CD-Review: Taake - Kong Vinter

Besetzung

Hoest - Gesang, alle Instrumente

Tracklist

01. Sverdets Vei
02. Inntrenger
03. Huset I Havet
04. Havet I Huset
05. Jernhaand
06. Maanebrent
07. Fra Bjoergegrend Mot Glemselen


Regelmäßigkeit kann etwas schönes sein – wenn sie nicht um ihrer selbst willen existiert. Beispiel gefällig? Alle drei Jahre veröffentlichen TAAKE ein neues Studioalbum – seit Anbeginn ihrer Karriere im Jahr 1999. Was im ersten Jahrzehnt dazu führte, dass sich TAAKE in der Szene als feste Größe etablieren konnten, und mit „Hordalands Doedskvad“ in einem Meisterwerk norwegischen Black Metals gipfelte, wirkte schon 2014 beim bestenfalls durchschnittlichen „Stridens Hus“ ziemlich verkrampft.

Trotzdem bleibt Mastermind Hoest bei seinem Rhythmus: Kaum ist die Erde wieder dreimal um die Sonne herum, erscheint mit „Kong Vinter“ auch schon das nächste, nunmehr siebte TAAKE-Album. Nach den Enttäuschungen der letzten Werke, die allesamt unter dem kompositorschen Credo eines stumpfen „Weiter so“ litten, wartet man allerdings einmal mehr vergeblich auf den großen Befreiungsschlag.

Auch diesmal bleibt Hoest seinem Stil nämlich absolut treu – ein Konservativismus, von dem am Ende niemand profitiert, da die Songs so unweigerlich in direkte Konkurrenz zu alten Großtaten treten müssen. Genau damit begeben sich TAAKE allerdings einmal mehr auf sehr dünnes Eis – sind die letzten echten „Hits“ doch nunmehr auch schon 12 Jahre alt – oder anders gesagt: vier Alben her.

Auch mit „Kong Vinter“ gelingt es Hoest mitnichten, an den mit „Hordalands Doedskvad“ aufgestellten musikalischen Bestmarken auch nur zu kratzen. Statt dessen klingt „Kong Vinter“ über weite Strecken wie ein zahnloser TAAKE-Abklatsch: Irgendwie unverkennbar, aber eben auch bei weitem nicht so gut wie das „Original“. Vielleicht mehr noch als seine Vorgänger lässt „Kong Vinter“ dabei missen, was die ersten drei Alben aus der Masse an Black-Metal-Veröffentlichungen herausstechen ließ: Der schmissige, rotzige Charakter der Riffs und die tief in der Schwärze verborgene Melodik fast schon lieblicher Melodien.

Handwerklich ist das Album, für das Hoest einmal mehr alle Instrumente selbst eingespielt hat, durchaus ordentlich: Der Sound ist wieder etwas voller als zuletzt, und zumindest die Midtempo-Passagen („Intrennger“) lassen durchaus eine frostige Atmosphäre aufkommen, so dass „Kong Vinter“ einer anderen Band gewiss keine Schande bereiten würde. Wer jedoch unsterbliche Riffs wie in „Hordaland Doedskvad Part VII“ zu finden komponiert hat und Experimente wie ein Banjo-Solo in einem Black-Metal-Song gewagt hat, sägt mit so viel Banalität doch heftig am eigenen Thron.

Zwar ist „Kong Vinter“ insgesamt etwas stärker ausgefallen als „Stridens Hus“ – schlussendlich ist das Album jedoch ebenfalls eher Kiesel- denn Meilenstein: Wie schon mit den Vorgängern, rutschen TAAKE auch mit diesem Werk wieder ein Stück weiter zurück ins Meer pseudo-trver Durchschnitts-Bands.

Bewertung: 5.5 / 10

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13 Kommentare zu “Taake – Kong Vinter”

  1. Eviga

    Ziemlich schlechtes Review um ehrlich zu sein. Man wird das Gefühl hier nicht los das gewisse, alteingesessene Bands gerne abgestraft werden. Und das obwohl man ihre Qualität nicht abstreiten kann. Man muss sich nur eure Darkthrone Reviews durchlesen.

    Aber egal, zu Taake zurück.

    Ihr hättet für meine Begriffe mehr auf die einzelnen Songs eingehen können. Diese Verallgemeinerung von Hoest mag man ja erwähnen aber doch nicht über das gesamte Review.

