CD-Review: Slayer - South Of Heaven

Besetzung

Tom Araya – Gesang, Bass
Jeff Hanneman – Gitarre
Kerry King – Gitarre
Dave Lombardo – Schlagzeug

Tracklist

01. South Of Heaven
02. Silent Scream
03. Live Undead
04. Behind The Crooked Cross
05. Mandatory Suicide
06. Ghosts Of War
07. Read Between The Lies
08. Cleanse The Soul
09. Dissident Aggressor (Judas-Priest-Cover)
10. Spill The Blood


SLAYER konnten vieles. Eine ihrer besonderen Fertigkeiten war aber fraglos, stets den perfekten Opener für ihre Alben auszuwählen. So auch auf „South Of Heaven“, ihrem vierten Album, das die schwere Nachfolge des Thrash-Über-Albums „Reign In Blood“ anzutreten hatte: Majestätischer, epischer, größer als mit dem simplen, sich bis zum Drum- und Akkordeinstieg immer wieder wiederholenden Lick des Titeltracks hätte man das Album kaum beginnen können.

Bis heute steht das Album im Schatten seines Vorgängers. Bedenkt man die Bedeutung von „Reign In Blood“ für das Genre, ist das nicht weiter verwunderlich – musikalisch betrachtet ist es dennoch nicht nachvollziehbar. Denn in den 36:51 Minuten, die SLAYER ihren Hörern hier vorlegen, finden sich mitunter die größten Hits der Band. Und nicht zuletzt treten SLAYER mit „South Of Heaven“ den Beweis an, dass Thrash weder schnell noch maximal aggressiv sein muss.

Natürlich finden sich auch hier rasante Hanneman-Riffs, natürlich schreit Araya, als wäre er von Hass zerfressen, natürlich fiedelt King sich zwischendurch die Finger wund und natürlich bearbeitet Dave Lombardo die Felle mitunter mit aller Kraft. Seine eigentliche Stärke zieht „South Of Heaven“ jedoch aus seiner fast rockigen Lässigkeit: aus der unbändigen Kraft, die im Midtempo liegt.

So sind die Höhepunkte des Albums mit besagtem Titeltrack, aber auch „Mandatory Suicide“ oder „Spill The Blood“, das zwischendurch sogar bis auf eine Cleangitarre mit Schlagzeugbegleitung herunterfährt, allesamt über weite Strecken vergleichsweise ruhige Nummern. Vor allem wenn man sich das Umfeld ansieht, in dem SLAYER „South Of Heaven“ herausbrachten, ist das bemerkenswert: Von „Pleasures Of The Flesh“ (Exodus), „State Of Euphoria“ (Anthrax) oder „So Far, So Good … So What!“ (Megadeth), die alle ungefähr zur gleichen Zeit erschienen sind, kann man das nämlich nicht eben behaupten. Einzig Metallicas „… And Justice For All“ lässt ebenso ein Ablassen von der Tempobesessenheit des frühen Thrash erkennen – kehrte dafür aber auch anderen Thrash-Elementen den Rücken.

Das wiederum kann man von „South Of Heaven“ nicht behaupten: Wie alle SLAYER-Alben zuvor und tatsächlich ausnahmslos alle SLAYER-Alben danach klingt auch dieses unverkennbar nach SLAYER: Die Riffs von Hanneman stehen denen auf „Reign In Blood“ in nichts nach – und Araya kann gesanglich mit bisher ungehörter Vielseitigkeit überzeugen. Einzig der Sound klingt – wenngleich ebenfalls von Rick Rubin produziert – verglichen mit dem sehr trockenen Sound des Vorgängers stellenweise einen Tick (zu) dumpf.

Das allein vermag die Qualität eines grandiosen Albums nicht zu schmälern. So ist „South Of Heaven“ vielleicht jenseits der SLAYER-Fangemeinde weniger bekannt als das Lehrbuchbeispiel für Thrash Metal, „Reign In Blood“. Doch deswegen längst nicht das schwächere Album. Als Mittelstück der legendären SLAYER-Phase zwischen 1986 („Reign In Blood“) und 1990 („Seasons In The Abyss“) gehört „South Of Heaven“ jedenfalls in den Schrank eines jeden (Thrash-)Metal-Fans.

Bewertung: 9.5 / 10

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