Interview mit Christian Larsson von Gloson

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Nach einem starken Debüt mit viel Sludge/Doom-Anteil haben sich die schwedischen GLOSON auf ihrem neuen Album „The Rift“ weiter in Richtung Post Metal entwickelt. Gitarrist und Sänger Christian Larsson erklärt im Interview, warum es dazu zunächst die EP „Mara“ brauchte, welche Rolle Cult Of Luna dabei spielen und warum das Album weniger politisch denn viel mehr existenziell ist.

Euer letztes – und gleichzeitig erstes – Album „Grimen“ ist jetzt fünf Jahre alt. Wie denkst du aus heutiger Sicht über das Album. Hörst du es dir immer noch manchmal an, und gibt es etwas, das du heute anders machen würdest?
Nun, ich denke, das Album ist immer noch sehr wichtig für uns. Auch wenn es schon fünf Jahre alt ist, ist es wahrscheinlich immer noch der größte Teil unseres Entwicklungsprozesses. Ich denke, es ist ziemlich wichtig, es von Zeit zu Zeit in den Kontext zu bringen, also höre ich es mir etwa zweimal im Jahr an.

Zwei Jahre später habt ihr eine EP namens „Mara“ veröffentlicht. Was reizt dich an dem EP-Format, warum habt ihr Zeit in eine EP  investiert, anstatt direkt an einem Album zu arbeiten?
„Mara“ war ein Projekt, das wir mit nur zwei Songs gemacht haben, von denen wir dachten, dass sie als EP zusammengehören, sowohl musikalisch als auch vom Konzept her. Ich denke, wir mussten diesen Weg einschlagen, um die nächste Phase, die zu „The Rift“ werden sollte, einzuleiten.

Im Jahr 2020 folgte dann ein rein digitales Live-Album. Live-Alben sind eine ziemlich genretypische Veröffentlichung im Metal – rein digitale Veröffentlichungen hingegen sind im Genre noch eher selten. Warum habt ihr euch gegen eine CD oder LP entschieden?
Nun, im Allgemeinen sehen wir Live-Alben oder Bootlegs nicht als so große Sache an. Wir sehen sie eher als Hilfsmittel für unsere Hörer im Ausland, damit sie einen Eindruck davon bekommen, was sie erwarten können, wenn sie uns in Zukunft live sehen.

„The Rift“ ist nun euer zweites Album. Musikalisch habt ihr euch merklich weiterentwickelt – siehst du das auch so, und wo siehst du die Hauptunterschiede?
Ich würde sagen, dass wir dieses Mal generell besser vorbereitet waren. Wir haben das ganze Album als Demo aufgenommen und es dann an Ulf von Hoborec geschickt, sodass er wusste, worauf wir hinauswollten. Ein weiterer Punkt ist, dass wir jeden Stein umgedreht haben, um jeden Song in unseren Augen perfekt zu machen, damit alle im Kleinen, aber auch zusammen im großen Ganzen zusammenpassen.

Ich persönlich finde, dass das Album etwas roher und aggressiver ist, vor allem im Mittelteil. Der Song „Ultraviolet“ am Ende ist dann wiederum sehr vielseitig, auch mit klarem Gesang. Wie kam es zu diesem starken Kontrast zwischen den eher geradlinigen Songs im Mittelteil und diesem experimentelleren Stück?
Ich denke, dass die Dynamik schon immer ein Eckpfeiler in allem war, was wir bisher gemacht haben, und gerade dieser Song zeigt das irgendwie noch deutlicher. Als die frühe Instrumentalversion des Songs fertig war, verlangte sie quasi, dass die Vocals zwischen weich und hart wechseln. Er ist wirklich experimentell und aus meiner Sicht einer unserer besten Songs überhaupt.

Die Songs sind im Schnitt auch etwas länger als auf „Grimen“ – war das eine bewusste Entscheidung oder hat sich das einfach so ergeben? Was reizt euch besonders an langen Songs?
Der Plan war, die Songs generell kürzer zu machen, aber das ist uns offensichtlich nicht gelungen. Ich denke, es liegt nicht in unserer Natur, die Länge von Songs zu hinterfragen. Der Song ist fertig, wenn er fertig ist.

Das Mastering wurde von Magnus Lindberg von Cult Of Luna durchgeführt. Generell erinnert mich die Musik – besonders der Gesang – sehr an diese Band. Würdest du sie als eine Art musikalische Mentoren für GLOSON bezeichnen?
Ganz und gar nicht. Ich meine, Cult Of Luna ist eine großartige Band und so, aber GLOSON ist eine Art Wesen, das aus allem besteht, was wir in unserem Leben durchgemacht haben, sowie aus einigen Einflüssen aus Musik, Filmen, Videospielen etc. Magnus Lindberg ist einfach wirklich gut in seiner Arbeit, deshalb haben wir ihn ausgewählt.

Das Cover illustriert den Titel sehr schön – wurde das Bild für den Titel gemalt, oder wurde der Titel nach einem bestehenden Bild gesucht …?
Ja, es wurde für den Titel gemalt.

Was ist generell der Gedanke hinter dem Titel, warum „The Rift“?
„The Rift“ basiert für mich lose darauf, wie die Menschheit sich selbst verändert hat und nun mehr denn je in Stücke gespalten ist. Wie wir es geschafft haben, eine Menge guter Dinge, die uns gegeben wurden, zu zerstören und sie in Müll zu verwandeln. Ich glaube nicht, dass „The Rift“ ein politisches Album ist. Es ist eher existenziell.

Wie geht es jetzt nach der Veröffentlichung weiter, was sind die nächsten Schritte? Plant ihr eine Tour, macht ihr Pause oder arbeitet ihr schon an neuem Material?
Nun, wenn COVID uns nicht im Wege steht, hoffe ich, dass wir auf eine Tour gehen und für ein paar Tage oder so unterwegs sein können. Aber es ist auch schon einiges an neuem Material bereits geschrieben und mehr ist in Arbeit.

Vielen Dank für das Interview. Zum Abschluss unser traditionelles Brainstorming:
Essen, das dich immer glücklich macht:
Burger
Frühling:
Bier
Doom-Metal:
Black Sabbath
Europa:
Deutschland
GLOSON in zehn Jahren
: Immer noch am Experimentieren

Nochmals vielen Dank für deine Zeit. Die letzten Worte gehören dir:
Passt auf euch gegenseitig auf, es ist eine harte Welt und nichts sollte als selbstverständlich angesehen werden.

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Dieses Interview wurde per E-Mail geführt.
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