Interview mit Juli Bazooka von Crisix

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CRISIX sind heiß! Nach „The Pizza E.P.“ inklusive eigenen Pizzakreationen, Saucen, einem Kochbuch und mächtig Touraktivität heizen die spanischen Thrasher mit ihrem sechsten Album „Full HD“ den Pizzaofen jetzt nochmal richtig an. Darauf zeigen sich CRISIX nochmal in allen Bereichern verbessert und legen an der Speerspitze der „New Wave Of Thrash Metal“ wohl eines der besten Genrewerke des 21. Jahrhunderts vor. Mit Sänger, Gitarrist und Songschreiber Juli Bazooka sprechen wir über die neue Welle an Thrash-Bands, den engen Zusammenhalt in der Szene und die Bedeutung von Liebe und Hass für „Full HD“.

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Hi Juli! Ihr habt gerade den dritten Part eurer „World Needs Mosh“-Tour abgeschlossen. Wie lief die Tour und wie kamen die neuen Songs von „Full HD“ bisher an?
Die Tour war großartig! Wie du schon gesagt hast, war es der der dritte Teil, wir und Insanity Alert sind zusammen wie eine große Familie. Alles war perfekt, volle Hallen, die besten Tour-Kumpel… Bis jetzt haben wir nur ein paar Songs vom neuen Album gespielt; „W.N.M. United“ etwa, nur ohne die ganzen Gastsänger, abgesehen von Heavy Kevy (Sänger von Insanity Altert, Anm. d. Red.) natürlich. (lacht) Die Leute gehen dabei so richtig ab. Ansonsten haben wir noch „Speak Your Truth“ gespielt und wir waren echt begeistert davon, wie gut der Song funktioniert! Im April spielen wir drei „Full HD Release Shows“ in Spanien mit unseren Special Guests Evile und Dust Bolt, direkt danach sind wir mit Tagada Jones als Co-Headlienr auf der „Hellfest Warm-up Tour“ in Frankreich unterwegs. Da werden wir noch „Macarena Mosh“ und vielleicht ein paar andere neue Songs in unser Set aufnehmen.

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CRISIX; © Arnau Montfort

Fast genau so wichtig: Wie war das Essen auf Tour? Habt ihr schon eine Menge neuer Inspirationen für die zweite Ausgabe von „Speed Metal Kitchen Of Doom“?
Unsere Freunde haben uns diesmal so viele leckere Geschenke spendiert, zum Beispiel einen selbstgemachten veganen Kuchen in Form einer Pizza. Ein Fan aus Bonn hat uns original neapolitanische Pizza aus Bonn mitgebracht. Kuchen, Burger… Javi hat einen besonderen Gin bekommen und wir bekommen Pizzen in allen möglichen Formen wie Puzzles, Zeichnungen und selbstgemachte CRISIX-Pizzaschachteln. Für mich war einer der besondersten Tage in Deutschland, genauer gesagt in Karlsruhe: Dort gab es überwältigende vegane Auswahl, als Vegetarier freut mich das immer besonders. Aber weißt du, für „Speed Metal Kitchen Of Doom“ gibt es immer Inspirationen, vom beschissensten Essen bei McDonalds bis zum besten Gourmet-Zeug… Wir brauchen nur unseren Koch Klaus, der alles in die beste Mahlzeit verwandelt, die man nur kriegen kann. (lacht)

Ich denke, „The Pizza E.P.“ und die groß angelegte Promo dazu hat euch nochmal ordentlich nach vorne gebracht. Siehst du das auch so und was denkst du, ist der Grund dafür? Seid ihr aktuell einfach besser als jemals zuvor?
Wir sind momentan wirklich heiß. „The Pizza E.P.“ mit all den Aktivitäten rund herum war tatsächlich ein großer Schritt. Lizensierte Pizzen in über 20 spanischen Restaurants, lizensierte Gewürze und Saucen, Comedyshows… Außerdem haben wir auch noch selbst Pizza ausgeliefert, und das nur einen Tag, bevor die Europa-Tour losging. Wir sind ein Haufen Freunde, die Spaß an dem haben, was sie machen. Mit unserem Management planen wir die ganze Zeit so verrücktes Zeug.

