Konzertbericht: Behemoth w/ Dimmu Borgir, Dark Funeral

13.10.2026 München, Zenith

Als „Unholy Trinity“ mit SATYRICON und ROTTING CHRIST haben BEHEMOTH 2025 Geschichte geschrieben und die größten Hallen bespielt, in denen reine Black-Metal-Packages je zu sehen waren (Metal1.info berichtete). Eineinhalb Jahre später knüpfen BEHEMOTH nun direkt daran an: „In League With Satan“ mit den nicht minder legendären DIMMU BORGIR und DARK FUNERAL kehren BEHEMOTH in München ins Zenith zurück. Wer nicht zurückkommt, sind die Fans – oder zumindest Teile des damaligen Publikums: Denn hatte schon das 2025er-Package die Halle mit ihren 6000 Plätzen nur etwa zur Hälfte voll gemacht, bleibt sie heute noch leerer.

Erklärungen dafür gibt es viele: War die Show 2025 in München auf einen Samstag gelegt, macht der Tourtross diesmal an einem Mittwoch in München halt. Kosteten die Tickets 2025 noch 66 €, sind jetzt knapp 88 € fällig. Und wenn man ehrlich ist, sind auch die Vorbands diesmal aus verschiedenen Gründen nicht so attraktiv: Anders als ROTTING CHRIST sind DARK FUNERAL kein Garant für eine mitreißende Show, und DIMMU BORGIR haben mit „Eonian“ einiges an Zuneigung verspielt, das ihnen auch das starke neue Album noch nicht wieder eingebracht hat.

Dass die Halle vor Vorfreude vibrieren würde, als DARK FUNERAL um 19:00 Uhr die Bühne betreten, kann man also wirklich nicht behaupten. Das macht erst einmal nichts: Um beim direkten Vergleich zu bleiben, mussten auch ROTTING CHRIST im Vorjahr erst für Stimmung sorgen. Das gelang den Griechen allerdings mit links. DARK FUNERAL hingegen bemühen sich nicht einmal darum. Die knapp 35 Minuten, die DARK FUNERAL zugestanden wurden, nutzen die Schweden für gerade einmal fünf Songs und ein Drumsolo – ihre Hits lassen sie dabei großzügig außen vor: Es mag ja sein, dass „The Secrets Of The Black Arts“ eine lange Historie hat. Im Vorprogramm einer Band wie BEHEMOTH hätte sich ein packendes Melodie-Monster wie „Atrum Regina“ oder das mitreißende „My Funeral“ weit mehr angeboten.

Mehr noch als das „Was“ enttäuscht hier aber das „Wie“: Von Sänger Heljarmadr abgesehen, der aber auch nur stur seine Show abzieht („Hail Satan!“), wirkt die Band vollkommen abwesend – insbesondere Bandleader Lord Ahriman scheint nur körperlich anwesend zu sein.

Das betrifft leider nicht nur das (nicht vorhandene) Stage-Acting, sondern auch die Performance selbst: So verpasst Ahriman direkt seinen Einsatz zum ersten Song, im weiteren Verlauf der Show schrammelt er mit so lascher Hand lahme Achtelnoten, dass man weinen möchte, wenn man an das Feuer denkt, das dereinst in dieser Band gesteckt hat. Wenn „The Arrival Of Satan’s Empire“ so unspektakulär ausfällt, kann es meinetwegen auch wegbleiben. Es mag undankbar sein, als Szenegröße mit fast 35 Jahren Historie vor einer halb leeren Halle dieser Größe für 30 Minuten den Opener geben zu müssen. Wer diese Aufgabe so unambitioniert herunterreißt, braucht sich über die Gleichgültigkeit des Publikums nicht zu wundern: Diese Darbietung pendelt zwischen Blamage und Frechheit.

