
Wenn Bands viel auf Tour sind, kommen sie auch regelmäßig in den gleichen Locations vorbei. Insofern ist es nichts Besonderes, dass URIAH HEEP mit ihrer “The Magician’s Farewell”-Tour einmal mehr im Münchner Circus Krone Halt machen. Zu etwas Besonderem macht es erst die zeitliche Einordnung: Über 50 Jahre ist es her, dass die heutige Rocklegende dem Publikum erstmalig unter dem hölzernen „Zeltdach“ einheizte, was die Frage aufwirft, was daran mehr beeindruckt: Dass die Briten bereits damals im Circus Krone spielen konnten, oder dass sie es heute noch können.
Zumindest was das Alter angeht, kommen aber auch HEAVY PETTIN‘ in die Reichweite einer solchen „Goldenen Hochzeit“: 1981 in Glasgow, gegründet, liegen die Hochzeiten der Schotten allerdings weit in der Vergangenheit: 1988 aufgelöst, folgten mehrere wenig erfolgreiche Wiederbelebungsversuche. Ob es HEAVY PETTIN‘ mit dem soeben erschienenen Album „Rock Generation“ – dem ersten Album seit dem 1989 „posthum“ veröffentlichten „Big Bang“ und damit im wohl letzten Anlauf – wirklich gelingt, ihren „rechtmäßigen Platz im Rock’n’Roll-Revier zurückzuerobern“, wie die Band auf ihrer Website optimistisch als Ziel ausgibt, darf zumindest angezweifelt werden. Zumindest heute bringt der größtenteils durchschnittliche Classic-Rock keinen Herzschrittmacher in Bedrängnis: Objektiv schlecht ist zwar nichts, aber für eine Band dieses Namens ist diese 30-Minuten-Nummer ziemlich höhepunktslos.
- Rock Generation
- In And Out Of Love
- Rock Ain’t Dead
- Sole Survivor
- Faith Healer
- Line In The Sand
Ein anderes Kaliber haben da schon APRIL WINE – die wie der Headliner das Jahr 1969 als Gründungsjahr angeben dürfen. Etwas geschummelt ist das natürlich, denn selbst Gitarrist Brian Greenway ist als Band-Urgestein „erst“ seit 1977 an Bord, der Rest der Truppe kam erst in den letzten 15 Jahren hinzu. Das merkt man insbesondere bei Sänger Marc Parent, der seit 2022 den mittlerweile verstorbenen Bandleader Myles Goodwyn ersetzt: Zwar bringt Parent – im Jahr der Bandgründung sechs Jahre alt – auf der Bühne Schwung in die Partie. Stimmlich jedoch schiebt er APRIL WINE weit in die Ecke der belanglosen Rock-Musik. Das fällt besonders auf, wenn er nicht singt – sondern Brian Greenway, nämlich in „Before The Dawn“. Gegen das Charisma in dessen rauchiger Stimme klingt Parents Gesang nurmehr generisch. Die partiellen Standing Ovations für Greenway’s Performance sind darum völlig verdient, funktionieren aber auch als Eisbrecher: Wennschon dieses Highlight im restlichen Verlauf der Show unerreicht bleibt, ist die Stimmung im Circus Krone danach spürbar gelöster – und APRIL WINE erhalten nach 50 Minuten sogar noch einmal „richtige“ Standing Ovations vom gesamten Parkett.
- I Like To Rock
- Anything You Want, You Got It
- Say Hello
- Enough Is Enough
- All Over Town
- Big City Girls
- Hot On The Wheels Of Love
- Before The Dawn
- Just Between You And Me
- Sign Of The Gypsy Queen (LORENCE-HUD-Cover)
- Roller
Als Headliner dürfen URIAH HEEP natürlich damit rechnen, dass das Publikum ihnen gewogen ist – dass die Leute aber nach der Pause quasi gleich stehen bleiben, kommt trotzdem überraschend: Von den ersten Klängen des Openers „Grazed By Heaven“ an haben URIAH HEEP das Publikum voll im Griff. Zuzuschreiben ist das aber nicht nur der bei den meisten unverkennbar über viele Jahrzehnte gereiften Fantreue, sondern der beeindruckenden Arbeitsmoral der Band: Über 90 Minuten geben die Briten Vollgas – und das bei beachtlicher Lautstärke. Dazwischen nimmt Bernie Shaw das Publikum in seinen sympathischen, weil so nahbaren wie witzigen und mitunter sogar auf Deutsch gehaltenen Ansagen mit auf die Reise durch nunmehr 56 Jahre Bandgeschichte und die verschiedensten Stilrichtungen, die URIAH HEEP in all den Jahren (vermeintlich) gespielt haben: Classic Rock („Easy Livin’“), Progressive Rock („The Magician’s Birthday“) bis hin zu Folk Rock, wie er schmunzelnd bemerkt. Gemeint ist damit – natürlich – der Über-Hit der Band, dessen zwei Akkorde Gründungsmitglied Mick Box nicht nur spielen kann, wie Shaw lobend hervorhebt, sondern sogar in der richtigen Reihenfolge, wie Box stolz ergänzt. Die Rede ist natürlich von „Lady In Black“, mit dem URIAH HEEP auch heute – nach zahllosen Hits wie „Gypsy“, „July Morning“ oder „Stealin’“ – vom Publikum im Chor begleitet ihren Auftritt beenden.
- Grazed By Heaven
- Save Me Tonight
- Shadows Of Grief
- Stealin‘
- Hurricane
- The Wizard
- Sweet Lorraine
- The Magician’s Birthday
- Gypsy
- July Morning
- Easy Livin‘
— - Sunrise
- Lady In Black
So endet ein emotionales Wiedersehen – mit dem Circus Krone, vor allem aber mit den deutschen Fans bei dieser ersten von neuen Shows in dem Land, dem URIAH HEEP so viel zu verdanken haben: Sagenhafte 900 Konzerte haben die Briten hierzulande gespielt – so viele wie in keinem anderen Land der Welt, inklusive der USA (gesamt) und ihrer Heimat Großbritannien. Wie viele noch hinzukommen, ist ungewiss: Denn auch, wenn sich URIAH HEEP mit der „Magigians Farewell Tour“ noch nicht endgültig von der Bühne verabschieden wollen, wollen sie die Konzertreise doch zumindest als ausgedehntes Abschiednehmen vom Touren verstanden wissen – und damit wahrscheinlich auch vom Circus Krone.
