, die Kirche sowieso nicht und über allem kann er Deutschland seine Liebe erst recht nicht geben, auch das Radio aus der Kindheit wurde belanglos, der Sex wurde eklelig, weil belanglos, egal ob in oder Ausland und der Kern allem Übels ist der Mord an der schwester.

    Musikalisch bringt es die Stimmung und Thematik der einzelnen Lieder (lebensabschnitte) wunderbar rüber, gerade im hallomann finde ich den teil, als der Protagonist sein abscheuliches Werk vollzieht, und dies nicht durch Worte sondern durch das Keyboard und die gitarren geschieht, einfach genial.

    Ein verstecktes meisterwerk, was ich rammstein nicht zugetraut hätte und seinen Vorgänger (der vielen Vergleiche wegen) in der Tiefe überflügelt.
    Musikalisch anders und mutiger, ohne sich zu sehr zu entwurzeln und gerade die kleinen Spielereien und Details in den liedern, machen im gesamten Kontext richtig spaß.
    Am Ende singt Till lindemann „frag nicht nach dem sinn“ und Deutschland gehorcht!
    Danke rammstein

    1. Moritz Grütz Post Author

      Hallo Jonas, danke dir für deinen langen Kommentar. Zum Diskutieren ist die Kommentarsparte schließlich da, und das eben nicht nur unter Lesern, sondern auch unter Lesern und Redakteuren.
      Diese Interpretation des Albums als Konzeptalbum ist mir bekannt, nicht zuletzt hat ja der Youtuber „Der dunkle Parabelritter“ eine ähnliche These aufgestellt. Allein, wenn ich ehrlich bin, überzeugt mich diese Deutung des Albums nicht: Auf mich wirkt das leider zu konstruiert, etwa, weil „Deutschland“ und „Radio“ nur mit viel Biegen und Brechen in dieses Konzept passen, ebenso „Diamant“ oder „Tattoo“ – natürlich kann man diese irgendwie in diese „Story“ einflechten – einen zwingenden Zusammenhang vermag ich hier aber nicht zu erkennen und wage ich stark anzuzweifeln. Doch selbst, WENN diese Konzeptidee bestand hätte, ändert dies ja nichts daran, dass die Texte für sich genommen nicht auf dem Niveau rangieren, das man von Rammstein sonst kennt: Näheres zu meiner Meinung hierzu kannst du meinem Kommentar auf den Post von Stefan entnehmen. Beste Grüße & bleib uns (trotzdem) als Leser treu!

    2. Daniel

      Hi Jonas,

      Ich muss zugeben das ich von dem Album enttäuscht bin. Vor der Veröffentlichung von Deutschland und Radio hatte ich eigentlich keine großartigen Erwartungen, danach war ich aber ziemlich gehypt was sich aber als Fehler beim Release des Albums herausgestellt hat.
      Dein Kommentar liest sich wie der Kommentar eines langjährigen Fans der das Album um jeden Preis gegen jede Art von Kritik verteidigen will.
      Die These einer versteckten Gesellschaftskritik hört sich an wie das was mein alter Deutschlehrer zu einer Buchinterpretation gesagt hat. Also sowas wie „Dadurch das der Stuhl in der Geschichte grün ist muss der Autor unbedingt auf einen Missstand hinweisen und außerdem zeigt sich dadurch die Misshandlung des Autors von Enten in seiner frühen Kindheit und außerdem ist das der Beweis das er homosexuell ist“. Das ist natürlich etwas überspitzt dargestellt aber solchen Interpretationen habe ich noch nie geglaubt.
      Rammstein jetzt eine plötzliche Komplexität anzudichten gegen die Inception ein Witz sein soll bezweifel ich einfach.
      Ich selbst höre Musik auch mal gerne einfach zum genießen und wenn die Lieder aus sozialkritischen Gründen absichtlich „schlecht“ sind muss ich mich persönlich fragen warum ich mir die Lieder anhören soll. Wenn die Texte für mich belanglos sind ändert der Kontext auch nichts an meiner fehlenden Freude beim hören des Albums.

