Einherjer - Lifeblood
Juni 2026

Review Einherjer – Lifeblood

EINHERJER stechen seit jeher aus dem Viking Metal heraus. Immerhin beißen sich die Norweger nicht immerzu an den gleichen Themen rund um Götter, Schlachtenruhm und Brüderlichkeit fest, sondern verfügen über ein breites musikalisches und thematisches Repertoire in Sachen Mythologie und Historie. Nun war es in den letzten Jahren albumtechnisch etwas ruhiger um die EINHERJER. Zuletzt lieferten sie 2021 in Form ihres Studioalbums „North Star“ neues Songmaterial. Fans mussten sich also nun einige Zeit gedulden, bis frische Musik aus dem norwegischen Haugesund herangeweht kam. Man kann jedoch guten Gewissens sagen: Das Warten auf „Lifeblood“ hat sich definitiv gelohnt! Die Viking-Metal-Veteranen sind sich nämlich treu geblieben und liefern mit ihrer neuen Platte ein weiteres Referenzwerk für das gesamte Genre.

EINHERJER reflektieren auf „Lifeblood“ die generationenübergreifenden Verflechtungen von Erbe, Herkunft und Erinnerung. Alles natürlich in dem rauen und ehrlichen Sound, den die Band wohl aus den Fluten der norwegischen Westküste genommen und in die Platte gegossen hat. Unter diesen Motiven startet mit epischem Chorgesang der erste Titel „Bloodborn“. Gewohnt treibend und druckvoll gelingt ihnen damit der perfekte Einstieg, denn „Bloodborn“ setzt durch interessante Taktwechsel, ein präzises Gitarrensolo und Frode Glesnens Reibeisenstimme eine hohe Messlatte.

Diese Erwartungen dürften angesichts der schiebenden Groovenummer „At Threshold’s End“ und dem vielseitigen Track „Gone“ erfüllt werden. Gerade mit „Gone“ überzeugen EINHERJER durch Kontrast: Aus Ruhe erwächst ein epischer und schwerer Sound, den man bei den ersten zärtlich gesungenen Silben nicht erwartet hätte. Das melodische Hauptthema der ersten Takte kehrt immer wieder im Refrain zurück. Dabei kommen die Norweger ohne Kitsch aus und beenden „Gone“ mit schweren Gitarrenriffs.

Wo wir gerade schon bei Kontrasten waren: Zur Mitte des Albums platzieren EINHERJER den gefühlvollen Song „Dei Så Ser“ und knüpfen thematisch das Band zwischen Gegenwart und Vergangenheit. Die Instrumentenwahl unterstreicht dies: So ertönen Akustikgitarre und Tagelharpa zusammen mit den Stimmen der Band, bis E-Gitarre und E-Bass wieder zum Höhepunkt des Songs erklingen dürfen. Dabei wird in fast schon andächtiger Intonation auf Norwegisch gesungen. „Dei Så Ser“ ist durch die Kombination aller Elemente eine wirklich schöne Nummer, die Ruhe in das bisher so kraftvolle Album hineinbringt.

Andacht und Ruhe währen aber nicht lang. Mit „Arr For Arr“ und „Saltworn Runes“ wendet die Combo aus Haugesund wieder das Blatt und zeigt, wie schwarzmetallischer Viking Metal zu klingen hat. Schwer, ungeschliffen und dadurch bitterböse, episch und tragend – als stehe man bei Regen und rauem Wellengang auf dem Deck eines Drekar (Drachenschiff der Wikinger). Das macht einfach Laune!

Insgesamt spürt man auf „Lifeblood“, dass EINHERJER während der Produktion eine Menge Spaß gehabt haben müssen. Jeder Song klingt rau und ehrlich – die Platte hat einfach Charakter. Man kann nur hoffen, dass die Band bald nochmal auf deutschen Bühnen zu Gast sein wird, um ihr neues Meisterwerk vor großem Publikum zu spielen. Anhand der mitreißenden Rhythmen auf so manchem Track wird niemand stillstehen können. Apropos Rhythmus: „Lifeblood“ dürfte sich perfekt für lange Roadtrips im kommenden Festivalsommer eignen. Dank des treibenden Sounds schrubben sich die Kilometer sicherlich von alleine!

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Wertung: 9 / 10

Janine Kasper

Publiziert am von

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