Crisix Full HD CoverartworkIch habe den Eindruck, dass deine Stimme auf „Full HD“ gleichermaßen aggressiver wie angenehmer ist als vorher. Hast du speziell an deiner Stimme gearbeitet?
Ich arbeite an meiner Stimme, seit wir angefangen haben, Schritt für Schritt. Ich liebe es, auf jedem Album etwas neues auszuprobieren und es stimmt, dass ich mit bei „Full HD“ besser fühle als jemals zuvor. Momentan ist das der beste Bazooka, den du kriegen kann. (lacht) Wir haben diesmal echt hart am Gesang gearbeitet und im Proberaum jedes Detail in der ganzen Gruppe analysiert. Die Vocals habe ich mit Gerard Rigau in den Amplifier Studios aufgenommen – dort fanden auch schon die Aufnahmen zu „American Thrash“ statt und wir haben sogar während den Albumaufnahmen ständig an der Produktion des Gesangs gearbeitet. Danach hat Pete Rutcho in seinem Studio in den USA gezaubert und das bestmögliche aus den Gesangsaufnahmen rausgeholt. Es war echtes Teamwork und ich bin echt stolz auf das Ergebnis.

Wie habt ihr euch deiner Meinung nach insgesamt seit „Against The Odds“ weiterentwickelt?
Jetzt können wir erkennen, wie viel Bedeutung ein Titel wie „Against The Odds“ hat. Es war ein sehr düsteres Album und steht für eine sehr schwierige Zeit für CRISIX, als wir keine Einheit waren. Die Magie von CRISIX ist es, dass wir zusammenstehen. Damals waren wir sehr viel auf Tour und ein Bandmitglied konnte es einfach nicht mehr aushalten, so lange von zuhause weg zu sein. Er war unglücklich und ich glaube, das hat auf die ganze Band abgefärbt. Dadurch haben wir uns auch ein wenig von dem entfernt, wer wir eigentlich sind. Wir haben das Album unterwegs in unserem Van geschrieben und sind auch während der Tour ins Studio gegangen. Was ich sagen will ist, dass unser Terminplan echt verrückt ist, aber trotzdem ist es ein gutes Album mit echt guten Songs. Während der „Against The Odds“-Tour kam Pla als neues Mitglied zur Band und wir haben zur Normalität zurückgefunden.

Ich finde, das neue Album ist abwechslungsreicher, speziell wegen den vielen Midtempo-Passagen. Durch die vermehrten langsamen, harten Momente konntet ihr das Level an Heavyness nochmal steigern. Würdest du zustimmen, war das beim Songwriting so beabsichtigt?
Wir haben ziemlich lange an „Full HD“ geschrieben. Wir hatten eine Menge Pre-Production-Material, Demos und Riffs. Zu einem gewissen Zeitpunkt hatten wir um die 20 Songs. Ein paar davon haben wir für „The Pizza E.P.“ ausgesucht und die stärksten davon sind nun auf „Full HD“. Ja, das Album schlägt verschiedene Wege ein, angefangen beim mysteriösen Opener. “Extreme Fire Hazard” und “Speak Your Truth” sind lupenreiner Thrash, könnte man sagen. Dann haben wir mit „Full HD“ eine andere Seite, auf der wir die Crossover- und Hardcore-Elemente des Thrash erkunden und mit „Macarena Mosh“ tauchen wir tief in den europäischen Melodic Metal ein und vermischen ihn mit Thrash Metal der CRISIX-Art. Wir trauen uns bei “Boc De Biterna” sogar an katalanische Einflüsse und zeigen unsere spanischen Wurzeln bei „Escape Electric Fate“.

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CRISIX; © Arnau Montfort

Die von dir angesprochenen Hardcore-Elemente sind in eurem Sound tatsächlich stärker vertreten, speziell im Titeltrack und bei „Shonen Fist“. Wo kommt dieser Hardcore-Einfluss bei euch her und welche Bedeutung hat er für CRISIX?
Hardcore bei CRISIX wird von ein paar wenigen Bands definiert. Was wir als Hardcore bezeichnen ist wohl vielmehr Crossover-Thrash mit Hardcore-Einflüssen. Ich meine damit Bands wie S.O.D., Suicidal Tendencies und Biohazard, das sind wohl unsere größten Hardcore-Einflüsse. Das passiert ganz natürlich, wir denken nicht wirklich über die Riffs nach, während wir sie schreiben. Wenn es ein gutes Riff ist, dann ist es ein gutes Riff, weißt du. „Shonen Fist” ist ein japanisch beeinflusster Song. Er ist wie ein Tag der Wut aus der Sicht verschiedener Manga- und Animecharakteren mit ihren verschiedenen Angriffstechniken. Ja, ich bin ein verdammter Nerd und ich liebe Japan. (lacht)

