CD-Review: Converge - No Heroes

Besetzung

Jacob Bannon - Gesang
Kurt Ballou - Gitarre
Nate Newton - Bass
Ben Koller – Schlagzeug

Tracklist

01. Heartache
02. Hellbound
03. Sacrifice
04. Vengeance
05. Weight of the world
06. No heroes
07. Plagues
08. Grim Heart/ Blacke Rose
09. Orphaned
10. Lonewolves
11. Versus
12.Trophy scars
13. Bare my teeth
14. To the lions


Dieses Stück Brachialkunst der Band CONVERGE trägt also den Titel „No heroes“. Das mutet fast schon ironisch an, denn zwar sind die vier Haudegen aus Massachusettes in Deutschland Wenigen bekannt, aber in Amerika sind Converge ohne Zweifel Kult. Und eben für einige auch Helden. Als die Hardcore-Welle Anfang der Neunziger in unzählige Unterkategorien abflaute, sorgten Converge für viel Aufsehen in dem sie mit einem abgefahrenen, brutalen Sound daher kamen, und einen starken Kontrast zum sonst manchmal eher melancholischen New School Hardcore, beispielsweise der Marke Boysetsfire, herstellten, den Einige gern auch in jazzigeren Abarten als „Mathcore“ bezeichnen. Den Kult untermauern diverse Gerüchte, beispielsweise soll Sänger Jacob Bannon schon vom vielen Schreien auf der Bühne hyperventiliert sein oder Gitarrist Kurt Ballou soll an einer chronischen Muskelentzündung leiden, die ein Spielen nur noch unter starken Schmerzen möglich machen.

Aber lassen wir die Musik mal nicht aus dem Auge. Eine Genre-Zuordnung ist für Converge allgemein, genau wie dieses Album „No heroes“ im speziellen, sehr schwer. Ich finde Hardcore trifft es am besten. Aber wer nun von schnellem Punk der Frühachtziger ausgeht oder von Break-Down-Orgien von Bands wie Terror, den dürfte der Sound glatt wegblasen. Denn in „No Heroes“ steckt verdammt viel Metal. Ein technisch anspruchsvolles Hardcore-Grundgerüst wird durch Elemente aus Sludge und Grindcore erweitert, und so entsteht ein Sound, der kaum von dieser Welt zu sein scheint. Dazu kommt dieser intensive Schreigesang von Jacob Bannon, der einfach nur als krank beschrieben werden kann. Die Texte sind durchweg existenzialistisch, und zu tiefst pessimistisch. Ob Converge nun die Härteste Band der Welt sind oder nicht, sollte jeder für sich selbst entscheiden, aber objektiv betrachtet sind sie verdammt nahe dran. Denn die komplette Musik eines Albums wie „No heroes“ scheint nur auf das Beklagen der Welt ausgerichtet zu sein. Und deshalb steckt in dieser Musik so verdammt viel Emotion. Im Gegensatz zu anderen Mathcore-Helden, wie beispielsweise The dillinger escape plan, scheuen sich Converge nie davor ihren Sound zu brechen um so in fast schon spiritueller Weise Wut und Trauer zu praktizieren.

Dabei zeigt sich die Band selbst in diesem Album zwar rabiat, aber dennoch vielschichtig. Schon der Opener „Heartache“, bei dem „Nomen est Omen“ gilt, spaltet einem durch den Wechsel von zermürbender Schwere und wahnsinnigem, rasantem Ausrasten regelrecht den Schädel. Generell dürften die ersten vier Lieder in Puncto Härte jeden eines Besseren belehren, der im Vorgänger-Album „You fail me“ eine Verweichlichung des Sounds sah. „Plagues“ hingegen räumt hingegen als sägendes Sludge-Intermezzo die Gehörgänge für den Neunminüter „Grim heart/ black rose“ frei. Hierbei handelt es sich um eine gefühlvolle Nummer, die in Sachen Intensität sehr viel zu bieten hat. Leuten, die „No heroes“ als Einstiegsdroge nehmen, dürfte an dieser Stelle die Kinnlade herunter klappen. Unterstützt wurden die Burschen Unterstützt wurden sie bei dieser Nummer von Jonah Jenkins. Doch auch im weiteren Verlauf geht es gut rund: Die herzzereißende Speedgranate „Orphaned“ sticht eben so heraus wie bei dem von Emo-ähnlichen Vocals geprägten Song „Trophy scars“. Ganz am Ende der Platte trumpfen Converge auch noch mit einem Slayeresken Riff in „To the lions“ auf.

Insgesamt eine übergeniale Platte einer wahren Institution an innovativem Hardcore aus den Vereinigten Staaten. Dennoch bleibt die Band eben eine Angelegenheit für Freunde sehr extremer Musik. Das fällt aber nicht weiter ins Gewicht, denn „No heroes“ ist wie „Halo in a haystack“ oder „Petitionig the empty skye“ ein furchtbar authentisches Album, an dem Jünger der Band und sonstige Sickos ihren Spaß haben werden. Für mich ist dieses Album nicht ganz auf der Augehöhe ihres Meilensteins „Jane Doe“. Denn während man häufig genug auf dem Qualitätslevel Parallelen ziehen kann, ist das Energieniveau und die Variabilität eben kaum zu schlagen. Eine klare Verbesserung zum Vorgänger und Erstling auf dem Label „Epitaph Records“ namentlich „You fail me“ ist aber eindeutig. Auch das tolle Cover, das eine Taube zeigt, mal wieder aus der Feder Bannons selbst, zeigt, hat Potenzial zu einem Markenzeichen zu werden, wie seiner Zeit das Konterfei Janes. Die in der Tat sehr spezielle Zielgruppe darf applaudieren.

Redakteur: Lukas Schildknecht

Bewertung: 9 / 10

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