CD-Review: Slayer - Live Intrusion (DVD)

Besetzung

Tom Araya - Gesang, Bass
Jeff Hanneman - Gitarre
Kerry King - Gitarre
Dave Lombardo – Schlagzeug

Tracklist

01. Raining Blood
02. Killing Fields
03. War Ensemble
04. At Dawn They Sleep
05. Divine Intervention
06. Dittohead
07. Captor Of Sin
08. 213
09. South Of Heaven
10. Sex, Murder, Art.
11. Mandatory Suicide
12. Angel Of Death
13. Hell Awaits
14. Witching Hour
15. Chemical Warfare


„Live Intrusion – Selections From The First Home Video Ever“ steht auf der Papphülle einer CD-Single aus dem Jahre 1995, welche unter SLAYER in meinem CD-Regal steht. Es handelt sich dabei um eine Promo-CD für das erste SLAYER-Homevideo, welches ebenfalls ’95 als VHS auf den Markt kam. Soweit, so gut… die Promo verschwand im Schrank, der Titel wurde vergessen – und nur wenige dürften „Live Intrusion“ noch auf dem Schirm gehabt haben. So ging es auch mir – entsprechend überrascht war ich, als ich unlängst auf Amazon eine Entdeckung machte: Heimlich, still und leise, wie man meinen könnte, wurde „Live Intrusion“ auf DVD gepresst – um zum Preis von schlappen sieben Euro unters Volk gebracht zu werden.
Soweit, so gut – aber was darf man erwarten von einem von VHS überspielten, fünfzehn Jahre alten Live-Bootleg? Nicht viel, sollte man meinen – doch irrt man damit gewaltig:

Bereits beim Einlegen der DVD wird man von einem wunderbar simpel gehaltenen Menü (das dabei höher aufgelöst ist als das so mancher High-Budget-Musik-DVD) erwartet, welches einem die sympathische die Auswahl zwischen „Play Concert“ und „Song Selection“ bietet – keine peinlichen Specials, keine langweiligen Videoclips und keine überflüssige Diashow – just music, so zu sagen. Entscheidet man sich nun für „Play Concert“, wird man gleich von mehreren Details überrascht. Das erste und wohl profanste ist, dass SLAYER ihr Konzert mit „Reign In Blood“ eröffnen – heute wohl undenkbar. Das zweite ist das Bild: Sicherlich, an mancher Einstellung ist der Charme einer VHS-Kassette noch deutlich erkennbar – im großen und ganzen stehen Auflösung und Bildqualität im allgemeinen jedoch nicht weit hinter „modernen“ DVDs zurück – um nicht zu sagen: Ich besitze DVDs, die weit weniger alte Aufnahmen in weit schlechterer Qualität darbieten…
Das dritte und faszinierendste Detail jedoch ist der Sound: Würde mich der rationale Gedankengang, dass sich eine DVD für sieben Euro Verkaufspreis nur bei geringem Arbeitsaufwand rentiert, nicht davon abbringen, ich hätte gesagt, das komplette Konzert wäre geoverdubbed: In einer Tonschärfe und Klarheit, wie man sie sich von einer Live-Veröffentlichung nur wünschen kann, schallen die altbekannten Hits aus den Boxen.
Schön dabei ist, dass „Live Intrusion“ auf der Tour zum von der Band mittlerweile bei Konzerten gerne vernachlässigten „Divine Intervention“-Album aufgenommen wurde. So findet sich hier mit „Killing Fields“, „Sex, Murder, Art“, „Dittohead“, „Divine Intervention“ und „213“ das halbe Album im Set wieder – was diesen Mitschnitt durchaus zu etwas besonderem macht, legten SLAYER ihre Prioritäten beim Erstellen der Setlists doch schon recht bald auf andere Alben.
So unterscheidet sich „Live Intrusion“ zumindest in dieser Hinsicht von den anderen SLAYER-DVDs… was von der Liveshow hingegen eher nicht behauptet werden kann: Bis auf das wirklich gelungene Venom-Cover „Witching Hour“, zu dem man Rob Flynn von Machine Head auf die Bühne bittet, ist es eine Show wie viele andere: Nicht zuletzt, weil sich SLAYER hinsichtlich ihres Auftretens offensichtlich schon früh gefunden haben – so dass sich das Stageacting bereits 1995 nur unwesentlich vom heutigen Auftreten unterscheidet: Tom Araya schreit aggressiv ins Mikrophon, Kerry King schraubt sich den glatzköpfigen Schädel vom Stiernacken und Jeff Hannemann… ist eben Jeff Hannemann. Sonderlich viel hat sich bei dem Qartett in den letzten 15 Jahren also erwieseneremaßen nicht getan; Erst auf den zweiten Blick erkennt man an Details wie der jugendlichen Frische in Arayas bartlosem Gesicht oder dem sauber geshaveten Stoppelbart an Kerrys Kinn, dass eben doch 15 Jahre zwischen jetzt und damals liegen…

Einziger kleiner Wehrmutstropfen ist, dass das Konzert mehrfach von kurzen „Behind The Scenes“-Videoschnipseln unterbrochen wird, in denen Fans und Band sich von ihrer (räusper) Schokoladenseite präsentieren. Diese sind vielleicht nicht sonderlich gefühlvoll eingearbeitet, unterscheiden sich ansonsten aber auch nicht von den Tourimpressionen auf anderen DVDs: Verrückte Fans, Alkoholexzesse und andere Jugendsünden, die auch als eben solche betrachtet werden wollen – unter anderen Gesichtspunkten wäre beispielsweise der Bildschnitt von den SLAYER-Jungs, die betrunken im Tourbus den Film-Musik-Klassiker „Always Look On The Bright Side Of Life“ singen, hin zu den Aufnahmen aus einer KZ-Gedenkstätte doch eher von der geschmacklosen Sorte…

Sicherlich – wer bereits eine oder gar mehrere SLAYER-DVDs hat, sollte sich gut überlegen, ob er noch eine Scheibe braucht, auf der SLAYER auf einer Bühne stehen und ihre Songs herunterspielen. Entscheidet er sich jedoch dafür, ist diese DVD eine echte Alternative zu den vier genannten Optionen. Denn was man hier auf alle Fälle bekommt, ist eines: Value for Money. Sowohl hinsichtlich der Qualität der DVD, als auch der Show als solcher kann diese DVD problemlos mit Releases wie „War At The Warfield“ mithalten – und ist, nicht zuletzt wegen dem Oldschool-Klassiker-Bonus und der etwas ausgefalleneren Setlist, definitiv mehr als ein Bootleg für den Die-Hard-Fan.

Bewertung: 8 / 10

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