Konzertbericht: Kataklysm w/ Fleshgod Apocalypse

03.08.2022 München, Backstage (Werk)

Nach zwei Jahren Pandemie findet im Backstage München wieder das etablierte Free & Easy Festival mit unzähligen Live-Konzerten zum Nulltarif statt. Eine dieser Shows ist das Package aus Unearth, Misery Index und den Münchner Lokalmatadoren von Commander, das an diesem Mittwoch in der Backstage Halle aufspielt. Keine dieser Shows ist hingegen das Package aus KATAKLYSM, FLESHGOD APOCALYPSE und DYSCARNATE, das am gleichen Tag im Backstage Werk auf dem Plan steht.

Das ist nicht nur für die Münchner Death-Metal-Fans eine ungünstige Überschneidung, sondern auch für die Bands: 0 € versus 30 € für jeweils hochwertigen Death Metal sorgt natürlich für ein gewisses Ungleichgewicht bei der Entscheidung, durch welche Tür man gehen soll.

Diese Frage beantwortet sich fürs erste ganz von allein, da der Auftritt von DYSCARNATE ausfällt. Während im Werk also bis 20:30 Uhr nichts passiert, spielen in der Halle – dank freiem Eintritt kann man zumindest spontan hinüberwechseln – die Münchner COMMANDER. Obwohl die meisten Werk-Besucher diese Möglichkeit, sich die Zeit zu vertreiben, nicht nutzen und im Werk der Dinge harren, die da kommen, dürfen sich COMMANDER über gut 250 Leute und damit eine volle Hütte freuen.

Fleshgod Apokalypse live 2022Als FLESHGOD APOCALYPSE um 20:30 Uhr im Werk die Bühne betreten, müssen sie sich mit einer ähnlichen Besucherzahl zufrieden geben – allerdings ist die 1.500er-Venue mit kaum 300 Fans eher leidlich gefüllt. Dass vom Symphonic Extreme Metal der Italiener zunächst vornehmlich Schlagzeug zu vernehmen ist, macht es nicht eben leichter, in die Show zu finden. Zwar bessert sich der Sound im Verlauf des Auftritts etwas, bis der Funke überspringt, dauert es trotzdem gut das halbe Set: Mit ihrer 2020er-Single „No“ (inklusive humoriger Britney-Spears-Referenz) und „The Fool“ (von „King“, 2016) bringen FLESHGOD APOCALYPSE das Publikum dann schließlich hinter sich – nicht zuletzt, da Fronter Francesco Paoli den Song dem 2022 viel zu früh gestorbenen Trevor Strnad von THE BLACK DAHLIA MURDER widmet. Eigentlich hätten – langjährige Ticketbesitzer mögen sich erinnern – diese nämlich heute hier aufspielen sollen. So endet die Show nach exakt einer Stunde versöhnlich mit etwas Moshpit und ordentlichem Applaus – auf ganzer Linie überzeugen können FLESHGOD APOCALYPSE heute aber leider nicht.

Als um Punkt 21:00 Uhr KATAKLYSM an der Reihe sind, sieht es in Sachen „Füllstand“ des Werks nicht wesentlich besser aus – zumindest im Vergleich zu früheren, ausverkauften und entsprechend dicht gepackten Shows. Zu stören scheint das aber niemanden, weder auf noch vor der Bühne. So werden die Kanadier direkt mit großem Jubel empfangen, und auch im Verlauf der Show macht das Publikum eine Stimmung, die weit besser ist als die tatsächliche Besucherzahl hätte erwarten lassen. KATAKLYSM wiederum liefern, was von ihnen erwartet wird: Geradlinigen und technisch einwandfreien Death Metal kanadischer Bauart. Auffällig ist, neben der Präzision von Drummer-Neuzugang James Payne, dass KATAKLYSM (anders als früher) weitgehend auf Backingtracks verzichten: Statt diverser Spuren vom Band hört man vornehmlich, was Gitarrist Jean-François Dagenais und Bassist Stéphane Barbe auch wirklich spielen – erfrischend!

