Deathcrusher 2015

  • Täubchenthal, Leipzig
  • 13. November 2015

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Wir schreiben das Jahr 1989 und über England rollt eine Tour hinweg, die in die Geschichtsbücher eingehen wird – die Grindcrusher Tour. 26 Jahre später sind CARCASS und NAPALM DEATH erneut gemeinsam unterwegs und haben wieder mächtige Verstärkung mit dabei. Ergänzt durch OBITUARY und VOIVOD rollt der DEATHCRUSHER 2015 über Europa hinweg, die Schweizer von HEROD mit im Kielwasser.

_IGP1692Deren Auftritt fällt leider dem frühen Beginn (19:00 Uhr, obwohl der Beginn des Abends für 19:30 Uhr angesetzt war) zum Opfer, sodass VOIVOD für viele der Anwesenden die erste Band des Abends ist. Die legendären Kanadier präsentieren sich gut gelaunt und knallen die Zuhörern ihren Sci-Fi-Thrash um die Ohren, der mal mit mächtigen Riffs und amtlichen Grooves, dann wieder mit absolut vertrackter Verrücktheit daherkommt. Das ist zwar nicht jedermanns Sache, allerdings gibt es im Publikum doch einige Fans der Band, die diese auch entsprechend mit Applaus bedenken. Wirklich voll ist es allerdings noch nicht.

Setlist VOIVOD

  1. Ripping Headaches
  2. Tribal Convictions
  3. Kluskap O’Kom
  4. Chaosmöngers
  5. The Prow
  6. Overreaction
  7. Forever Mountain
  8. Voivod


_IGP1842Das sieht bei den folgenden NAPALM DEATH schon ganz anders aus. Nur unterbrochen von Barneys, wie immer leicht launisch-lakonischen und politisch motivierten, Ansagen zelebrieren die Briten Grindcore vom Allerfeinsten. Ihre wilde Raserei paart die Legende dabei immer wieder mit knochenbrechenden Grooves, die beim Publikum für helle Freude sorgen. Mindestens so beeindruckend wie die Musik der Band ist aber auch das Gebaren des Sängers: Während der Ansagen ist Barney der zurückhaltende, etwas schüchtern wirkende Junge, sobald aber die Musik ertönt, tickt der gute Mann komplett aus und schwingt seine Gliedmaßen (scheinbar) unkontrolliert in alle Richtungen. Immer wieder ein sehenswertes Schauspiel und zugleich ein großes Glück, dass die Miterfinder des Grindcore nach wie vor dermaßen begeistert touren.

Setlist NAPALM DEATH

  1. Apex Predator – Easy Meat
  2. Silence Is Deafening
  3. When All Is Said And Done
  4. Smash A Single Digit
  5. Metaphorically Screw You
  6. Scum
  7. Social Sterility
  8. Deceiver
  9. How The Years Condemn
  10. Suffer The Children
  11. Strong-Arm
  12. You Suffer
  13. Nazi Punks Fuck Off (Dead Kennedys Cover)
  14. Adversarial/Copulating Snakes


_IGP1919Noch einmal merklich voller wird es im Folgenden, denn auf der Bühne werden die brutalsten Grooves des Planeten geboten – OBITUARY sind dran. Und schon während der ersten Akkorde des Openers „Redneck Stomp“ ticken die Anwesenden einfach aus, recken ihre Fäuste und lassen die Köpfe kreisen, ein Zustand der sich auch in den nächsten gut vierzig Minuten nicht mehr ändern wird. Unterstützt wird die Legende aus Florida bei ihrem Auftritt durch einen perfekten Sound, der die tonnenschweren Riffs betont und zugleich dafür sorgt, dass Donald Tardys Double Bass den Anwesenden heftigst den Brustkorb massiert. Doch OBITUARY können bekanntermaßen nicht nur grooven, sondern auch knallhart austeilen – „Centuries Of Lies“ oder „Visions In My Head“ zeigen die Truppe von ihrer schnellen Seite. Sänger John Tardy verzichtet fast komplett auf Ansagen, nennt nur die Namen der Alben, von denen der nächste Song stammt und dem Publikum reicht das vollkommen. Denn niemand will Erzählungen hören, wenn eine Band dermaßen gut drauf ist und den Anwesenden eine Musik entgegenknallt, die einen wie eine massive Wand trifft und tatsächlich körperlich anstrengend ist. Grandiose Vorstellung einer legendären Band!

