CD-Review: Running Wild - Crossing The Blades (EP)

Besetzung

Rolf Kasparek - Gesang, Gitarre
Peter Jordan - Gitarre
Ole Hempelmann - Bass
Michael Wolpers - Schlagzeug

Tracklist

01. Crossing The Blades
02. Stargazed
03. Strutter
04. Ride On The Wildside


In den letzten sieben Jahren konnte die Metal-Gemeinde live miterleben, wie RUNNING WILD und vor allem deren Strippenzieher Rolf Kasparek allmählich wieder aufs Pferd kamen. War „Shadowmaker“ noch ein recht holpriger Anfang, enthielt „Resilient“ schon viel der ursprünglichen DNA der Band und mit „Rapid Foray“ erschien schließlich das Album, auf das Fans seit „The Brotherhood“ gewartet haben. Seither machen sich RUNNING WILD auf den Bühnen dieser Welt zwar nach wie vor rar, sind aber in jedem Fall wieder aktiv und haben drei Jahre nach ihrer letzten Platte mit „Crossing The Blades“ überraschend eine neu EP auf Lager.

Zur Eröffnung gibt’s mit dem Titeltrack sodann eine RUNNING-WILD-Nummer aus dem Bilderbuch, die mit ihrem Triolen-Riffing sofort ordentlich Zug entwickelt. Dank authentisch „piratigen“ Melodieläufen, einem hymnischen Chorus zum Mitträllern und einem ziemlich gelungenen Leadgitarren-Duell zwischen Frontmann Rolf und Gitarrist Peter Jordan hat der Song alles, was sich Fans der Band wünschen könnten. Bei so viel „Fan Service“ kann natürlich argumentiert werden, dass der Song arg auf Nummer sicher gespielt ist und rein gar nichts Neues bietet – tatsächlich handelt es sich hier um die Blaupause neuerer RUNNING-WILD-Songs, aber wenigstens ist 2019 bei RUNNING WILD drin was drauf steht. Das war nicht immer so.

Weiter geht’s mit dem nicht minder schmissigen „Stargazed“, in dem RUNNING WILD sich von ihrer rockigeren Seite zeigen: Die Nummer klingt wie eine Mischung aus „Freewind Rider“ und „Soulless“ von „Black Hand Inn“, wobei böse Zungen behaupten mögen, dass der Refrain sogar genau wie der von „Soulless“ klingt. Auch hier also das Fazit: Macht Spaß und klingt nach RUNNING WILD, ist aber auch schon mal dagewesen. Zeichnet sich hier womöglich ein Trend ab? Mehr dazu gleich…

Es folgt ein Cover des 1974er Kiss-Hits „Strutter“. Will man solch eine Nummer nicht als Bonustrack oder auf Tribute-Samplern unterbringen, man muss sie auf eine EP packen, weshalb der Titel auf „Crossing The Blades“ goldrichtig ist. Dabei muss man RUNNING WILD durchaus Anerkennung zuteil werden lassen, denn auch im Breitwand-Sound der Hamburger macht der Song eine verdammt gute Figur wobei insbesondere hervorgehoben sei, dass Bandkopf Rock ’n‘ Rolf, der Mann mit den anderthalb Gesangslinien in seinem Repertoire, den Track überraschend gut interpretiert.

Den Abschluss bildet „Ride On The Wildside“ und wie der Titel vermuten lässt bekommt es der Hörer hier erneut mit einem weniger „ernsten“ Party-Song zu tun. Auch mit solcherlei Nummern fallen RUNNIG WILD nicht wirklich aus der Rolle – man vergleiche die zuvor genannten Songs sowie beispielsweise „Raw Ride“ von „Under Jolly Roger“ oder „Locomotive“ von „Shadowmaker“ – allerdings ist es ein Unterschied, ob diese Songs zwischen ausgefeilteren Kompositionen eines Albums stehen oder wie hier das Hauptprogramm bestreiten müssen. So macht „Crossing The Blades“ mit seiner guten Viertelstunde Spielzeit durchaus Spaß, lässt aber auch etwas Tiefgang vermissen.

EPs werden vornehmlich veröffentlicht, wenn Material von der letzten Songwriting-Session übrig bleibt, das zu gut fürs Archiv ist oder wenn noch nicht genügend Songs fürs nächste Album vorhanden sind, aber unbedingt mal wieder eine Veröffentlichung her muss. Im Falle von „Crossing The Blades“ lassen sich zu diesem Sachverhalt bestenfalls Spekulationen anstellen, vermutlich eine Mischung aus beidem. Fakt ist, dass ein Cover und drei grundsolide Songs aus eigener Feder, die auf einer vollwertigen Platte vermutlich eher Füller-Status innegehabt hätten, vier durchaus leckere Häppchen zur Überbrückung der Wartezeit auf das nächste vollwertige Album von RUNNING WILD ergeben. Nicht mehr, aber sicher auch nicht weniger.

Bewertung: 6.5 / 10

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2 Kommentare zu “Running Wild – Crossing The Blades (EP)”

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