    Man kann auch Darkthrone Reviews schreiben ohne ständig zu erwähnen das sie ja die Fuck it all Attitüde haben und Fenriz gerne über Musik redet. Einfach mal die Songs neutraler bewerten als das was sie sind und nicht alles an einem A Blaze in the Northern Sky oder eben in diesem Fall Doedskvad messen.

    Bin mittlerweile unzählige Jahre Besucher dieser Seite also bitte nicht als Anfeindung aufnehmen

    1. Moritz Grütz Post Author

      Hallo „Eviga“, erstmal danke für deinen letzten Satz, ohne diesen hätte ich deinen Kommentar wohl durch den herauszulesenden Unterton doch recht anfeindend verstanden. Aber zurück zu Taake, bzw deiner Kritik. Du hast Recht, man könnte mehr auf die einzelnen Songs eingehen, als ich das hier getan habe. Allein, ich wüsste nicht, wozu ich das tun sollte, wenn das Resultat, also das Album als solches, eben keinen Ansprüchen genügt und keiner der Songs wirklich heraussticht. Die etwas langsamer gehaltenen Passagen (siehe Review) sind ganz nett, der Rest ist einfach Durchschnittskost, für die keine Newcomerband auch nur einen Blumenstrauß kassieren würde. Da sehe ich nicht, warum ich einer Band wie Taake, die wirklich großes geleistet hat, dafür auf die Schulter klopfen sollte – zumal das Album eben (anders als bei Darkthrone) stilistisch in die gleiche Richtung wie besagtes Meisterwerk geht, qualitativ aber leider in einer anderen Liga spielt. Mit einem gezielten Bashing einer etablierten Band hat das gewiss nichts zu tun – ich habe mich auf das Album mindestens so gefreut wie du, das kannst du mir glauben ;)
      Aber gehen wirs doch andersherum an: Was findest du an dem Album denn besonders gut / herausragend?

  2. sjohyenar

    Naja also die subjektiven Bewertungspunkte sind ja ok, aber ich verstehe erstens nicht warum man alles so absolut schreiben muss, denn mir gefällt das Album nach dreimal hören bisher sehr gut und zweitens warum man umbedingt Hits braucht, was ja scheinbar in dem Sinne gemeint ist, dass Songs sofort hängen bleiben. Bei mir setzt sich auch nichts sofort fest, aber ich habe von Anfang bis Ende einfach Spaß beim Hören. Kenne allerdings auch noch keine der Vorgängerscheiben, daher war die Erwartungshaltung sicher eine andere. Um detailliert zu beschreiben was ich genau besonders toll finde muss ich die Scheibe auch noch paarmal hören, aber ich finde es passiert doch sehr viel in den einzelnen Songs.

    1. Moritz Grütz Post Author

      Mit Hits sind keineswegs Songs gemeint, die direkt hängen bleiben, sondern Songs, die (meinetwegen auch nach diversne Durchläufen) dadurch herausstechen, dass sie besonders sind. Der Song mit dem Banjo-Solo auf dem Vor-Vorgänger etwa („Myr“). Oder so ziemlich jeder Song auf „Hordalands Doedskvad“. Alles hier gebotene ist eben guter Black Metal, aber nicht mehr und nicht weniger. Da kann ich mir genausogut Svarttjern, Gorgoroth mit Hoest, Deathcult oder wie sie alle heißen anhören. Das per se macht dieses Album hier freilich nicht schlecht, aber nach legendären Alben wie den ersten drei ist alles, was danach kommt, eben eine Enttäuschung. Vielleicht wirst du das nachvollziehen können, wenn du dich in der Diskographie weit genug zurückgearbeitet hast ;)

  3. Sarah Punke

    Hey Eviga,
    kurzer Einschub meinerseits zur Darkthrone-Platte, die ich rezensierte:
    Doch, die Qualität ist dieser Platte abzustreiten und die Gründe hierfür nenne ich in meiner Review deutlich. Dort gehe ich natürlich auf ihren Wandel ein, bestrafe Darkthrone dafür allerdings nicht, sondern im Gegenteil: Ich hebe sogar hervor, was an diesen neueren Platten gut ist – und was die neue Scheibe dazu im Vergleich nicht besitzt.

    Versteh meine schlechte Bewertung bitte als das, was sie ist, nämlich das Echo auf eine unterdurchschnittliche Platte. Nicht als Bashing eines großen Namens der Szene.

