Interview mit Björn Pettersson von In Mourning

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Mit ihrem neuen Album „The Immortal“ haben IN MOURNING einen weiteren starken Vertreter im melancholischen Death Metal abgeliefert. Wir haben die Gelegenheit genutzt, um mit Sänger und Gitarrist Björn Pettersson über den Kranich als Symbol, die deutsch-schwedische Freundschaft und die Natur als Inspiration zu sprechen.

Hallo zusammen, vielen Dank, dass ihr euch die Zeit nehmt. Heute wollen wir über euer neues Album „The Immortal“ sprechen. Also direkt zur Sache: Wie fühlt ihr euch jetzt, kurz vor der Veröffentlichung?
Hallo! Sehr gut, danke. Wir sind echt aufgeregt, dass das Album endlich herauskommt. Wir haben wirklich viel Herzblut und Arbeit hineingesteckt – sowohl ins Album selbst als auch in den Release. Wenn du mich fragst, sollte man das Ganze wirklich als Gesamtwerk genießen, wie ein vollständiges Menü.

IN MOURNING 2025

Wenn ich richtig informiert bin, ist „The Immortal“ das erste Album, das ihr nicht nur über euer schwedisches Label Dalapop veröffentlicht. Im Zuge dieses Releases arbeitet ihr auch erstmals mit dem deutschen Label Supreme Chaos Records zusammen. Erzählt mal – wie kam es dazu?
Ja, das stimmt so. Oder besser gesagt: Wir haben im Laufe der Jahre mit verschiedenen Labels zusammengearbeitet, aber seit einigen Jahren machen wir vieles selbst und arbeiten eng mit Dalapop zusammen. Beim letzten Album „The Bleeding Veil“ wollten wir die Dinge näher an uns heranholen, mehr selbst in der Hand haben und mit Leuten zusammenarbeiten, die uns nahestehen. Robby von Supreme Chaos Records ist ein alter Freund von Corny (Cornelius Althammer, Schlagzeug – Anm. d. Red.), da gab es also sofort eine persönliche Verbindung. Sie haben viel Erfahrung in der Metalszene, in Sachen Produktion und mit Vertriebskanälen außerhalb Skandinaviens. Die Zusammenarbeit war großartig – ich finde, die beiden Labels ergänzen sich super. Bisher alles durchweg positive Vibes.

In diesem Zusammenhang: 2026 geht ihr auf Europatour mit FALLUJAH und OMNIUM GATHERUM. Stationen sind unter anderem Hannover, Aschaffenburg und Berlin. Was schätzt ihr besonders an euren deutschen Fans?
Das wird auf jeden Fall eine epische Tour! Mit OMNIUM GATHERUM waren wir schon unterwegs – tolle Typen. Und mit den FALLUJAHs stehen wir auch in Kontakt, daher wird es super, sich endlich mal persönlich zu treffen. Ich freue mich riesig darauf, die europäischen Straßen wieder unsicher zu machen. Deutschland war immer großartig – hier gibt es so viele leidenschaftliche Metalfans. Und da Corny inzwischen Teil der Band ist, sind wir ja quasi teilweise deutsch – also fast Heimspiel.

Kommen wir zum Album. Der Kranich ist ein zentrales Motiv von „The Immortal“ – nicht nur auf dem Cover. Ihr habt ihm sogar zwei Songs gewidmet („Silver Crescent“ und „The Song Of Cranes“). Was steckt dahinter?
Ja, absolut – er zieht sich wie ein roter Faden durchs Album. Es ist diesmal keine richtige Konzeptstory, sondern eher Reflexionen über Leben und Tod, verbunden mit dem Jahreskreislauf in der Natur. „Song Of The Cranes“ ist schon früh im Schreibprozess entstanden und hat sich für mich sofort wie ein Kernstück angefühlt. In der Mythologie steht der Kranich für Unsterblichkeit oder Langlebigkeit und gilt als Seelenführer ins Jenseits. Damit fasst er die Themen des Albums perfekt zusammen.

Für mich prägt der Kranich auch stark die Stimmung des Albums. Im Vergleich zu „The Bleeding Veil“ ist „The Immortal“ deutlich melodischer – fast majestätisch und umhüllend. War dieser Symbolcharakter schon von Anfang an Teil des Kompositionsprozesses oder hat sich das erst beim Schreiben ergeben?
Da stimme ich dir zu. Ich denke, jedes Album knüpft irgendwie an das vorherige an. Bei „The Bleeding Veil“ haben wir viel Dunkelheit verarbeitet – das spürt man in der Atmosphäre. Dieses Album geht für mich eher einen Schritt weiter. Normalerweise sagen wir immer, unser neues Album sei das dunkelste und traurigste, das wir je gemacht haben – aber diesmal ist es anders. Klar, es ist immer noch dunkel und schwer, aber die Themen sind offener, reflektierender und drehen sich mehr ums Weitergehen.

Wenn wir bei „The Bleeding Veil“ bleiben: Für meine Ohren war das Album deutlich düsterer und weniger melodisch. „The Immortal“ wirkt dagegen offener, träumerischer, stellenweise sogar sehnsüchtig. Worin unterscheiden sich die beiden Alben in Sachen Songwriting und Texte?
Ich würde sagen, sie spiegeln einfach wider, wo wir jeweils gerade standen, als wir daran gearbeitet haben. Damals war vieles schwierig – Menschen in unserem Umfeld wurden krank, einige sind gestorben – es lag viel Schwere in der Luft. Dieses Album hingegen ist mehr von Reflexion geprägt und hat eine andere Perspektive. Ich mag, dass die beiden Werke einen Kontrast bilden – sowohl musikalisch als auch bildlich. Im Songwriting haben wir diesmal noch stärker daran gearbeitet, die Songs zu straffen, die Melodien herauszuarbeiten und alles Überflüssige wegzuschneiden.

