CD-Review: Urfaust - Der freiwillige Bettler

Besetzung

IX – Gesang, Gitarre
VRDRBR – Schlagzeug

Tracklist

01. Vom Gesicht und Rätsel
02. Der freiwillige Bettler
03. Das Kind mit dem Spiegel
04. Der Mensch, die kleine Narrenwelt
05. Ein leeres Zauberspiel
06. Der hässlichste Mensch
07. Der Zauberer


Bereits ihre letzte EP, „Einsiedler“, wusste zu begeistern – eine ideale Vorraussetzung für den Genuss des neuen Werkes der Holländer URFAUST, war die EP doch als Vorgeschmack auf das Album konzipiert. Und in der Tat, die Erwartungen wurden erfüllt, ja, sogar übertroffen – auch, wenn sich das, was in den 45 Minuten dargeboten wird, merklich vom Material der EP unterscheidet. Doch keine Angst – ein Experiment wie das nicht von allen Fans gleichermaßen geliebte „Drei Rituale jenseits des Kosmos“ bleibt hier aus – viel eher besinnen sich URFAUST ihrer Anfangstage und musizieren so düster und schwarzmetallen wie lange nicht.

So ist „Der freiwillige Bettler“ von der Grundstruktur her als typisches URFAUST-Werk ausgelegt und als solches am ehesten mit dem vielverehrten Debüt „Geist ist Teufel“ zu verglichen: Ungezählte Male wiederholte und vor sich hin mäandernde Riffs aus nur wenigen, bisweilen gar nur zwei, Akkorden sind hier nicht die Ausnahme, sondern bilden ein solides Fundament monotonen und durch den rohen Sound dennoch rotzigen Black Metals. Wie man es von früher kennt, wird diese Monotonie der instrumentalen Arbeit dabei als zentrales Stilmittel zur Erzeugung einer so beklemmenden wie faszinierenden Atmosphäre eingesetzt und so zum Dreh und Angelpunkt des Schaffens der Band, auch wenn bisweilen gar eine Sologitarre („Der Zauberer“) oder elaborierteres Riffing ihren Platz in den Kompositionen des Duos finden.

Dabei wird auf „Der freiwillige Bettler“ zwar mit einem weit definierteren Gitarrensound gearbeitet als in den Anfangstagen, der düsteren Gesamtstimmung tut das jedoch keinen Abbruch, ist man doch immernoch meilenweit von einer „Überproduktion“ entfernt. Vor allem das Schlagzeug klingt mittlerweile prägnanter, ist dafür aber, wie um diesen Fortschritt zu kompensieren, mit derart viel Hall unterlegt, dass am Ende erneut ein vergleichsweise weicher Klang aus den Boxen an das Ohr des geneigten Hörers dringt.

Auch sonst ist Weiterentwicklung im URFAUST-Imperium eher in kleineren Details denn im großen Ganzen erkennbar: Im Zentrum der Aufmerksamkeit steht immernoch der ausdrucksstarke Gesang von IX, welcher jedoch auf „Der freiwillige Bettler“ fast einen Zacken „gewöhnlicher“ daherkommt als früher: Der einzigartige „Walgesang des aztekischen Hohenpriesters“, wie ich es im Review zu „Geist ist Teufel“ umschrieb, ist in viele Passagen fast schon „normalem“ Klargesang gewichen, wie man ihn auch bei anderen Bands findet, über längere Passagen die geschriehenen Passagen erinnern an Bands wie die Australier Austere…

Auf „Der freiwillige Bettler“ vereinen URFAUST nahezu alle Stärken, die die Band zu dem Underground-Geheimtipp gemacht haben, der sie heute sind und liefern so ihren wohl stärksten Release seit „Geist ist Teufel“, vielleicht sogar überhaupt ab. Ein verstörendes, düsteres Machtwerk doomigen Black Metals, das jedem Fan des Duos das Herz aufgehen lassen sollte.

Bewertung: 8.5 / 10

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