  4. maks

    ich finde kong vinter absolut enttäuschend. nach stridens hus der zweite wirkliche rohrkrepierer. ewig lange wiederholungen von wiedermal den gleichen langweiligen rocknroll riffs. ich hatte immer die hoffnung, dass hoest sich irgendwann vom rocknroll wieder verabschiedet und sich auf seine stärken besinnt: melodiöser black metal mit tollen arrangements. auf nattestid und bjoergvin ging er geradezu verschwenderisch mit großartigen riffs, melodien und rhythmik um. zwei alben wie aus einem guss. danach war nur stückwerk, vereinzelte tolle songs standen ab da immer neben langweilern. aber!! doedskvad, taake und noregs vaapen hatten ebendiese großartigen songs. stridens hus und kong vinter jedoch sind langweiler.

    lieber moritz grütz,
    eine musikkritik sollte schon auf das album eingehen und dem leser zumindest eine ahnung davon geben, was ihm beim hören erwartet und nicht nur mit geschmacksvergleichen mit alten alben daherkommen.

    1. Moritz Grütz Post Author

      Da gebe ich dir prinzipiell Recht – im Falle einer Band wie Taake, die wohl der großteil der Hörer bereits kennen, halte ich es allerdings für Ausreichend, entsprechende Vergleiche anzustellen – der Charakter der Platte kommt meiner Ansicht nach im Review gut durch ;)

  5. Eviga

    @Sarah

    Ich rede nicht speziell von deiner Review, sondern von Circle the Wagons, die Moritz rezensiert hat. Da sind Passagen drin die wirklich lächerlich daher kommen und das ist meiner Meinung nach nichts andres als Bashing, weil jemand nicht akzeptieren möchte welche Art Musik die zwei Herren mittlerweile komponieren. Allein der Satz von wegen die Kritiker schreiben länger ÜBER die Platte als die Herren Culto und Nagell AN der Platte steht beispielhaft für diese wirklich überzogen und schlecht rezensierte Platte.

    Ist aber nur meine Meinung die ich mitteile. Möchte hier niemandem ankreiden das er keine Ahnung von der Materie hat oder sonst etwas. Fakt ist jedoch das zb besagtes Album starke Qualitäten hat die man nicht sofort erkennt. Und daran wurde weiss Gott länger geschrieben als Redakteure an einer Review.

    @moritz
    Ich verstehe was du meinst und unterschreib ohne Zweifel, dass Doedskvad die Messlatte ist die Taake erschaffen haben bzw die größte Platte ist. Absolut.

    Trotzdem ist Kong nicht wirklich so schlecht wie oben erwähnt und die Songs werden auch nicht auseinander genommen. Ich persönlich würde mir lediglich wünschen das man bei Szenegrössen die ein vermeintlich bescheidenes Werk raushauen, etwas mehr drauf eingeht.

    Gewiss ist es kein Meisterwerk aber es trägt den unverkennbaren Style des Norwegers. Für solche Eigenschaften lobt ihr manchmal Bands und mal ist andersrum.

    1. Moritz Grütz Post Author

      @KV: Dass es nicht nach Taake klingt, hatte ich dem Album auch nicht unterstellt, oder? Klar ist es bandtypisch – genau darin sehe ich ab einem gewissen Grad an Wiedererkennbarkeit ja das Problem. Weiters: Wäre das Album „schlecht“, hätte es 2-3 Punkte bekommen. Bitte stufe die Wertung entsprechend ein. Wirklich schlecht ist ja nichts an KV, deswegen habe ich mir konkrete Kritik an den einzelnen Songs gespart – geht ja alles irgendwie in Ordnung. Ist am Ende aber halt trotzdem belanglos und die Riffs haben nicht im Ansatz den Charakter der Riffs der Frühwerke, was meiner Ansicht nach eine desaströse Entwicklung ist, geht man davon aus, dass die meisten Bands über die Jahre besser werden.

