Das Cover des selbst betitelten Megadeth-Albums

Review Megadeth – Megadeth

  • Label: BLKIIBLK
  • Veröffentlicht: 2026
  • Spielart: Thrash Metal

Es sei verziehen, wenn man die Ankündigung, dass dies nun das letzte Album aus dem Hause MEGADETH ist, mit etwas Skepsis aufnimmt. Die Truppe um Frontmann Dave Mustaine wäre nicht die erste, die nach so einer Aussage mehr oder weniger unauffällig wieder zurückrudert. Aus dem Live-Business wird sich die Band jedenfalls erstmal nicht zurückziehen, schließlich plant Mr. Mustaine, zu spielen, bis er tot umfällt – das dürfte mit 64 noch eine Weile hin sein. Stand jetzt ist die selbstbetitelte Platte jedoch das Album, mit dem sich MEGADETH zumindest in den Recording-Ruhestand verabschieden wollen – und da ist es durchaus spannend, wie das Abschlussstatement ausfällt.

Zugegeben, MEGADETH fangen ihren Schwanengesang ziemlich stark an: Mit „Tipping Point“ findet die Platte einen ziemlich bissigen Einstieg, der auf angenehmste Weise an die Zeiten von „Countdown To Extinction“ erinnert. „Bissig“ und damit alles andere als altersschwach präsentiert sich auch das folgende „I Don’t Care“, was vor allem an den großartigen Leadgitarren liegt. Das (zumindest musikalisch) durchweg gelungene „Let There Be Shred“ flirtet indes mit „Poison Was The Cure“ vom Über-Album „Rust In Peace“. Allerdings sinkt das Niveau der Songs etwa ab der Hälfte des Albums. „Hey, God?!“ und „Puppet Parade“ sind in ihrer Gefälligkeit eher an Platten wie „Cryptic Writings“ angelehnt und Nummern wie „Another Bad Day“ und der Abschluss „The Last Note“ plätschern mit der Durchschnittlichkeit eines „Super Collider“ dahin.

Dass MEGADETH auf ihrem neuesten Album teils an ihre größten Erfolge erinnern, liegt auch an Gitarrist Teemu Mäntysaari. Wie schon seinem Vorgänger Kiko Loureiro gelingt es auch dem Finnen, das Gefühl der Soli von Band-Ikone Marty Friedman zu emulieren und in seinen Leads technischen Anspruch und eindringliche Melodieführung zu kombinieren. In seiner technischen Umsetzung ist das Album also einwandfrei und auch der knochentrockene Sound von Mischer Matt Hyde (u. a. SLAYER) passt bestens zu den Songs. Die hohe Frequenz, mit der sich MEGADETH hier selbst zitieren, ist aber nicht nur von Vorteil. Natürlich ergibt es irgendwo Sinn, zum Ende seiner Karriere auf das Geleistete zurückzublicken und die meisten Fans dürften von diesen Songs abgeholt werden. Allerdings wagen Mustaine und Co. auf der finalen Platte aber auch kein einziges noch so kleines Experiment, sondern spielen ausgerechnet mit ihrem letzten Werk in jeder Hinsicht auf sicher – das ist schlicht schade.

So solide die Platte musikalisch auch sein mag, so platt fällt sie textlich aus. Die ersten beiden Songs sowie „I Am War“ sind lediglich pubertäres Rumgestänkere, die oberflächliche Selbstkritik von „Hey, God?!“ und „The Last Note“ ist eben genau das und „Let There Be Shred“ transportiert wahrscheinlich den einfältigsten Text, den MEGADETH je geschrieben haben. Sicher, das alles ist nicht stumpfer als bei den meisten anderen Metal-Bands – allerdings konnte man bei den lyrischen Ergüssen von Dave Mustaine stets mit messerscharfer Systemkritik und sozialem Kommentar rechnen. Das gibt es auf dem neuen Album in Nummern wie „Puppet Parade“ und „Made To Kill“ auch, jedoch lange nicht auf dem Niveau stilbildender MEGADETH-Alben oder auch „Endgame“ und „Dystopia“.

Das letzte Album von MEGADETH ist beileibe nicht schlecht. Der streitbare Bandkopf hat auch nach über 40 Jahren noch das Talent zu starkem, energetischem Songwriting und obendrein Musiker um sich versammelt, die diese Nummern auf höchstem Niveau repräsentieren. Als Schlusspunkt ist die Platte aber dennoch zu wenig – oder zumindest zu wenig besonders. Ohne nennenswerte Höhe- und Tiefpunkte kann man dem Album an keiner bestimmten Stelle einen Vorwurf machen und das unüberhörbare Kopfnicken in Richtung der karrieredefinierenden Werke dürfte bei vielen MEGADETH-Fans für zufriedenes Schmunzeln sorgen. Sieht man sich aber an, was die Truppe auch in den letzten 15 Jahren für großartige Alben zustande gebracht hat, kann ausgerechnet das selbst betitelte Abschlusswerk nicht an die Spitze dieser Werke gestellt werden.

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Wertung: 7 / 10

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Ein Kommentar zu “Megadeth – Megadeth

  1. Tja, wenn Megadeth weiterhin live spielen wollen, dann sehr wahrscheinlich ohne Dave, dessen Hände sind nämlich mit jedem Tag weniger brauchbar. Gebrechlichkeiten wie Arthritis und die Dupuytren-Kontraktur plus weitere Probleme mit der Wirbelsäule werden ihn daran hindern, über einen längeren Zeitraum zu spielen.

    Das Album selbst ist gar nicht so dolle. Kein Reinfall, das stimmt, aber wie schon richtig angeführt, allesamt Dinge, die man in der einen oder anderen Form schon vorher gehört hat. Als Abschiedsalbum hätte es nicht sein müssen, dann doch lieber mit The Sick, The Dying and the Dead aufhören.

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