CD-Review: Crisix - Sessions: #1 American Thrash

Besetzung

Juli Bazooka – Gesang
B.B. Plaza – Gitarre
Albert Requena – Gitarre
Pla Vinseiro – Bass
Javi Carry – Schlagzeug

Tracklist

01. World In A World (Vio-Lence Cover)
02. Critical Mass (Nuclear Assault Cover)
03. The ‘Hood (Evildead Cover)
04. Chalice Of Blood (Forbidden Cover)
05. Toxic Waltz (Exodus Cover)
06. Imitation Of Life (Anthrax Cover)
07. C.O.T.L.O.D. (Testament Cover)
08. Infectious Hospital Waste (Demolition Hammer Cover)


Fragt man in der Szene oder im musikaffinen Freundeskreis herum, ist es gut möglich, dass man den Eindruck gewinnt, eine Band könne mit der Veröffentlichung eines Cover-Albums nur verlieren: Orientiert sich eine Combo eng an den Originalen und spielt die Songs von anderen Gruppen minutiös nach, ist es den einen zu langweilig – „wo bleibt da die Individualität, die Kreativität?“; drückt eine Truppe jedoch den gecoverten Tracks tatsächlich ihren eigenen Stempel auf, beginnen die anderen zu mäkeln – „das klingt ja gar nicht wie die ursprüngliche Version! Frevel! Sakrileg!“. CRISIX aus Barcelona indes scheinen sich von diesem Dilemma nicht beeindrucken zu lassen: Die spanischen Thrasher haben eigenen Angaben nach so viel Spaß am Covern, dass sie gleich eine ganze Serie an Tribut-Alben angekündigt haben, die sich jeweils auf bestimmte Genres, Regionen oder Epochen konzentrieren sollen. Und was liegt für eine Thrash-Band näher, als sich mit der ersten Ausgabe dieser Serie, „Sessions: #1 American Thrash“, ebenjenem Stil zu widmen?

CRISIX geben in der Release-Info zu Protokoll, dass später immer noch Zeit dafür sei, Metallica, Slayer, Overkill oder Megadeth – also den zur internationalen Speerspitze des Genres gehörenden Größen – Tribut zu zollen. Mit Exodus, Anthrax und Testament haben sie aber dennoch Bands in die Tracklist aufgenommen, die man zweifelsohne zur Thrash-Weltklasse zählen kann. Demgegenüber stehen allerdings auch Kulttruppen wie Evildead oder Demolition Hammer, die es – trotz ihrer in der Szene beliebten Outputs – nie aus ihrer Nische heraus oder zu etwas geschafft haben, was man ansatzweise Durchbruch nennen könnte. Die Wahl kann man durchaus als schlaue Lösung betrachten; denn auch wenn man nicht über „American Thrash“ reden kann, ohne Hetfield, Mustaine, Araya und Co. zu erwähnen, gelingt nur dann ein einigermaßen repräsentativer Abriss, wenn man größere und kleinere Combos gleichermaßen berücksichtigt.

Auch was die Songauswahl angeht, findet man auf „Sessions: #1 American Thrash“ eine ausgewogene Mischung aus Band-Hits auf der einen und Liedern aus den eher hinteren Reihen auf der anderen Seite. So sind etwa „Chalice Of Blood“ und „Critical Mass“ wohl die phänotypischen Tracks ihrer Interpreten, während die Testament– und Anthrax-Nummern zwar von populären Alben stammen, aber sicherlich nicht zu den Top 10 der West- und Ostküsten-Thrasher gehören.
Was CRISIX unterm Strich aus den Songs gemacht haben, kann man wie folgt beschreiben: Nicht nur wegen der modernen Produktion kommen die Lieder mit deutlich mehr Druck aus den Lautsprechern. Die Spanier bieten sie auch eine ganze Spur heftiger dar – sei es durch leicht erhöhtes Tempo oder einzelne mit fettem Riffing und Schlagzeug gesetzte Akzente. Tatsächlich hat das Quintett auf dem gesamten Album hier und da die Drum-Patterns verändert, um den teils über dreißig Jahre alten Schinken seinen eigenen Anstrich und vermutlich zugleich eine modernere Note zu verpassen, für die der Fünfer mit seinem Stil letzten Endes auch steht. Das äußert sich teilweise in – wenn auch nur kurzen – Breakdowns oder Passagen, die nach corigem Groove Metal klingen. Ob das Thrash-Puristen, die mit einer solchen Tracklist schließlich eindeutig angesprochen werden, nicht die Fußnägel aufrollt, sei dahingestellt. Die Spielfreude von CRISIX, die ihre Leidenschaft fürs Covern ja ausdrücklich betont haben, hört man immerhin eindeutig heraus.

Darüber hinaus darf jedoch nicht unerwähnt bleiben, dass Frontmann Julis hysterische Vocals der Sorte Aufgebrachtes Rumpelstilzchen eindeutig in die Kategorie Muss man mögen gehören. Ganz ehrlich, was der Schreihals mit seinen Stimmbändern anstellt, kann nicht gesund sein. Sein Organ hat dabei ein dermaßen hohes Reiz- und Störpotential, dass die ebenfalls polarisierende Singstimme von John Connelly, Shouter von Nuclear Assault (vgl. zweiter Track), wie eine wohlig-warme Umarmung der Trommelfelle anmutet. Nicht zuletzt deshalb bleibt festzustellen: Nicht jeder, der Thrash Metal und Cover-Alben mag, wird CRISIX mögen – und wie eingangs dargelegt wird nicht jeder, der CRISIX mag, auch deren Cover-Album mögen. Aber sollte man sich in der Schnittmenge der Hörer wiederfinden, die all dies mögen, kann man bei „Sessions: #1 American Thrash“ zugreifen.

Keine Wertung

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