Sechs Alben in elf Jahren – ein stattlicher Output, den BEYOND THE BLACK vorlegen. Neben dem fleißigen Nachschieben neuer Platten trägt auch die konstante musikalische Ausrichtung zum anhaltenden und eher steigenden kommerziellen Erfolg bei: Heavy Metal und Hard Rock, poppige Elemente sowie ein Hauch Symphonic Metal bilden seit Jahren das Grundgerüst des BTB-Sounds. Während die Fanschar immer weiter wächst, bleibt die Kritik aus dem traditionellen Metal aber laut – der Symphonic-Metal-Anteil ging spätestens mit dem selbstbetitelten Vorgänger von 2023 enorm zurück, BEYOND THE BLACK festigen immer mehr ihren Status zwischen den Genres und noch mehr außerhalb des Metal. Sie präsentieren sich bewusst als aufgeschlossene Rockband, um von genrefremden Medien verstärkt aufgenommen zu werden – ganz gezielt und durchkonzeptioniert.
Gemäß diesem Credo ist auch „Break The Silence“ wieder sehr leicht bekömmlich, bietet aber auch so gut wie keine Überraschungen. Die anspruchslosen Melodien sind durchgehend eingängig, dabei ist der Großteil der Riffs ärgerlich banal. Die Refrains gehen schnell ins Ohr, sind aber alle relativ egal und nerven teilweise schnell, wenn sie unzählige Male wiederholt werden, wie etwa beim Titeltrack. Sängerin Jennifer Haben ist wie gewohnt in Topform und auch die Produktion ist top – wenn man auf druckvollen, aber glattgebügelten, kantenlosen, bis aufs Äußerste geschliffenen Sound steht. Auch wer nicht mehr als die klassischen Strophe-Refrain-Strophe-Refrain-Strukturen hören möchte und gerne drei- bis vierminütige Lieder genießt, die um die 30 Sekunden songschreiberische Substanz haben, dürfte hier glücklich werden. Alles beim Alten also bei BEYOND THE BLACK.
Der spannendste Aspekt an „Break The Silence“ dürfte das Albumkonzept sein: Es geht um innere Stärke, die Wichtigkeit von Kommunikation in einer sich immer weiter aufspaltenden Welt und das Wiederzueinanderfinden. Hui, ganz schön deep. Chris Harms von LORD OF THE LOST ist als Gastsänger bei „The Art Of Being Alone“ durchaus eine Bereicherung und drückt dem Song seinen typischen, melancholischen Stempel auf. Der Gastbeitrag von Asami – Sängerin der japanischen Heavy-Metal-Band LOVEBITES – verpufft dagegen leider im Nichts, ihre Stimme ist aus dem Mix kaum raushörbar und so kann sie leider nichts Besonderes beitragen. Schade, gerade das wäre ein interessantes Duett gewesen. Der Beitrag des bulgarischen Frauenchors THE MYSTERY OF THE BULGARIAN VOICES ist konzeptuell eine weitere nette Idee, geht aber in dem komplett ziellosen Song „Let There Be Rain“ baden.
Mit „Break The Silence“ werden BEYOND THE BLACK die meisten ihrer alten und ganz sicher alle neueren Fans abholen. Die Band geht keinerlei Risiko ein und macht auf Album Nummer sechs genau das, was sie immer macht und das weder besser noch schlechter als zuvor. Halt einfach genau so wie immer. Jeder Song, ohne echte Highlights. Die oft gelesenen Vergleiche zu Symphonic-Metal-Größen wie EPICA, WITHIN TEMPTATION oder NIGHTWISH kann man getrost in die Tonne kloppen, damit haben die allzu zahmen und zahnlosen BEYOND THE BLACK nur in wenigen Momenten zu tun. „Break The Silence“ taugt gerade so zum unfokussierten Nebenbeihören als Radio-Ersatz, aber selbst da gibt es wesentlich spannendere Alternativen als dieses immergleiche Genudel. Am Ende schmeckt’s leider auch nicht besser als kalte Nudeln vom Vortag, ohne Salz gekocht, ohne Pesto oder Soße. Macht einfach keinen Spaß.
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Wertung: 3 / 10



Hallo Stefan,
hallo Metal1-Team,
ich habe euer Review zu Break The Silence gelesen und möchte dazu ein paar Punkte loswerden, weil es für mich weniger wie eine ernsthafte Rezension als wie ein persönlicher Rant wirkt:
1. Ihr behauptet, Beyond The Black würden keinerlei Risiko eingehen und nur belanglose Radio-Kost schreiben, die „gerade so zum unfokussierten Nebenbeihören als Radio-Ersatz“ taugt. Gleichzeitig kommen viele relevante Magazine u. a. Metal Hammer, metal.de, Kerrang! und internationale Blogs zu einem völlig anderen Fazit und bescheinigen dem Album gewachsene Reife, gutes Songwriting und starke Momente.
Wenn praktisch alle anderen das Album im soliden bis sehr guten Bereich sehen und nur ihr es mit 3/10 und Küchenmetaphern abwatscht, wirkt euer Text eher profilneurotisch als unabhängig.
