Review Melechesh – Sentinels Of Shamash (EP)

  • Label: Reigning Phoenix
  • Veröffentlicht: 2026
  • Spielart: Extreme Metal

Elf Jahre ist es nun her, dass MELECHESH ihr letztes reguläres Studioalbum „Enki“ präsentierten. Da wäre es nur recht und billig, von einem Comeback zu sprechen, jetzt, wo die Truppe nach langer Abwesenheit erstmals wieder neue Songs vorstellt. Die Gerüchte, dass Mainman Ashmedi an neuer Musik arbeite, sowie die Präsenz auf dem einen oder anderen Festival schlossen eine Trennung zumindest aus.

Es stellt sich die Frage: War die „Sentinels Of Shamash“-EP das Warten wert? Die Antwort lautet: „Ja, aber …“. Einerseits stellen MELECHESH fraglos klar, dass sie nichts von ihrem speziellen Temperament verloren haben. So groovt sich der Opener „The Seventh Verdict“ mit einer Vielzahl an Riff-Arrangements über einen vorwiegend tighten Drumbeat, und auch Ashmedis Gesang hat nichts an seiner Garstigkeit eingebüßt. Diesen Weg setzt das folgende „In Shadows, In Light“ nicht nur fort, sondern zieht auch die Geschwindigkeit spürbar an – Tribal-Rhythmen und beschwörende Chöre inklusive. Das passt alles genau ins Bild, und auch diesem Song fehlt es weder an Abwechslung noch an dem, was MELECHESH seit jeher auszeichnet.

Auch das abschließende „Raptors Of Anzu“ lässt sich mit seinen fiesen, vorwärtsdrängenden Gitarren, viel Melodie und technisch einwandfreiem Drumming keine Sekunde lumpen. Noch einmal wird das Gaspedal bis nahe ans Maximum durchgetreten, und MELECHESH walzen sich ebenso erbarmungslos wie kompositorisch wendig durch diesen Schlusspunkt. Im Grunde ist das alles nahezu perfekt: keine spürbaren Längen, eine saubere und druckvolle Produktion sowie vielseitige Stücke, die genau das liefern, was man von MELECHESH nach solch langer Abstinenz erwartet.

Aber andererseits bekommt man auch keinen Akzent, keine Neuerung oder unkonventionelle Ideen darüber hinaus. Ashmedi und seine Mitstreiter bewegen sich dort, von wo aus sie vor elf Jahren zuletzt die Geister der Wüste beschworen haben. Ob ein wenig Entwicklung nach so langer Zeit zu viel verlangt ist, muss letztlich dem Publikum überlassen bleiben. Fest steht jedoch:

MELECHESH sind auch über ein Jahrzehnt nach ihrem letzten Studio-Output unverkennbar sie selbst. Die Mischung diverser Extreme-Metal-Stile mit den orientalischen Rhythmen und Harmonien ihrer Ursprünge versteht die Band um Frontmann Ashmedi nach wie vor exzellent zu kombinieren. Positiv fällt zudem auf, dass die drei neuen Songs wieder etwas direkter geraten sind als noch auf „Enki“. Dennoch wirkt die neue EP insgesamt so sehr „nach Maß“, dass drei Titel bei einer Laufzeit von gerade einmal 21 Minuten vollkommen ausreichen, um einen gewissen Sättigungseffekt im Gehörgang zu erzeugen.

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Philipp Sorger

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