SLAGMAUR springen seit Jahren bewusst zwischen künstlerischem Anspruch, Provokation und Selbstinszenierung hin und her. Einige Fans feiern die Norweger genau deswegen, andere finden das Schauspiel nervig. Eine Rezension zum neuen Album „Hulders Ritual“ muss jedoch genau deshalb zwei Ebenen berücksichtigen: die Musik selbst und das „Drumherum“, das hier fast ebenso wichtig ist.
Für erhebliche Aufmerksamkeit sorgte im vergangenen Jahr nämlich eine Kontroverse (wir berichteten). Die Band verbreitete 2025 eine falsche Vermisstenmeldung über zwei Mitglieder, die angeblich in der norwegischen Wildnis verschwunden seien. Später stellte sich dies als PR-Aktion heraus. Ob die Aktion jetzt als konsequente Kunststrategie oder als geschmacklose Selbstmythologisierung und überzogene Inszenierung angesehen wird, ist jedem selbst überlassen. In jedem Fall hatten und haben SLAGMAUR die Aufmerksamkeit auf sich gelenkt und vermutlich einige Interessierte zum neuen Album gelockt.
Musikalisch knüpft „Hulders Ritual“ an die lange Tradition des norwegischen Black Metal an, wirkt dabei aber weniger wie ein Fortschritt als wie eine gezielte Rückbesinnung. Statt klarer Produktion oder moderner Klangästhetik setzt die Band auf eine bewusst rohe Lo-Fi-Produktion. Gitarren rauschen, Schlagzeug und Mix wirken unausgewogen und bescheren einen Effekt, der offensichtlich gewollt ist.
Gleichzeitig bleibt die Musik komplexer, als diese Oberfläche vermuten lässt. Repetitive Strukturen, hypnotische Motive und gezielte Dissonanzen erzeugen eine fast tranceartige Wirkung. Viele Stücke funktionieren weniger als klassische Songs, sondern eher durch ihre Penetranz. Tracks wie „Ritual Dogs“ oder „Huldergeist“ verbinden eingängige Motive mit verstörender Klanggestaltung, während beispielsweise „Wildkatze“ die Geduld der Hörer bewusst strapaziert. Gerade diese Gratwanderung zwischen Zugänglichkeit und Zumutung ist zentral für das Album.
Die Band wurde oft dem Avantgarde-Black-Metal zugeordnet und fühlt sich mit dieser Bezeichnung merklich wohl. Dabei wirkt dies aber oftmals wie ein aufgesetztes „Anderssein“. Die rohe Produktion, die klangliche Verfremdung, die Provokationen. Alles soll den Anschein erwecken, dass SLAGMAUR einzigartig sind und wirkt stellenweise prätentiös.
„Hulders Ritual“ ist insgesamt kein leicht zugängliches Album und SLAGMAUR auch keine leicht zugängliche Band. Es fordert Geduld, Toleranz für extreme Klangästhetik und eine gewisse Offenheit für konzeptuelle Kunst im Metal. Die Kombination aus repetitiven Strukturen, kalter Atmosphäre und gelegentlichen melodischen Lichtblicken erzeugt eine eigenartige Mischung aus Faszination und Unbehagen. Doch wird eben der Bogen oftmals überspannt. Die absichtlich schlechte Produktion, die extreme Wiederholung und die selbstinszenierte Kontroverse können schnell als unauthentisch und kalkuliert wahrgenommen werden.
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Wertung: 6 / 10



Ich finde das Album richtig stark. Vor allem Hexen Herjer macht es sich in meinen Ohren gemütlich.