„Best Of Nine Inch Nails (Redux)“ ist (neben „The Downward Spiral (Redux)“) das zweite Release aus dem Hause Magnetic Eye Records zum Thema NINE INCH NAILS. Hier noch einmal kurz zusammengefasst, worum es bei der Redux-Compilation-Reihe geht: Künstler unterschiedlicher Genres covern Songs von Bands und Musikern, welche sie (und oftmals letztendlich ganze Musikergenerationen) massiv beeinflusst haben. Bisher veröffentlicht: Zusammenstellungen mit Songs von BLACK SABBATH, JIMI HENDRIX, PINK FLOYD, aber auch moderneren, wenn auch inzwischen nicht weniger kultigen Vertretern der Gitarrenzunft wie HELMET, SOUNDGARDEN, ALICE IN CHAINS… und jetzt eben NINE INCH NAILS.
Die vorliegenden Sampler sind das bisher möglichweise ambitionierteste Projekt des US-amerikanischen Labels. Denn man kann Trent Reznors Kompositionen durchaus als genrefremd bezeichnen, wenn man sich den Katalog von Magnetic Eye Records genauer anschaut – stilistisch hat das Label eine spürbare Stoner-Doom-Schlagseite. Mal davon abgesehen, dass so ziemlich alle NINE-INCH-NAILS-Songs eine nahezu unnachahmliche, intensive und irgendwie unterkühlte Atmosphäre verbindet, die nicht einfach umzusetzen ist – was übrigens nicht heißen soll, dass sie grundsätzlich elektronisch steril daherkommen, wie das häufig im Industrial-Rock oder -Metal der Fall ist. Im Gegenteil, Reznor gehört wie MASSIVE ATTACKs Robert Del Naja wohl zu DEN Musikern aus den Neunzigern, die eindrucksvoll bewiesen haben, wieviel Wärme und Seele elektronische Musik haben kann.
Die illustre Interpretenliste der „Best Of Nine Inch Nails (Redux)“ macht auf jeden Fall extrem neugierig: Zu den bekanntesten Künstlern dürften sicherlich die Post-Metaller von THE OCEAN und THE MOTH GATHERER, die Singer-Songwriterin MARISSA NADLER sowie die (zumindest auf den bisherigen Redux-Releases) allgegenwärtigen Sludge-Metaller von THOU gehören. Die restlichen Bands sind mehr dem wirklichen Underground zuzuordnen, was die Qualität der Coverversionen aber in keinster Weise schmälern muss.
SNAKEMOTHER machen mit einem Medley aus zwei Songs aus zwei ganz unterschiedlichen NIN-Schaffensperioden den Anfang: „The Day The World Went Away“ (vom 1999er Output „The Fragile“) sowie „Sin“ (vom drogengeschwängerten 1989er Debüt „Pretty Hate Machine“). Resultat ist eine recht schnörkellose Stoner-Doom-Nummer, wobei beide Songs nur noch am Text erkennbar sind und „Sin“ in diesem musikalischen Kontext eindeutig besser funktioniert. BLUE HERON und THOU wildern ebenfalls in diesen Gefilden, allerdings kommen ihre groovigen Sludge-Interpretationen von „Head Like A Hole“ (ebenfalls vom Debüt) und „Suck“ (von der 1992er EP „Broken“) deutlich runder und fetter daher.
Ebenfalls ziemlich fett sind die Post-Metal-Cover von THE OCEAN („Even Deeper“ vom 1999er Doppelalbum „The Fragile“) und THE MOTH GATHERER („The Hand That Feeds“ vom 2005er „With Teeth“, der ersten Platte nach Reznors selbst auferlegtem Drogenentzug, welche eine merkliche musikalische Zäsur darstellt). Die Mannen um Robin Staps schaffen sogar die Gratwanderung, den groovigen Song wie eine klassische THE-OCEAN-Nummer klingen zu lassen, wobei das Original in jedem Moment erkennbar bleibt. THE MOTH GATHERER überraschen dagegen mit einer Halftime-Interpretation und einem sehr gelungenen, atmosphärisch-reduzierten Choruspart.
Weitere Highlights sind MARISSA NADLERs atmosphärische Darbietung von „The Great Below“ („The Fragile“) und GRAYCEONs Version von „Right Were It Belongs“ („With Teeth“), welche ähnlich dem Original verhalten beginnt (inklusive dem charmanten Stereobreiten-Kniff in der Mischung) und sich wunderbar zu voller Bandbesetzung inklusive Schlagzeug und Rockgitarren steigert. Richtig cool ist „The Perfect Drug“ von NONEXISTENT NIGHT: Die Post-Rocker aus San Diego machen aus dem hektischen 1997er Soundtrackbeitrag (mit starker Drum’n’Bass-Schlagseite) zu David Lynchs „Lost Highway“ eine schleppende und noisig-progressive Avantgarde-Rock-Nummer, die ab der ersten Sekunde Freude bereitet.
Und wieder zeigt sich: Mit am interessantesten sind die Versionen klassisch besetzter Rockbands, die ihren eigenen Weg finden müssen, diverse elektronisch generierte Elemente mit ihren Saiteninstrumenten zu ersetzen und sich dabei eher ein Stück weiter von den Originalsongs entfernen. Dagegen wirken die Eins-zu-Eins-Coverversionen von CHROME GHOST („Every Day Is Exactly The Same“ vom 2005er „With Teeth“) und ORBITER („Terrible Lie“ vom 1989er Debüt, hier eine zahnlose und schon fast radiokompatible Alternative-Rock-Nummer) zahm und unspektakulär.
Unterm Strich ist auch hier das Experiment geglückt. Es gibt sicherlich stärkere und schwächere Beiträge auf „Best Of Nine Inch Nails (Redux)“, aber die Compilation läuft gut durch und bietet auf fast 77 Minuten ziemlich viel stilistische Abwechslung. Subjektiv wirkt die Best-Of etwas weniger homogen als „The Downward Spiral (Redux)“, was aber auch damit zu tun haben könnte, dass die hier enthaltenen Songs in sich schon nicht homogen sind: Immerhin stammen sie aus über 30 Jahren Bandgeschichte. Aber auch hier gilt: Wer ein bisschen was für Cover-Versionen und natürlich NINE INCH NAILS übrig hat, sollte sich auch diesen Streich aus dem Hause Magnetic Eye Records nicht entgehen lassen.
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Wertung: 8.5 / 10