„Shonen Fist” deutet ja schon rein vom Titel her auf deine Vorliebe für Manga und Anime hin, zumindest „Kame Hame Ha“ aus „Dragon Ball“ konnte ich heraushören. Welche Manga und Anime sind deine Favoriten und stehst du vor allem auf Action- und Kampf-Serien?
Ich bin ein großer Dragon-Ball-Fan. Tatsächlich ist eine meiner frühesten Erinnerungen als Kind die, als ich anfangen habe, Dragon Ball im katalanischen Fernsehen zu schauen, als sie es 1990 erstmals ausgestrahlt haben. Der Anime ist von 1986, aber bei uns kam er erst vier Jahre später an. Ich liebe natürlich auch anderes, klassisches Zeug wie „Neon Genesis Evangelion“, „Akira“, „Saint Seiya“, „Mazinger Z“… Bei diesem Song haben wir uns auf das Shonen-Thema konzentriert, wie du dir vorstellen kannst. (lacht) Abgesehen von Dragon Ball erwähnen wir zum Beispiel auch „One Punch Man“, „Bleach“, „Yu Yu Hakusho“ und „One Piece“… Der Song ist für mich wie ein wahrgewordener feuchter Traum. (lacht)

Besonders gefallen hat mir der YouTube-Kommentar „Thrash Avengers assemble!“ Was wäre deine Superkraft im Kampf für den Thrash Metal?
Als riesiger Fan von Marvel Comics seit ich denken kann war ich unfassbar glücklich, als ich diesen Kommentar gelesen habe. (lacht) Meine Superkraft wäre vermutlich die Fähigkeit, Pizza öfter als zwei Mal pro Woche zu essen. Auf Tour könnte ich jeden Tag eine essen – hilft das beim Kampf? (lacht)

Das “HD” in “Full HD” steht für Hate Definition. Worauf hattet ihr zuletzt oder momentan am meisten Hass?
Das ist eine witzige Geschichte: Wir haben im Proberaum an dem Song gearbeitet und der erste Part ist eine verdammte Nackenbrecher-Crossover-Bombe, und wenn dir dann der schnelle Part voll auf die Fresse haut, drehst du komplett durch. Wir wussten, dass das die perfekte Therapie ist, um unseren Hass einfach rauszulassen, aber die Definition von Hass hat in dem Lied eine total sarkastische Bedeutung. Natürlich hasse ich nicht alles, worüber ich in dem Song singe, aber genau darum geht es, verstehst du? Wir haben über diese Dualität nachgedacht und darüber, dass man alles aus verschiedenen Perspektiven betrachten kann . Wir dachten über Sichtweisen nach und über die Filter, die mir auf metaphorische Weise ständig über das von uns Gesehene legen. Wir dachten „Hey, das ist der maximale Ausdruck von Hass… Das ist Full Hate Definition. Hey! Wie wäre es mit „Full HD“?“ Wir lachen und wir haben unseren Namen.

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CRISIX; © Arnau Montfort

Ist Hass eines der Gefühle, dass dich als Musiker besonders antreibt? Welche Emotionen lässt du ansonsten in CRISIX fließen?
Nicht wirklich, wir sind sehr freundliche und nette Menschen. Wir sind nicht missgünstig und haben keine bösen Gedanken. Ich meine, klar, jeder hasst irgendetwas, im Grunde sind wir aber alle sehr positiv eingestellt. Jeder hat das Recht zu hassen, wir bevorzugen es aber, zu lieben. (lacht) Mit „World Needs Mosh“ wollten wir die Botschaft vermitteln, dass die Leute sich entspannen müssen, aufhören sich Sorgen zu machen und sich wegen unwichtigen Dingen zu streiten und stattdessen das wertschätzen, was ihnen in ihrem Leben wirklich wichtig ist. In unserem Fall ist das Mosh und Mosh ist Liebe. (lacht)

„World Needs Mosh“ von „The Pizza E.P.“ war einer eurer besten Tracks überhaupt und ein starkes Statement für Zusammenhalt in der Metalszene. Daher passt es perfekt, dass ihr den Song zu “W.N.M. United“ weiterentwickelt habt. Wie kam es zur Idee und zu den daran beteiligten Bands?
Wie du schon sagst, “World Needs Mosh” war ein starkes Statement auf „The Pizza E.P.“. Wir fanden, das könnte der perfekte Track für etwas sein, über das wir schon jahrelang nachgedacht hatten. Mit das beste am Thrash Metal ist, dass wir eine wirklich starke Szene haben. Zusammen mit den anderen Bands dieser “neuen” Generation haben wir etwa zur gleichen Zeit angefangen, wir sind mit ihnen gut befreundet und haben mit allen schon gespielt… wir dachten also, warum sollten wir sie dafür nicht einladen? Es ist die perfekte Gelegenheit! Wir haben ihnen geschrieben und alle waren superglücklich, ein Teil davon sein zu können – und wir könnten nicht stolzer darauf sein. “WNM United” ist der lebende Beweis für das große Potenzial der „neuen“ internationalen Szene. Und wie du im Video gesehen hast, haben wir den Segen von Chuck Billy höchstpersönlich, was konnte also schon schief gehen?