_IGP1997

Setlist OBITUARY

  1. Redneck Stomp
  2. Centuries Of Lies
  3. Visions In My Head
  4. Intoxicated
  5. Bloodsoaked
  6. Dying
  7. Find The Arise
  8. ‚Til Death
  9. Don’t Care
  10. Slowly We Rot


_IGP2287Im Anschluss an eine solche Machtdemonstration möchten wohl die Wenigsten spielen und noch Wenigeren würde es gelingen, nicht unterzugehen. Zu diesem erlesenen Kreis gehört aber fraglos der Headliner des heutigen Abends – CARCASS. Die Liverpooler reiten nach wie vor auf der Erfolgswelle ihres Comebackalbums „Surgical Steel“ und präsentieren sich spielerisch in absoluter Topform. Optisch hingegen verwirrt der Bühnenaufbau zu Beginn: Weiße Beamer, weiße Scheinwerfer und ein weißes Drumkit wirken doch etwas befremdlich. Andererseits unterstreicht die Farbe das klinisch-sterile in der Erscheinung der Band und zum anderen nutzen CARCASS die weiße Bassdrum als Projektionsfläche für ihre Beamer – starke Idee! Ebenfalls stark ist der Sound, nicht mehr so brachial fett wie bei OBITUARY, dafür aber klarer, wodurch die Feinheiten in den Songs sehr gut zur Geltung kommen. Jeff ist offensichtlich gut gelaunt, auch wenn es eigenwillig wirkt, wenn eine Grindcore/Death-Metal-Band das Publikum zum Klatschen animiert. Die Setlist bietet einen sehr schönen und repräsentativen Querschnitt durch die Diskographie der legendären Briten, was die Fans zu wahren Begeisterungsstürmen animiert. Seltsamerweise sind jedoch deutlich weniger Leute anwesend als noch bei OBITUARY, ein Umstand, der ob der wirklich starken Show von CARCASS durchaus verwundert. Die Band juckt es offensichtlich wenig, denn nachdem die angekündigten 60 Minuten Spielzeit rum sind, hängt die Truppe einfach noch eine Viertelstunde dran und Bill darf sogar an das zentrale Mikrofon, um seine Growls zu Gehör zu bringen. Letztlich ein Auftritt, der keine Wünsche offen lässt.

Setlist CARCASS

  1. Unfit For Human Consumption
  2. Buried Dreams
  3. Incarnated Solvent Abuse
  4. Cadaver Pouch Conveyor System / A Congealed Clot of Blood
  5. The Granulating Dark Satanic Mills
  6. Captive Bolt Pistol / Genital Grinder
  7. Exhume To Consume / Reek Of Putrefaction
  8. Keep On Rotting In The Free World
  9. Corporal Jigsore Quandary
  10. Mount of Execution
  11. Heartwork


_IGP2162Und so steht unterm Strich ein Abend, der den Anwesenden vier legendäre Bands brachte, die allesamt starke Auftritte zeigten. Zugleich waren aber auch die Musiker allesamt derart gut gelaunt, dass man zu dem Schluss kommt, dass auch die Akteure diese Tour genießen. Da bleibt nur zu hoffen, dass es nicht wieder 26 Jahre dauert, bis es erneut eine Tour mit dieser Feuerkraft gibt, an der die Bands selbst Interesse haben. Denn genau das macht den Unterschied zwischen einem solch gelungenen Abend und einer Rock-The-Nation-Masse-statt-Klasse-Veranstaltung.

Deathcrusher Tour 2015

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