CD-Review: Slayer - Show No Mercy

Besetzung

Tom Araya – Gesang, Bass
Kerry King – Gitarre
Jeff Hannemann – Gitarre
Dave Lombardo – Schlagzeug

Tracklist

01. Evil Has No Boundaries
02. The Antichrist
03. Die By The Sword
04. Fight `Till Death
05. Metal Storm / Face The Slayer
06. Black Magic
07. Tormentor
08. The Final Command
09. Crionics
10. Show No Mercy


Sich das Debütalbum einer heute legendären Band anzuhören, erinnert mich immer an das Blättern in einem Photoalbum mit Kinderphotos mittlerweile erwachsener Menschen: Hört (beziehungsweise sieht) man das Ganze in der Retrospektive, erscheint ist es eigentlich nur logisch, dass das Kind auf dem Photo so aussieht – eben wie heute, nur mit den typischen, kindlichen Gesichtszügen.
Ähnlich verhält es sich bei den CDs: Was man hört, klingt oft wie der Prototyp dessen, was später kam: Die auffälligsten Merkmale, die mit der Zeit zu Erkennungsmerkmalen ausgebaut wurden, sind aus heutiger Sicht bereits klar zu erkennen, waren damals jedoch noch nicht so stark ausgeprägt und somit weniger auffällig, die „kindlichen Gesichtszüge“ entsprechen den Ausprägungen, welche auf dem späteren Weg abgelegt wurden.

Genau so geht es mir mit „Show No Mercy“, dem ersten Album aus dem Hause SLAYER: Zwar hört auch derjenige, der nur neues Material der Thrash-Legende kennt, bereits auf Anhieb, um welche Band es sich hier handelt, und doch hätte sich aus der Musik, die das damals noch junge Viergespann auf diesem Silberling veröffentlicht hat, auch etwas gänzlich anderes entwickeln können.

Denn wie auch Metallicas „Kill ‚Em All“, welches ebenfalls 1983 veröffentlicht wurde, bietet „Show No Mercy“ Thrash Metal, wie man ihn heute leider beinahe nicht mehr zu hören bekommt: Denn schon damals entwickelte sich die Szene schnell weiter, und die jungen Nachwuchsthrasher von heute führen das Werk dort fort, wo sie die Szene-Pioniere hingeführt haben, nicht, wo diese selbst angefangen haben – den Ur-Thrash basierend auf Venom und den Wunsch, noch böser zu sein als alles bisher Dagewesene, hört man heutzutage allerhöchstens noch bei Bands wie Bewitched. Und das ist in mehrfacher Hinsicht verdammt schade, wie „Show No Mercy“ auch heute, fast auf den Tag genau 26 Jahre nach seiner Veröffentlichung, noch zu veranschaulichen weiß.

Zum einen sei hier klar der Sound genannt. So rotzig, punkig und aufmüpfig wie damals klangen Gitarren seitdem immer seltener – da helfen auch die immer astronomischer ausfallenden Summen nicht, die Bands heutzutage in Studios lassen: Hier hört man noch Instrumente, keine gepushten, 100-fach gedoppelten und durch diverse Bearbeitungsprogramme gejagten Soundwände – hier ist die Live-Atmosphäre noch dabei, hier klingt Musik noch nach Handarbeit, nicht nach dem perfekten Produkt vieler digitaler Arbeitsschritte.

Zum anderen sind es natürlich die Songs, die ein Album wie „Show No Mercy“ auch heute noch zu einem Pflichtkauf für jeden Thrash Metaller machen: Egal ob „The Antichrist“, „Black Magic“ oder mein absoluter SLAYER-Favorit, „Metal Storm/Face The Slayer“: Die Songs haben Kultstatus, und das zu Recht. Dynamisches Riffing, ungezügelte Soli und ein Tom Araya, der zwar vielleicht nicht so routiniert und perfektioniert, dafür aber so mitreißend, vielseitig und vor allem leidenschaftlich schreit, kreischt und stellenweise sogar fast „singt“, wie man es seitdem nur selten von einem Thrash-Metal-Sänger gehört hat: Hier spürt man die Begeisterung, das Feuer der Musiker für die Sache und das Engagement noch ein Vierteljahrhundert später, wiederbelebt durch die heimische Stereoanlage.

SLAYERs „Show No Mercy“ ist in vielerlei Hinsicht etwas Besonderes – markiert diese Scheibe doch nicht nur die Geburt einer Metal-Legende und zählt somit von Vornherein zu den Standardwerken metallener Tonkunst, sondern ist dabei zudem wohl eines der am meisten unterschätzten Thrash-Metal-Alben überhaupt, geriet es angesichts legendärer Nachfolge-Alben wie „Reign in Blood“ oder „South Of Heaven“ doch beinahe in Vergessenheit… eine Schande, die es abzuwenden gilt, zählt das Werk mit dem aus heutiger Sicht cool-oldschooligen Cover (und den im Übrigen noch cooleren und oldschooligeren Bandphotos im Booklet) für mich doch zum Besten, was die Thrash-Metal-Szene je zu bieten hatte.

Bewertung: 9.5 / 10

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