      @Darkthrone: Ich möchte an dieser Stelle anmerken, dass ich nie großer Darkthrone-Fan war – entsprechend hat mich FOAD auch nicht erschreckt oder schockiert, sondern eigentlich sogar recht positiv überrascht. Nur leider hat sich dieser Effekt meiner Ansicht nach bereits bei DTABF erschöpft – CTW war dann einfach das dritte Album, das eigentlich nichts neues mehr zu bieten hatte – sondern eben stumpf reproduziert hat. Und dass die beiden daran lange geschrieben haben, glaubst du doch selbst nicht? SO ausgefuchst ist das Arrangement nun wirklich nicht. ;)

  6. Winterpercht

    Taake zehren doch auch schon seit Jahren von dem Status, dass sie drei gute bis sehr gute Platten veröffentlicht haben. Dann ist Hoest durchgedreht, beschmierte sich mit verfassungsfeindlichen Symbolen und hat seitdem auch nichts mehr rausgebracht, was dem Frühwerk auch nur ansatzweise das Wasser reichen kann. Dass Taake einen gewissen Status in der „Szene“ haben, ist für mich nachwievor eher schwer zu verstehen, weil es zig Bands im Untergrund gibt, die norwegisch geprägten Black Metal besser hinbekommen.
    Und auch von den „Klassikern“ gibts ja noch einige Bands, die dem 90er-Treiben treu bleiben, halbwegs innovativ Altes mit Neuem verbinden und wesentlich bessere Stücke schreiben. Jedes der neueren Isvind-Alben hat in meinen Ohren mehr Esprit und Charakter als sämtliche Taake-Alben der letzten Jahre.

    Allein die wirklich kraftlose Produktion. Alles klingt sehr reduziert, aber entfaltet nicht wie bei neueren Satyricon eine Art verschrobene Wirkung, wirkt eher als ob einfach einzelne Parts aneinandergepappt wurden. Schade.

    Mein Taake-Hit bleibt Hordalands Doedskvad Pt. III – das ist so gespickt mit Gänsehaut-Melodien und Abwechslung…

  7. Zedar

    Da muss ich widersprechen. „Nattestid Per Sorten Vid“, „Over Bjoergiven Graater Himmerik“ und „Hordalands Doedskvad“ spielen in einer anderen Liga, klar, aber die Zeiten von „The Shadowthrone“, „Panzerfaust“ oder „Destroyer“ (ja, ja verschiedene Bands, ich weiß) sind auch schon sehr lange vorbei. Hört man sich die Outputs der genannten Bands an, wissen eigentlich nur noch Satyricon zu gefallen, wobei hier der Stil schon sehr abweicht – Deep Calleth ist aber trotzdem ein Brett. Was nun tun, wenn man solche Musik noch gerne hört und selbst „Nattens Madrigal“ irgendwie ausgelutscht wirkt nach der gefühlten 10.000 Rotation im CD Spieler?

    Iskald? Ja, nicht schlecht, irgendwie aber auch schon viel zu oft gehört. Zudem gibt es gerade zu dieser Band eine schiere Unmenge an ähnlichen Pedanten. Mainstream im Pseudo-Extreme Metal Bereich.

    Deutscher Black Metal? Seit Lunar Aurora nicht mehr sind, wars das auch irgendwie. Helrunar und Draudran _waren_ mal Hoffnungsträger. Der Weg einer Freiheit ist mir zu depressiv.

    Wolves In The Throne Room? Verlieren auch ihren Drive.

    Immortal sind schon lange nicht mehr das was sie mal waren. Über Dimmu Borgir kann ich nicht mal mehr lachen. Da sind schon Cradle Of Filth (!) zuverlässiger.

    Nein, nein, Taake ist da deutlich angenehmer zu hören als VorPost-BlackMetal Musikgenießer. „Noregs Vaapens“, im speziellen Myr sind viel besser als das meiste nach 2005. Gerade in Passagen wie dem Banjo Solo liegt eine Kälte die ihresgleichen sucht.

    Hoest mag nicht der experimentellste Musiker sein, dafür bekommt man noch Black Metal mit dem Ansatz des Gefühls der Jahre 1992-1995 zu hören.

    Wer Interesse hat, kann sich die Portugiesen Corpus Christii oder die USA/Cubaner Inqiusition anhören. Die sind zwar nicht Ultra Hart, bieten aber mal was anderes als der tröge Rest.

  8. Micha

    Also 5.5 von 10 empfinde ich nach reinschnuppern als etwas wenig. Tendiere zwischen 6.5 bis 7. Mehr aber auch nicht. Der alte Charme ist deutlich vorhandener als bei Noregs Vaapen und Stridens Hus, jedoch nicht so magisch wie ein Doesdskvad oder Nattestid. Aber die Richtung ist deutlich oldschooliger.

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