2. Eure Formulierungen schießen deutlich über eine harte, aber faire Kritik hinaus. Ihr greift damit nicht nur konkrete Songs an, sondern stellt implizit auch Fans als Leute dar, die mit radiofreundlichem Genudel zufrieden sind. Eine Rezension sollte das Werk einordnen und nicht pauschal Band und Hörerschaft abwerten.
3. Inhaltlich bleibt ihr erstaunlich vage. Wo genau sind für euch die kompositorischen Schwachstellen? Welche Songs funktionieren warum nicht? Andere Metal und Rock Medien schaffen es, konkrete Stärken und Schwächen einzelner Tracks und Arrangements zu benennen, ohne in Spott und Polemik zu kippen.
Bei euch bleibt nach all den Spitzen erstaunlich wenig greifbare Analyse übrig.
4. Dass Beyond The Black heute bewusster zwischen Metal, Rock und Pop unterwegs sind, ist kein Geheimnis, aber euer Text liest sich mehr wie eine Abrechnung mit der Bandstrategie als wie eine Bewertung dieses Albums. Genau an dieser Stelle wäre etwas Reflexion angebracht, ob ihr die Platte nicht vor allem dafür bestraft, dass sie nicht mehr euer enges Metal-Ideal trifft.
5. Metalbands müssen experimentieren, um das Genre relevant und lebendig zu halten auch wenn das bedeutet, dass nicht jedes Lied jeden Hardcore-Metal-Fan zu 100% begeistert. Beyond The Black tun genau das, indem sie Elemente aus Rock und Pop einfließen lassen, ohne ihre Wurzeln zu verraten. Eure Kritik klingt, als wolltet ihr eine ewige gleiche Formel-Metal, statt Evolution. Dabei hat gerade der Metal durch Pioniere wie bereichernd es sein kann mal ins Risiko zu gehen.
Kurz: Ihr dürft das Album natürlich schlecht finden. Aber wer sich „aus Überzeugung unabhängig“ auf die Fahne schreibt, sollte gerade dann zeigen, dass er trotz harter Wertung sauber argumentieren kann, statt auf zynische Bilder und abfällige Spitzen zurückzugreifen.
Aktuell wirkt das Review mehr wie Clickbait und Profilierung als wie ernstzunehmende Musikkritik.
Viele Grüße
Cy
Moin Cy!
1. „Aus Überzeugung unabhängig“ sagt ja genau das aus, was du einerseits von uns erwartest, im ersten Punkt aber aushebeln möchtest. Dass die von dir als relevant bezeichneten Magazine und Blogs das Album abfeiern und gut finden mag sein – wenn ich jetzt aber einfach in diesen Tenor eingestiegen wäre, wäre es nicht weit her mit der Unabhängigkeit. Ich stehe unabhängig von den vielen positiven Reviews – die ich selbst mit viel Wohlwollen nicht nachvollziehen kann – zu meiner Meinung. Genau das ist es, was wir hier machen und uns auf die Fahne geschrieben haben, nämlich stark unsere Meinung vertreten, egal wie andere Magazine urteilen. Ich möchte die Band als Fan des Genres ja wirklich mögen. Aber ich kann leider nicht.
2. Was eine Rezension „sollte“, ist ein Werk zu besprechen und eine subjektive Meinung abzugeben. Genau das ist hier der Fall. Abwertungen jeglicher Art (abgesehen von denen gegen die Songschreiber des Albums) sind weder beabsichtigt noch schriftlich festgehalten. Wenn du Freude an dem Album und der Band hast, bin ich der letzte, der dir das nehmen will!
3. Was soll man groß schreiben, wenn jeder Song auf die gleiche Weise langweilig ist? :D Wenn das Thema was was zum Analysieren gibt, analysiere ich auch sehr gerne.
4./5. Du kannst dir ja gerne mal anschauen, zu welchen Bands und Alben ich Reviews schreibe und wie ich was bewerte. Dann wirst du sehen, dass ich weit weg von jeglichem „Metal-Ideal“ oder „Formel-Metal“ bin. Und Beyond The Black in irgendeiner Form in Verbindung mit dem Wort „Pioniere“ zu bringen, das ist halt schon anders wild :D
Viel Freude dir mit „Break The Silence“ und danke für deinen ausführlichen Kommentar! Bleib uns gerne treu und lies bei Interesse auch mal in andere Artikel rein.
Wenn ich ein Album mag, ist es mir ziemlich egal wenn ein Rezensent anderer Meinung ist. Warum brauche ich Bestätigung dafür? Und wenn ich der einzige Mensch auf der Welt wäre… ich habe nach 20 Jahren Abo gewisse Magazine gekündigt, weil ich mittlerweile eine gewisse Nähe zu Plattenfirmen unterstelle. Die Rezensionen hier empfinde ich als absolut ehrlich mit entsprechendem fachlichen Hintergrund! Habe zahlreiche neue Bands hierdurch für mich entdeckt, also an dieser Stelle mal Danke!
Danke, das liest man natürlich immer gerne! :)
Danke für deinen Kommentar und die netten Worte! Die absolute Ehrlichkeit unabhängig von jeglichen Plattenfirmen werden wir natürlich beibehalten :)
Gruselig dass die jetzt sogar mit einem deutschsprachigen Song wie „Weltschmerz“ daher kommen, schlimmer geht es wirklich nicht mehr….