  8. Daniel

    Schaut Euch doch mal die amazon Bewertungen an,das sagt alles wie schlecht dieses Album ist,Texte flach und ohne Inhalt! Schlechteste Rammstein Album aller Zeiten,sehr schade nach so langer Wartezeit…

  9. Bernd

    Was wollt ihr eigentlich ? Bleiben RAMMSTEIN ihrem Stil treu, heißt es gleich: “ nichts neues, langweilig “ . Ändern RAMMSTEIN ihren Stil, heißt es: “ Das sind nicht mehr meine RAMMSTEINER „.
    Müssen die Jungs wieder zensiert werden, damit sie gut sind ? Ich meine NEIN ! RAMMSTEIN haben das nicht mehr nötig.
    Ich finde das Album super ! Man erkennt das Flake mehr Spielraum bekommen hat, das ist neu und gefällt mir sehr. Auch der Gesang der Bandmitglieder steht mehr im Vordergrund.
    Als ich die ersten Takte von WEIT WEG gehört habe, erinnerte mich das sofort an KRAFTWERK. WEIT WEG schoss sofort in mein zentrales Nervensystem ! Und ist mein Ohrrrwurrrm. Muss ich gleich mehrmals hintereinander hören. Bei PUPPE habe ich TILL noch nie mit so einer Energie und Kraft, mit so einem Volumen singen hören. Einfach perfekt ! Ich stell mir vor: TILL auf der Bühne, reißt der Puppe den Kopf ab, beißt Fleischstückchen aus dem Hals und spuckt diese zu den Zuschauern ! HARRR ! HARRR ! HARRRRRR !
    Geniest das Album einfach und hört auf zu vergleichen. Ich bedanke mich für die Aufmerksamkeit. Mein Name ist Berrrnd, Berrrnd das Brrrot. Ich bin gerührt und geschüttelt. 10 / 10

  10. Mäggie

    Ich muss euch echt recht geben! Nur Puppe hat mich voll umgehauen, der Rest „plätschert etwas vor sich hin“… vielleicht muss man es öfter hören, um alle Songs gut zu finden?!
    Selbst der größte Fan der Welt darf doch sagen, wenn im Songs nicht so sehr gefallen, oder man was anderes erwartet hat! Immer nett bleiben ;-)

  11. Peter

    Manche Kritiker wollen vermutlich einfach nur auffallen und „mal was anderes Schreiben“
    auf einer anderen Seite laß ich ebenfalls eine schlechte Kritik von einem Oliver Götze… naja.

    Ich persönlich bin sonst nicht so der Rammsteinanhänger gewesen, hab aber dennoch 1-2 Alben von denen und die meißten Lieder zumindest mal gehört.
    Nun hab ich mir auch das aktuelle Album schenken lassen.
    Ich bin von dem Album mehr als begeistert. Schräg, melodisch, absolut provozierend (wie gewünscht), grober Rock – kurz um einfach Geil.
    Von Einfaltslosigkeit und ständig gleicher Schiene sollte man bei Rammstein nicht reden. Es ist eben deren Stil – so könnte man auch Helene Fischer verteufeln (da klingt definitiv Eins wie das Andere) – und Sie hat die mit meist verkauften Alben in Deutschland… -,-

    1. Moritz Grütz Post Author

      Lieber Peter, mit „auffallen wollen“ oder „mal was anderes Schreiben“ hat das nun wirklich nichts zu tun – die Richtung, in die eine CD-Kritik geht, ist ja schließlich nicht einer Tageslaune oder der spontanen Kreativität geschuldet, sondern einer Meinung zu der Musik, die man sich vorher gebildet hat. Dass das Album insgesamt sehr unterschiedlich aufgenommen wurde und wir mit unserer Kritik nicht allein dastehen, hast du ja selbst schon gesehen.

      Dass dir das Album gefällt, ist ja auch dein gutes Recht – vor allem, wenn du bislang mit Rammstein nicht so vertraut warst, gehst du da ja auch anders heran als ein langjähriger Hörer. Als ziemlich unsinnig empfinde ich allerdings den Satz “ Von Einfaltslosigkeit und ständig gleicher Schiene sollte man bei Rammstein nicht reden. Es ist eben deren Stil.“ Denn zum einen ist das Album in vielen Punkten eben nicht bandtypisch, zum anderen sollte man immer dann „von Einfallslosigkeit und ständig gleicher Schiene“ reden, wenn es angebracht ist – egal bei wem.

      Auf den HF-Vergleich gehe ich jetzt nicht weiter ein, denn zum einen: ja, die verteufle ich auch und zum anderen waren Verkaufszahlen noch nie ein Qualitätsbeweis. Stichwort: Millionen Fliegen können nicht irren, fresst Scheiße.
      Beste Grüße

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