CD-Review: Textures - Drawing Circles

Besetzung

Eric Kalsbeek - Gesang
Jochem Jacobs - Gitarre, Gesang
Bart Hennephof - Gesang
Dennis Aarts - Bass
Stef Broks - Schlagzeug
Richard Rietdijk - Synthesizer

Tracklist

01. Drive
02. Regenesis
03. Denying Gravity
04. Illumination
05. Stream Of Consciousness
06. Upwards
07. Circular
08. Millstone
09. Touching The Absolute
10. Surreal State Of Enlightenment


Darf ich vorstellen, TEXTURES aus dem niederländischen Tilburg, formiert vor nicht allzulanger Zeit. Um genauer zu sein reicht die Gründung ins Jahr 2001 zurück, somit ist die Combo noch recht jung. Von Unerfahrenheit kann man aber hier wohl nicht sprechen, der Sechser hat sich einem der eigenwilligsten Musikstile, die man mir je vorlegte, verschrieben. Selbst eine grobe Festlegung ist schwer, aber alles in allem könnte man TEXTURES wohl als progressiv-technischen Thrash Metal mit Death Metal Elementen beschreiben. Wer hier gleich an MESHUGGAH denkt, liegt nicht falsch, denn genau in diese Richtung geht es. Jede Menge Taktanomalitäten, Breaks, Stakkatos und dergleichen vereinen sich hier aber mit ruhigen, oft klar gesungenen und synthesizerdurchsetzten Parts, die teils gar an waschechte Progressive Metal Acts erinnern. Insgesamt also ein interessant klingender, furioser Mix quer durchs Beet. Das Problem an dieser technisch gesehen überaus genialen Angelegenheit ist lediglich die Tatsache, dass sich durchgehend bewusstes Zuhören bei einer Spielzeit von etwa 50 Minuten schwieriger gestaltet, als man vielleicht annehmen will. So bin auch ich noch am pendeln, denn „Drawing Circles“, das zweite Album der Jungs, ist verdammt nochmal anstrengend wie wenig andere Alben. Die von mir angesprochenen Elemente machen nämlich keinen Song zu etwas durchgehend entspannendem, ähnlich wie bei den deutschen NECROPHAGIST enthalten die Songs oft so viel Wirrwarr, dass man keine ruhige Minute findet. Angenehm ist hingegen dann doch die sehr gute Produktion, die kein Instrument untergehen lässt, sondern sowohl durch klar geschliffene Höhen als auch Tiefen zu überzeugen weiß.

Die musikalische Achterbahnfahrt beginnt also mit „Drive“, einem Song, der zu Beginn noch sehr ruhigt durch die Boxen tönt und noch Entspannung den Ton angibt, bis dann die Geschwindigkeit nach oben getrieben wird und der Gesang einsetzt. Selbiger mag zwar stellenweise etwas sehr nach „-core“ klingen, ist aber insgesamt sehr kraftvoll. Schon hier fallen die vielen Tempowechsel und Pausen auf. Nahtlos geht der kurze Opener in „Regenesis“ über. Der Song funktioniert nach dem selben Schema, ist aber noch etwas vielseitiger und zeigt außerdem eine Seite auf, die mir an TEXTURES besonders gut gefällt: Gegen Mitte des Songs bricht das Tempo plötzlich ab, melodische Gitarrenmelodien, untermalt von hypnotisierenden Keyboards begleiten den klaren Gesang, der einiges in den Schatten zu stellen vermag. In einem schleichenden Übergang gehen Textures dann jedoch wieder in härtere Gefilde über. Wieder mit angezogenem Gaspedal und Doublebass startet „Denying Gravity“, doch auch dieser Song besticht durch seine Facettenvielfalt und die klaren Gitarren. Als wäre man durch die zweite Hälfte des Titels nicht schon genug in Trance versetzt, setzt „Illumination“, ein knapp zweiminütiges Interludium, diese Stimmung voll und ganz fort. Hier wird die Musik wieder auf eine ganz andere Ebene gehoben, man schwankt die ganze Zeit irgendwo zwischen technischem Gefrickel und benebelnder Ambientmusik. Ungefähr ab hier setzt beim Hören eine gewisse Trägheit ein, denn genau diese Elementvermischung macht es einem schwer, noch am Ball zu bleiben. Ist man erst in der Mitte des Albums angelangt, reißt einen „Stream Of Consciousness“ (Nein, hat weder etwas mit dem gleichnamigen Song von DREAM THEATER, noch von KREATOR zu tun) wieder aus dem geistigen Schlaf.

Jeden Song zu zerpflücken ist schwierig, denn was TEXTURES hier abliefern ist teilweise genialer Wahnsinn. Beispielsweise „Upwards“ stellt eine sechsminütige Reise in andere Welten dar, ebenso wie „Surreal State Of Enlightenment“. Auch das meiner Meinung nach großartige Coverartwork unterstreicht diese Momente der Platte ungemein. Allgemein befindet sich die Musik auf „Drawing Circles“ zwischen zwei Fronten und springt immer hin und her. Einmal geht es wirklich knüppelhart und technisch höchst anspruchsvoll zu, dann wird ein völlig anderes Gesicht aufgelegt und irgendwann setzt die totale Verwirrung ein. Ist man mal über selbige hinweg, offenbart sich ein großartiges Album, das einem offenherzigen Hörer vieles bietet. Wem ich das Album empfehlen kann, weiß ich nicht, jedenfalls unbedingt mal reinhören. Jenen, die sich zum Kauf entschließen, sei gesagt, dass das Album einiges an Zeit benötigt, bis es sich öffnet. Auch ich bin noch ein wenig am Schwanken, aber in TEXTURES steckt einiges an Potential. Ebenso in „Drawing Circles“.

Bewertung: 8 / 10

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