Trans-Siberian Orchestra

  • Nürnberg, Arena Nürnberger Versicherung
  • 20. Januar 2014

TSO-Logo

Hervorgegangen aus der Metal-Band Savatage, schlägt das TRANS-SIBERIAN ORCHESTRA seit vielen Jahren die Brücke zwischen opulenter Rockoper und Musical. 2013 veröffentlichte das TSO sein erstes Best-Of namens „Tales Of Winter“. Mit dieser auserwählten Selektion der größten Hits des Orchesters rund um die kreativen Köpfe Jon Oliva, Paul O’Neill und Bob Kinkel ging das Ensemble Anfang 2014 erneut auf ausgedehnte Europareise. Beim Zwischenstop in Nürnberg wird allerdings deutlich, woran das gesamte Konzept letztlich krankt.

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Bereits der erste Blick in die Halle fällt ernüchternd aus. Besonders im vorderen Drittel sind etliche Reihen spärlich besetzt. Am hinteren Ende wird es hingegen voller. Unbeeindruckt davon eröffnet das TRANS-SIBERIAN ORCHESTRA den Konzertabend mit „Time And Distance“ sowie „Winter Palace“ und dem Savatage-Cover „This Is The Time“  relativ flott und lautstark. Das große Plus wird bereits hier offensichtlich: die Show. So wird jeder einzelne Song, ganz egal ob gespickt mit Broadway-, Klassik-, Jazz- oder Soul-Einflüssen, opulent inszeniert und stimmungsvoll begleitet. Die Laser und Lichter erfüllen die gesamte Arena im wahrsten Sinne des Wortes und bieten den hervorragenden Musikern eine wahre Showbühne. Dass Mitte Januar thematisch gesehen Lieder über Weihnachten und den ausbleibenden Winter etwas fehl am Platze sind, fällt nicht vordergründig ins Gewicht. Dafür entschädigen allein Asha Mevlana an der Violine sowie Vitalij Kuprij an seinem Piano in ihren Soloparts. Auch die Sangesleistungen der Herren Jeff Scott Soto, Nathan James und Rob Evan in ihren jeweiligen Rollen sind größtenteils tadellos, gleiches gilt für den Chor.

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Was der gesamten Show des TRANS-SIBERIAN ORCHESTRA fehlt, ist finale Überzeugungskraft: So fällt es schwer, nach dem Konzert die einzelnen Lieder zu rekapitulieren. Dafür geraten die Kompositionen zu schematisch, vorhersehbar und wenig einprägsam, so man dem klassischen Rock nicht von Geburt an oder anderweitig besonders verbunden ist. Die einzigen Ausnahmen bilden das bekannteste TSO-Stück „Wizards In Winter“ sowie die Instrumentalsongs, welche sehr an Filmscores erinnern. Für ein denkwürdiges Showereignis reicht es dennoch nicht, gute Rocksongs mit Beethoven, Mozart und Co. zu garnieren oder mit der „Carmina Burana“ anzureichern, wenn der Aufbau stets nach Schema F funktioniert oder beispielsweise im Mittelteil mehrere, viel zu ähnliche Balladen aneinander gereiht werden. Der gesamte Ablauf ist tadellos durchgeplant, wirkt aber dafür wie am Reißbrett entworfen und lässt eben jenen Gänsehautfaktor vermissen, den er gerne einstellen würde.

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Dies zu erklären fällt schwer, sind unbestritten ausnahmslos talentierte Musiker am Werk. Aber manchmal ist es eben nicht genug, die vermeintlich Besten der Besten zusammen zu suchen. Oder um es mit Oasis zu sagen: True perfection has to be imperfect. Vielleicht sollte sich das TRANS-SIBERIAN ORCHESTRA etwas weg vom perfekten Scheinwerferlicht bewegen und die fehlenden 20 bis 30 Prozent aus seinen Arrangements herauskitzeln – mit mehr Seele und Tiefgang. Dann unterhält dieses Konzert sicherlich auch, wenn man den Blick für ein paar Sekunden von der Bühne wendet und nicht gespannt darauf achtet, welche Effekte als nächstes folgen. Leider hat man sich daran auch irgendwann satt gesehen und sucht die Substanz hinter dem optischen Bombast. Und diese fehlt im Verlauf der Darbietung immer mehr. So gelingt es dem TSO zwar, sein Ziel zu erreichen und musikalische Grenzen aufzubrechen, aber die Art und Weise erklärt auch die (zumindest in Nürnberg) spärlichen Besucherzahlen. Das Ergebnis kratzt insgesamt – trotz hervorragendster Voraussetzungen – zu sehr an der Oberfläche und hat gleichzeitig mit auf Hochglanz polierter Oberflächlichkeit zu kämpfen. 

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Setlist TRAN-SIBERIAN ORCHESTRA:
01. Time And Distance
02. Winter Palace
03. This Is the Time (1990) (Savatage Cover)
04. Christmas Jam
05. Handful of Rain (Savatage Cover)
06. A Last Illusion
07. Gutter Ballet (Savatage Cover)
08. Misery
09. Mephistopheles‘ Return
10. Mozart/Figaro
11. Sparks
12. The Hourglass (Savatage Cover)
13. Someday
14. Child Unseen
15. Believe (Savatage Cover)
16. Wish Liszt (Toy Shop Madness)
17. After The Fall
18. Wizards In Winter
19. All That I Bleed (Savatage Cover)
20. Dreams Of Fireflies (On A Christmas Night)
21. Carmina Burana
22. Epiphany
23. The Mountain
24. Piano Solo
25. Beethoven
26. Requiem (The Fifth)
27. Christmas Eve (Sarajevo 12/24)

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