Musikalisch werdet ihr oft mit INSOMNIUM und (älteren) OPETH verglichen. Ehrlich gesagt kein abwegiger Vergleich. Wo findet ihr diese Parallelen gerechtfertigt – und wo seht ihr klare Unterschiede? Für mich habt ihr immer „tiefer“ als diese Bands geklungen …
Die Vergleiche sind schon nachvollziehbar – beide Bands haben uns inspiriert. OPETH haben sicher das Leben einiger von uns stark geprägt, gerade in den frühen Jahren. Mit INSOMNIUM waren wir auf Tour – unglaublich nette Kerle und echte Arbeitstiere, also definitiv eine Inspiration. Ein ehrenvoller Vergleich auf jeden Fall. Von innen heraus sehen wir das vielleicht nicht so klar. Ich denke, je länger es uns gibt, desto mehr kommen unsere Einflüsse von ganz woanders und nicht mehr so direkt von anderen Bands.

Viele skandinavische Bands lassen sich stark von der Natur inspirieren. Was inspiriert euch beim Songwriting?
Die Natur ist auf jeden Fall ein riesiger Faktor – gerade auf dem neuen Album war sie eine starke Inspirationsquelle. Ich arbeite gern mit Bildern im Kopf, wenn ich Musik schreibe oder darüber nachdenke. Für mich ist das Schreiben auch eine Art, das Leben zu verarbeiten – besonders in den Texten.

Die weltweite Lage ist aktuell von politischen und gesellschaftlichen Umbrüchen geprägt – vom Erstarken rechter Bewegungen über den Klimawandel bis hin zum Krieg in der Ukraine. Alles wirkt dunkler. Wie geht ihr damit um?
Das beeinflusst die Musik sicher, auch wenn es keinen direkten Bezug gibt. Wir schreiben nie explizit politisch, aber immer mit Herz und mit Bezug zum echten Leben – insofern fließt das natürlich ein.

IN MOURNING 2025

Letztes Jahr gab es einen Line-up-Wechsel: Euer Schlagzeuger Joakim Strandberg Nilsson, der sechs Jahre bei euch war, wurde durch AHAB-Drummer Cornelius Althammer ersetzt. Was schätzt ihr besonders an ihm und welchen Einfluss hatte er auf „The Immortal“?
Ja, Jocke ist zu DARK TRANQUILLITY gewechselt – wir wünschen ihm nur das Beste. Wir hatten eine großartige Zeit mit ihm, sowohl menschlich als auch musikalisch. Corny ist ein alter Freund, er passt perfekt rein. Ein unglaublicher Drummer, der schon als Crew mit uns auf Tour war. Der Einstieg war also ganz natürlich. Er bringt eine andere Groove-Note mit, etwas frischen Wind – und hat super die Balance zwischen Neuem und Vertrautem gefunden.

Wenn wir mal in die Plattensammlung der IN-MOURNING-Mitglieder schauen würden: Welche nicht-metallischen Alben würden wir finden – die man vielleicht nicht erwarten würde?
Ich höre viel Nicht-Metal. Metal ist zwar das Rückgrat, das immer da ist, aber oft greife ich zu softerer Musik. Gerade viel von CHRISTIAN KJELLVANDER und DANIEL NORGREN, beides großartige schwedische Künstler. Außerdem VILMA FLOOD – sie kommt aus unserer Gegend, unbedingt mal reinhören!

Schweden hat eine reiche Musikkultur. Namen wie ABBA, ROBYN, WILHELM STENHAMMAR oder BATHORY haben in ihren Genres ein enormes Gewicht. Was ist eure früheste musikalische Erinnerung oder ein prägendes Erlebnis?
Ich erinnere mich, dass meine große Schwester mir das „Happy Nation“-Album von ACE OF BASE geschenkt hat – das habe ich rauf und runter gehört. Ob es prägend war, weiß ich nicht. Aber die MISFITS hatten später großen Einfluss auf mich, als ich in härtere Musik eingestiegen bin – und dann natürlich METALLICA. Ich bin über das „Load“-Album zu METALLICA gekommen, das ich bis heute großartig finde.

Wenn ihr auf eure Diskografie schaut: Wo würdet ihr „The Immortal“ einordnen? Für mich klingt es wie eine Mischung aus „The Weight Of Oceans“ und „Afterglow“ …
Für mich ist es einfach die natürliche Weiterentwicklung von „The Bleeding Veil“ und „The Broken Orbit“. Also direkt das nächste Album danach. Aber ich verstehe deinen Punkt – hoffentlich schaffen wir es, einen roten Faden durch die ganze Diskografie zu ziehen, sodass sich die Alben miteinander verbinden.

Gibt es noch Ziele, die ihr mit IN MOURNING erreichen wollt? Sei es Kooperationen mit anderen Künstlern, große Konzeptalben oder Festivals, die ihr noch nicht gespielt habt?
Gerade jetzt freue ich mich einfach darauf, wieder auf Tour zu gehen. Und nächstes Jahr würde ich gern mehr Festivals spielen. Es gibt so viele großartige Festivals, auf denen wir noch nicht waren – das wäre definitiv ein Ziel.

Vielen Dank für das Interview! Zum Abschluss noch unser Metal1-Brainstorming:
Vielen Dank dir!
Ghost: Episch
Surströmming: Nein
Das Haus Bernadotte: Majestätisch
Unsterblichkeit: Komplex
IN MOURNING in zehn Jahren: Alt

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Philipp Sorger

Publiziert am von

Dieses Interview wurde per E-Mail geführt.
Zur besseren Lesbarkeit wurden Smilies ersetzt.

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