Manche Split-Veröffentlichungen gleichen einer musikalischen Visitenkartensammlung, andere führen zwei Bands zusammen, deren gemeinsames Verständnis von Abgründigkeit weit über die bloße Vorliebe für tiefer gestimmte Gitarren und gutturales Gebrüll hinausgeht. „Funerary Rites Of Ancient Doom“ gehört eindeutig zur zweiten Kategorie. Mit NEKUS und BLOODSOAKED NECROVOID treffen zwei Vertreter eines besonders finsteren Death Metal aufeinander, der sich weniger für technische Höchstleistungen als für die Zersetzung sämtlicher Hoffnung interessiert. Statt auf Hochglanzproduktion und kalkulierte Brutalität setzt dieses Split auf modrige Atmosphäre, klaustrophobische Klangwelten und eine beinahe körperlich spürbare Schwere.
Den Anfang machen NEKUS mit „Dakhma“, einem einzigen, knapp 19-minütigen Koloss, der bereits durch seine schiere Länge deutlich macht, dass hier niemand an einer schnellen Abfertigung interessiert ist. Die Formation aus Marburg verbindet bestialische Ausbrüche mit schleppenden Passagen und schlägt dabei eine Brücke zwischen archaischer Gewalt und verstörendem Groove. Das Resultat ist Death Metal, der sich nicht mit der üblichen Abfolge aus Riff, Blastbeat und nächstem Riff zufriedengibt, sondern seine Wirkung gerade aus den Brüchen und Verschiebungen bezieht.
NEKUS besitzen dabei ein Gespür für das Unberechenbare. Wo andere Bands ihre Kompositionen durch klare Spannungsbögen zugänglich machen, scheint „Dakhma“ lieber den Boden unter den Füßen wegzuziehen. Die Musik wirkt roh, ohne sich vollständig in stumpfer Monotonie zu verlieren. Immer wieder steht die brachiale Aggression einer schleppenden, beinahe rituellen Schwere gegenüber. Gerade dieser Wechsel macht den Reiz des Stücks aus. Die langsamen Passagen wirken nicht wie bloße Verschnaufpausen, sondern wie der Moment, in dem sich die zuvor entfesselte Gewalt erst richtig im Gemüt festsetzt.
Dass NEKUS dafür nahezu eine komplette Plattenseite beanspruchen, ist konsequent. „Dakhma“ versteht sich nicht als gewöhnlicher Song, sondern als ausgedehnter Abstieg in eine musikalische Unterwelt.
Auf der zweiten Hälfte übernehmen BLOODSOAKED NECROVOID. Nach dem kurzen „Intro“ folgen mit „The Unreachable Exaltation Of Consumption“ und „A Respite From The Swallowing Of Existence“ zwei Stücke, die den Hörer ebenfalls in eine Welt jenseits angenehmer Hörgewohnheiten befördern. Allerdings setzen die ursprünglich aus Costa Rica stammenden und inzwischen in Spanien ansässigen Musiker andere Akzente als ihre deutschen Mitstreiter.
Während NEKUS ihre Abgründigkeit aus dem Kontrast zwischen eruptiver Gewalt und zäher Langsamkeit beziehen, wirkt der Ansatz von BLOODSOAKED NECROVOID noch stärker auf eine alles verschlingende Atmosphäre ausgerichtet. Die Musik bewegt sich zwischen Death Doom und einer zermalmenden Grind-Ästhetik. Klassische Genregrenzen spielen dabei eine untergeordnete Rolle. Die Songs erstarren nicht in einer einzigen Bewegung, sondern entfalten ihre Wirkung durch Veränderungen innerhalb dieser bedrückenden Grundstimmung. Die Atmosphäre steht dabei keineswegs im Widerspruch zur Brutalität, sondern verstärkt diese noch. Die beiden Hauptstücke bilden damit einen passenden Gegenpol zu „Dakhma“. Sie sind kompakter, verzichten aber keineswegs auf ausgedehnte Spannungsbögen.
Der eigentliche Gewinn dieser Split liegt im direkten Vergleich. NEKUS präsentieren sich als die unberechenbarere, stärker von Kontrasten geprägte Formation. BLOODSOAKED NECROVOID setzen dagegen stärker auf die Verdichtung einer finsteren Atmosphäre und auf eine schleppende, zermürbende Form der Brutalität. Beide Ansätze ergänzen sich hervorragend, weil keine der beiden Bands versucht, die andere zu imitieren. Stattdessen entsteht ein stimmiges Gesamtbild, das die unterschiedlichen Facetten eines besonders abseitigen Death Metal auslotet. Die gemeinsame Vorliebe für archaische Klanggewalt und morbide Klangräume verbindet die Beiträge, während die jeweiligen kompositorischen Eigenheiten für ausreichend Abwechslung sorgen.
Natürlich verlangt „Funerary Rites Of Ancient Doom“ seinem Publikum einiges ab. Wer Death Metal vor allem als Vehikel für technische Virtuosität, eingängige Riffs oder möglichst abwechslungsreiche Songstrukturen versteht, dürfte mit dieser Veröffentlichung nur bedingt glücklich werden. Auch die bewusst sperrige Ausrichtung und die ausgedehnten Passagen sind nicht unbedingt für jeden Geschmack geeignet. Doch gerade für Freunde eines kompromisslosen, atmosphärisch dichten Underground-Sounds dürfte der Reiz auf der Hand liegen.
„Funerary Rites Of Ancient Doom“ vereint zwei Bands durch ein gemeinsames Verständnis von Death Metal als düsteres, körperlich spürbares Klangritual. Wer es roh, klaustrophobisch und kompromisslos mag, sollte hier definitiv genauer hinhören.
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