Oh ja, es ist wirklich cool, Chuck Billy von Testament zwischen alle den Mitgliedern jüngerer Bands zu sehen. Was sind deiner Meinung nach die größten Unterschiede zwischen der „New Wave Of Thrash Metal“ und den klassischen Trash-Helden wie Testament, Metallica oder Slayer?
Diese klassischen Bands haben alles ins Rollen gebracht und wir haben zugesehen und von ihnen gelernt. Jetzt haben wir die Möglichkeit, diese wichtige musikalische Tradition auf die bestmögliche Weise fortzuführen. Chuck ist das beste Beispiel für einen echten Urvater des Thrash, der seit dem ersten Album ohne Pause aktiv ist. Testament ist eine dieser Bands, die nie aufgehört haben, aufzunehmen und zu touren. Sogar in den weniger guten Zeiten für Thrash Metal. Sie sind ein großer Einfluss für uns, nicht nur musikalisch, sondern auch wegen der Arbeitseinstellung. Sie haben den Thrash in der bestmöglichen Weise repräsentiert. Schau sie dir heute an: Lombardo ist zurück, ebenso wie Steve DiGiorgio (er kehrte 2014 nach zehnjähriger Pause zu Testament zurück, Lombardo war erstmals bis 1999 im Line-up, Anm. d. Red.). Sie sind eine der besten Bands der Welt und sie arbeiten enorm hart – sieh dir nur ihren Terminkalender an! Sie sind ein sehr großer Einfluss für uns. Was die Unterschiede angeht, würde ich sagen, dass sie sich vor allem aufs musikalische beziehen. Schau dir deren Einflüsse an: Diese Kerle hatten andere Einflüsse, also ist die Umsetzung auch anders. Sie kommen aus einer anderen Schule und einer anderen Zeit, als Musik und musikalische Erziehung noch anders wertgeschätzt wurden. Damit will ich sagen, dass es nie mehr neue Slayer oder neue Metallica geben wird. Es wird aber Generationen geben, die den Geist des Thrash Metal auch in den kommenden Jahren am Leben halten werden.

Schmier von Destruction hat kürzlich in einem Interview mit uns gesagt, dass Thrash Metal schon immer Underground war und sein wird und die Thrash-Community eine eingeschworene Gemeinschaft ist, weil die Musik kommerziell schwer zu fassen ist. „Das ist Musik für die Verrückten“. Wie siehst du das?
Schmier ist ein echt cooler Typ und ein großer Kämpfer für den Underground. So sehr er ein guter Geschäftsmann ist, ist er auch ein Fan. Er wird die ästhetischen Grenzen nicht überschreiten, wenn er glaubt, dass etwas nicht zur Definition von Thrash passt. Wir haben den größten Respekt vor Schmier und Destruction! Wenn wir über deutschen Thrash reden, sollten wir auch Mille und Kreator erwähnen, die große Hallen füllen und regelmäßig in den Charts auftauchen. Schau dir den Erfolg des letzten Slayer-Zyklus an. Es kommt auch auf die Art des Thrash an, Thrash ist heutzutage ein breitgefächerter Begriff. Es ist unmöglich, Thrash auf einen einzigen Stil zu reduzieren. Ich glaube gerne, dass die “Grenzen des Thrash” sich nach wie vor ausweiten.

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CRISIX; © Lopes

Kommen wir zum Schluss zu unserem traditionellen Brainstorming. Was fällt dir zu den folgenden Begriffen zuerst ein?
Aktuelles Lieblingsalbum: Ghost – Impera.
Ukraine: Unschuldige Menschen zahlen immer den Preis für die selben, alten Arschlöcher.
Bestes Bier auf Tour: Ich trinke tatsächlich nichts, wenn ich auf Tour bin. (lacht)
Lustigster Moment auf der aktuellen Tour: Das große Finale in Österreich, als unsere Freunde von Insanity Alert auf die Bühne gekommen sind.
Bestes Film-/Serien-/Buch-Universum: Alles mit „John Carpenter’s“ vor dem Filmtitel / „Buffy – The Vampire Slayer“ / Marvel und DC.
Bester Weg zu entspannen: Eiscreme, gute Gesellschaft und gute Musik.

Vielen Dank für deine Zeit, Juli! Die letzten Worte gehören ganz dir.
Danke für deine Zeit, ich hoffe wir sehen uns bald! Wenn wir in eurer Nähe sind, dann kommt zu unserer Show! Die „Full HD“-Ära ist hier, Baby!

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