Albumcover Greyhaven "This Bright And Beautiful World"

Review Greyhaven – This Bright And Beautiful World

“This Bright And Beautiful World” heißt die dritte Platte der Amerikaner GREYHAVEN. Ein Titel, der in Anbetracht der Situation, in der sich unsere Welt befindet, fast schon zynisch klingt. Doch ruft man sich den herausragenden Vorgänger mit dem deutlich pessimistischeren Namen „Empty Black“ in Erinnerung, so gelang es dem Quartett mit Bravour, Fans von Prog, Math- und Hardcore ein breites Lächeln ins Gesicht zu zaubern. Ja, die Welt war beim Hören des Albums ein kleines bisschen heller und schöner.

Nun stehen GREYHAVEN vor der schweren Aufgabe, auf eine unfassbar starke Platte ein ebenbürtiges (oder vielleicht sogar besseres) Werk folgen zu lassen. Einerseits, um die hohen Erwartungen der Fans zu erfüllen, andererseits um dem großen Durchbruch näher zu rücken, der ihnen mit „Empty Black“ leider noch verwehrt blieb.

Die interessante und stellenweise wahnwitzige Mischung aus Post-Hardcore, Progressive Metal und Southern Rock ruft selbstverständlich Erinnerungen an die vor kurzem aufgelösten Every Time I Die hervor. Auch Vergleiche mit The Dillinger Escape Plan müssen sich GREYHAVEN gefallen lassen. Doch sind wir ehrlich: Die Referenzen könnten weitaus schlechter sein und da beide Bands nicht mehr existieren, bietet sich da auch eine große Chance, dieses Loch zu füllen.

Und damit das gelingt, tischen GREYHAVEN mächtig auf: Ohne Einführung fallen sie mit der Tür ins Haus, knallen dem Hörer chaotische Riffs um die Ohren und entkräften umgehend den gewählten Albumtitel. Nicht nur ist der Einstieg musikalisch äußert rabiat, auch lyrisch beweisen sie, einen in die Irre geführt zu haben: „Tried to kill this bright and beautiful world. It looked so good in the way I set it on fire.” Denn “This Bright And Beautiful World” ist kein reines Wohlfühlalbum. Musikalisch wird in wilden und krachenden bis hin zu tief emotionalen Gefilden gegrast, textlich widmen sich GREYHAVEN den psychischen Abgründen des lyrischen Ichs.

Technisch hervorragend und raffiniert im Songwriting, lauern GREYHAVEN auf den 34 Minuten Spielzeit mit Überraschungen an allen Ecken und Enden: Das äußerst rockige „All Candy“ ist ein hervorragender Kontrast zum rasanten Opener „In A Room Where Everything Dies“. Mit „A Painful And Necessary Action“ wildern die Mannen aus Kentucky im Mathcore und verbinden diesen mit beeindruckender Eingängigkeit – inklusive unerwartetem Solo am Ende.

Eine weitere große Stärke der Band ist es, ohne jeglichen Kitsch oder auf Funktionalität getrimmt zu sein, herausragende Ohrwurmrefrains zu schreiben. Man höre sich nur die Single „Foreign Anchor“, „Of Snakes And Swans“ oder „And It’s Still Too Loud” an. Während in den Strophen dieser Songs meist Chaos und schiere Aggression herrscht, berühren die klargesungenen Passagen den Hörer zutiefst. Auf die Spitze treiben es GREYHAVEN mit dem abschließenden „Ornaments From The Well“: Eine wunderschön vorgetragene Ballade zwischen Verzweiflung und einem kleinen Schimmer Hoffnung, dass die Welt vielleicht doch über schöne Seiten verfügt.

War „Empty Black“ zu seiner Zeit ein riesiger Schritt in der Entwicklung der Band, so gelingt mit „This Bright And Beautiful World“ eine weitere Verfeinerung des eigenen Sounds. GREYHAVEN verbinden Chaos und Schönheit wie es ansonsten nur Rolo Tomassi schaffen. Sie kreieren mit ihren dezenten Einflüssen aus dem Südstaaten-Rock einen an ihre anfangs genannten Vorbilder angelehnten Sound, der aber stets als dankbare Hommage und nicht als Kopie hervorsticht. Und so sind GREYHAVEN nicht nur bereit, das entstandene Loch in der Szene zu füllen, sondern geradezu prädestiniert dazu. So mag die Popularität des Quartetts gerade noch langsam aufkeimen, doch kann hier etwas wirklich Großes entstehen – mit „This Bright And Beautiful World“ scheint zumindest alles möglich.

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Wertung: 9 / 10

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