Kataklysm live 2022Musikalisch scheinen KATAKLYSM die Pandemie-Pause für eine echte Zäsion genutzt zu haben: Statt ein Klassiker-Sets aufzufahren, fokussieren sich Maurizio Iacono und Konsorten mehr denn je auf ihre jüngere Bandgeschichte: Die Hälfte der Songs im Set ist den letzten drei Alben „Unconquered“, „Meditations“ und „Of Ghosts And Gods“ entnommen. Im Gegenzug ist die Zahl der alten Klassiker deutlich zurückgefahren: Auf „In Shadows And Dust“ oder „The Ambassador Or Pain“ wartet man heute beispielsweise vergeblich, lediglich „As I Slither“ („Serenety In Fire“) hat es aus dieser Ära ins Set geschafft. Dazu kommen je zwei Stücke von „Heavens Venom“ und „In The Arms Of Devastation“, der „Prevail“-Kracher „Taking The World By Storm“ sowie das majestätische „Elevate“ von „Waiting For The End To Come“ als Rausschmeißer.

Kataklysm live 2022Dass KATAKLYSM nun auch ihrem neuen Material einen entsprechenden Anteil ihres Sets widmen, ist an sich ein gutes Zeichen – schließlich spricht es nicht unbedingt für ein gesundes Selbstverständnis einer Band, wenn zwar laufend neue Alben erscheinen, die Songs dann aber nie Eingang ins Set finden. Dass der Schnitt heute gar so krass wirkt, hat einen anderen Grund: Mit 60 Minuten Spielzeit ist das Set der Kanadier für einen Headliner extrem kurz. Ließ sich das auf der letzten Tour der Band 2019 (mit Whitechapel, Fleshgod Apocalypse und – damals wirklich – Dyscarnate) noch dem umfangreichen Tourpackage zuschreiben, gibt es bei drei (beziehungsweise schlussendlich nur zwei) Bands eigentlich keine Ausreden mehr: Für eine Gratis-Show im Rahmen des Free & Easy wäre das natürlich in Ordnung gegangen, für immerhin doch 30€ und zwei Bands, von denen die eine auch noch ein Nachrücker ist, ist das einfach zu wenig.

Als um Punkt 23:00 Uhr das Licht angeht, trägt der Elektro-Fun-Songs „Raining Tacos“ von Parry Gripp & BooneBum darum nur einen Teil zur allgemeinen Verwirrung bei: Dass „Elevate“ tatsächlich – wie von Mauricio zugegebenermaßen angekündigt – der letzte Song des Abends sein könnte, dürften die wenigsten Fans im Werk erwartet haben.

  1. Outsider
  2. Thy Serpents Tongue
  3. Underneath The Scars
  4. At The Edge Of The World
  5. Push The Venom
  6. Focused To Destroy You
  7. Like Angels Weeping (The Dark)
  8. Narcissist
  9. The Black Sheep
  10. The Killshot
  11. Crippled & Broken
  12. As I Slither
  13. Taking The World By Storm
  14. Elevate
Kataklysm live 2022

Ob ihr wirklich richtig steht, seht ihr, wenn das Licht angeht“ weiß der deutsche Volksmund. Am heutigen Abend dürften es die Fans in der Backstage Halle gewesen sein, die „richtig“ standen: Mit Unearth, Misery Index und Commander für lau kann man schließlich wenig falsch machen. Die Kombination aus einer ausgefallenen Vorband, mäßigem Sound bei den als Ersatzband gebuchten FLESHGOD APOCALYPSE sowie einer recht kurz gehaltenen KATAKLYSM-Show für 30€ bringt es hingegen eher nicht zum Konzert des Jahres. Schade, doch auch nicht fatal: Von der eigentlich angekündigten Live-Pause haben KATAKLYSM nämlich bereits wieder Abgstand genommen. Im Frühjahr 2023 wollen die Kanadier nach Deutschland zurückkehren – mit Soilwork als Support, und vielleicht ja auch mit einem etwas längeren Set.

Publiziert am von

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.