CD-Review: Threshold - Dead Reckoning

Besetzung

Andrew "Mac" McDermott - Gesang
Karl Groom - Gitarre
Steve Anderson - Bass
Richard West - Keyboard
Johanne James - Schlagzeug

Tracklist

01. Slipstream
02. This Is Your Life
03. Elusive
04. Hollow
05. Pilot In The Sky Of Dreams
06. Fighting For Breath
07. Disappear
08. Safe To Fly
09. One Degree Down
10. Supermassive Black Hole (Digipack-Bonustrack)


Nur wenige Bands können auf eine über 10-jährige Karriere zurückblicken und von sich behaupten, kein schlechtes Album veröffentlicht zu haben und gleichzeitig die Gewissheit haben, dass Kritiker und Fans hinter ihnen stehen. Die Briten von THRESHOLD liefern der Fachpresse seit 1993 ein „Album des Monats“ nach dem anderen, ohne an Qualität zu verlieren. Dieser Erfolg machte natürlich auch größere Labels auf die Band aufmerksam und so kam es zum Wechsel von InsideOut zu Nuclear Blast, der ein Raunen durch die Fangemeinde gehen ließ.

Doch das alles sollte keine Rolle spielen, solange die Qualität der Musik stimmt und der Opener „Slipstream“ lässt gleich mal keine Wünsche offen. Gleich zu Beginn überrascht der Song mit Härte, die sogar in Form von Growls umgesetzt wird. Dan Swanö, den manche vom Arjen Lucassen Projekt „Star One“ kennen dürften, war dafür zuständig. Leider ist der harsche Gesang qualitativ eindeutig hinter McDermotts cleanen Gesang zu stellen, da dieser aber nur zweimal (neben „Slipstream“ auch bei „Elusive“) recht kurz eingesetzt wird, kann man leicht darüber hinwegsehen. „Slipstream“ bietet trotz aller Härter aber wieder die üblichen Highlights eines THRESHOLD Songs. Die Melodie ist eingängig, die Gesangslinie, ein hartnäckiger Ohrwurm, endet in einen Refrain, der sich für Tage in den Kopf einnistet und gute Laune ausbrütet. Das anschließende „This Is Your Life“ steht dem Opener in nichts nach und man kann wieder nur Staunen, wie es die Jungs immer wieder schaffen, solche Songs scheinbar aus dem Ärmel zu schütteln. Song Nummer zwei überrascht zwar mit sehr hoher Eingängigkeit und komplizierte Passagen sucht man vergebens, aber das tut der Qualität keinen Abbruch. Aufgrund des gleich bleibend hohen Niveaus macht es auch keinen Sinn hier jeden Song aufzuzählen. Aber auf alle Fälle muss ich den längsten und zugleich beeindruckendsten Song auf „Dead Reckoning“ erwähnen: „Pilot In The Sky Of Dreams“. Eigentlich hätte der Song dem Album den Namen geben sollen, was meiner Meinung nach dem Inhalt besser Genüge getan hätte, als es „Dead Reckoning“ tut. Der Song beginnt mit McDermotts gefühlvoller Stimme, die nur von einem Piano begleitet wird. Gedanken an „Bohemian Rhapsody“ von Queen werden wach und als der Song dann zum Refrain anhebt, laufen warme Schauer über den ganzen Körper, man schließt die Augen und treibt zusammen mit der Band durch den Himmel der Träume und McDermotts variables Organ ist der Pilot. Was bei diesem Zehnminüter auch wieder auffällt, ist dass es die Jungs verstehen Komplexität zu schaffen, ohne sich in überlange Frickelattacken zu verlaufen. Die Soli und Instrumentalpassagen sind kurz aber prägnant, der Song beinhaltet einfach alles, für was die Band steht. „Pilot In The Sky Of Dreams“ wird sich in Zukunft unweigerlich zu einem Meilenstein der Band entwickeln.

Man könnte es fast als symbolisch bezeichnen, dass dieses Meisterwerk gerade in der Mitte steht und „Dead Reckoning“ sozusagen das Herz verleiht. Die zweite Hälfte des Albums fällt gegenüber der ersten etwas ab, bietet aber weiterhin erstklassige THRESHOLD-Qualität. Aber vor allem der Rausschmeißer „One Degree Down“ fährt wieder diese wunderbaren Melodien auf, die einem Tage lang verfolgen können.Die edle Digipack-Version enthält überraschenderweise eine Coverversion von „Supermassive Black Hole“ ihrer Landsleute von Muse. Der Song ist im Gegensatz zum Original deutlich härter ausgefallen, was vor allem am aggressiveren Gesang von McDermott liegt. Insgesamt ist die Umsetzung sehr solide und ein netter Bonus.

Die Briten haben es wieder einmal geschafft. Auch das neue Album weiß mit den THRESHOLD-typischen Vorzügen zu gefallen: Die Songs sind eingängig und können sich für Tage im Kopf des Hörers festsetzen. Den größten Anteil daran hat auch dieses Mal wieder Sänger McDermott, der für mich zu einem der besten der Progressive-Szene gehört. Gut, dass die Growls sehr sparsam eingesetzt wurden, da sie nicht unbedingt zum Sound der Band passen. Soli arten nicht in Frickeleien aus, ohne jedoch Komplexität einzubüßen. Ab und zu gehen die Jungs etwas straighter zur Sache, als sie es noch auf dem direkten Vorgänger „Subsurface“ taten, doch mit „Pilot In The Sky Of Dreams“ haben sich die Jungs selbst ein Denkmal gesetzt, das alle Trademarks der Band wunderbar vereint und schon jetzt zu einem meiner All-Time-Favorits der Band zählt.

Bewertung: 9 / 10

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