Review Flesia – Achterbahnekstase

FLESIA sind anders. Diese Grundprämisse zieht sich durch die Bandbesetzung und Veröffentlichungen der Leipziger. Beispielsweise bleiben sie auch auf ihrem zweiten Album „Achterbahnekstase“ ihrer radikalen Vision treu und präsentieren Black Metal ohne Gitarren, dafür mit einem massiven, verzerrten Bass, präzisem Schlagzeug und eindringlichem Gesang.

Schon der Opener „Druck“ zeigt, wohin die Reise geht: Langsam, fast meditativ beginnt der Song, baut dann, wie eben in einer Achterbahn, unaufhaltsam Spannung auf, bis er letztendlich in der klanglichen Entladung mündet. Thematisch wird hier das Gefühl behandelt, unter Wasser zu geraten und kein Entkommen zu haben. FLESIA schaffen es, diese Beklemmung nicht nur zu beschreiben, sondern auch musikalisch umzusetzen. Der Bass donnert, das Schlagzeug hämmert, der Gesang ist rau.

Was mit „Druck“ noch in einem geordneten Wechselbad der Gefühle aufgebaut wurde, wird mit „Raserei“ passend zum Titel in eruptiver Intensität auf die Spitze getrieben. Der Song bietet wesentlich chaotischere Passagen und schwankt zwischen manischer Geschwindigkeit und abrupten Ruhepunkten, zwischen Raserei und Erschöpfung. Das Trio spielt auch hier seine größte Stärke aus und verbindet rohen und eigenwilligen Black Metal mit erstickendem Sludge und drückenden Doom-Sequenzen.

„Im Kreis nach unten“ ist dann abschließend so etwas wie die Katharsis – oder die Erkenntnis, dass es diese nicht geben wird. Es geht weiterhin auf und ab und am Ende ist man doch wieder am Anfang und findet sich in einer endlosen Spirale wieder. Kein triumphaler Abschluss, kein Licht am Ende des Tunnels, sondern ein Kreisen um sich selbst. Es ist ein passender Schlusspunkt für ein Werk, das weniger auf Lösung als auf einen andauernden Prozess setzt.

Der Sound ist erdig und roh, ohne übermäßige Studio-Glättung. Der Bass übernimmt die Rolle der Gitarre und bildet das Fundament, das alles zusammenhält. Produzent Tim De Gieter (Much Luv Studio) ist hier die perfekte Wahl gewesen, da er ja selbst bei DOODSESKADER auf Gitarren verzichtet und weiß, wie man den Bass umso mehr in Szene setzen kann. Ihm gelingt es, diese ungewöhnliche Instrumentierung so zu mischen, dass nichts fehlt.

„Achterbahnekstase“ trägt seinen Titel zu Recht: Es ist ein Wechselbad aus Euphorie und Beklemmung, Kontrolle und dem Verlust dieser. Doch anders als eine echte Achterbahn, die man nach wenigen Minuten wieder verlässt, bleibt dieses Album im Kopf. Alle drei Songs sprengen jeweils die Marke von zehn Minuten und schaffen es nahezu durchgehend, die Spannung aufrecht zu halten. Das Album ist alles andere als leichte Kost, fordert Aufmerksamkeit, Ausdauer und vielleicht auch eine gewisse Bereitschaft, sich damit auseinanderzusetzen. Doch wer sich darauf einlässt, wird mit einem außergewöhnlichen Stück Kunst belohnt.

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Wertung: 9 / 10

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