  1. Unchain My Soul
  2. The Secrets Of The Black Arts
  3. The Arrival Of Satan’s Empire
  4. Let The Devil In
  5. Where Shadows Forever Reign

Dass DARK FUNERAL die Latte so niedrig gelegt haben, mag DIMMU BORGIR in die Karten spielen – doch die Norweger müssen heute keinen Vergleich fürchten: Vom Moment an, als um 20:00 Uhr der Vorhang fällt, präsentieren sich DIMMU BORGIR nicht nur in Sachen Show wie ein Headliner, sondern wirken auch verglichen mit ihrem eigenen Auftreten in den letzten Jahren wie ausgewechselt: Die Bräsigkeit und Theatralik, die musikalisch im kitschüberladenen „Eonian“ gipfelte, ist wie eine Staubschicht weggeblasen. Darunter erstrahlen DIMMU BORGIR im alten Glanz. Dass der Klargesang nach wie vor vom Band kommt, ist ein Wermutstropfen im ansonsten reinen Wein, den DIMMU BORGIR ihren Fans heute einschenken. Denn egal, ob Songs von ihrem neuen Album „Grand Serpent Rising“ oder Live-Raritäten wie „Cataclysm Children“, das die Band in den letzten 20 Jahren nur ein knappes Dutzend Mal gespielt hat, oder „Reptile“, das auf dieser Tour zum ersten Mal seit 2009 im Set der Norweger zu finden ist: Heute funktioniert alles.

Mehr noch als an der spektakulären Inszenierung mit rundum stimmigem Bühnenbild, perfekter Lightshow und viel Feuer liegt das an der Band selbst: Technisch fit, perfekt aufeinander eingespielt und mit sichtlicher Freude bei der Sache wirken DIMMU BORGIR in der Post-Galder-Ära wie in einen Jungbrunnen gefallen. Da zwickt ein Shagrath seinem CHROME-DIVISION-Kumpanen Damage an der Gitarre auch mal mit schelmischem Grinsen in den Hintern, Victor Brandt und Keyboarder Gerlioz machen gemeinsam Faxen und selbst Silenoz im gestrengen Offiziers-Look kann sich ein gelegentliches Grinsen nicht verkneifen. Wer vorab in die Setlist geschaut hat, dürfte nur über das unerwartete Fehlen des VENOM-Covers „Evil In League With Satan“ – mitsamt Nergal-Feature – betrübt sein. Ansonsten gibt es an dieser Darbietung nichts, aber auch wirklich gar nichts auszusetzen. Na gut, die zwei „Eonian“-Songs hätte es nicht gebraucht …

  1. Ulvgjeld & Blodsodel
  2. Mourning Palace
  3. Kings Of The Carnival Creation
  4. Council Of Wolves And Snakes
  5. Ætheric
  6. Ascent
  7. Cataclysm Children
  8. The Serpentine Offering
  9. Puritania
  10. Gateways
  11. Progenies Of The Great Apocalypse

Durch DIMMU BORGIR sichtlich in Stimmung gebracht, ist in der 45-minütigen Umbaupause nun auch endlich Vorfreude im Publikum zu spüren. Diese entlädt sich schlagartig, als um 21:45 Uhr der seidig-weiße Vorhang fällt und den Blick auf die Bühne und BEHEMOTH freigibt, die mit „Daimonos“ eröffnen. Der Blick fällt auf ein stattliches Bühnenbild mit seitlichen Aufbauten sowie mannigfaltigen Möglichkeiten, Feuer zu entfachen – man verrät nicht zu viel, wenn man sagt: Möglichkeiten, die BEHEMOTH im Verlauf der Show voll ausschöpfen. Feuerschalen, Feuersäulen, Flammenwerfer – an der Pyrotechnik haben BEHEMOTH nicht gegeizt. Und auch sonst ist der Auftritt der Inbegriff der perfekten Inszenierung: Masken, Blut, Positionswechsel, Posen – Nergal und Konsorten haben das Show-Prinzip im Extreme-Metal zu Ende gespielt.

Da die Polen nie freiwillig von ihrem durchgetakteten Ablauf abweichen würden, ist der technische Defekt, der nach „To Drown The Svn In Wine“ für eine knapp 15-minütige Unterbrechung sorgt, auf gewisse Weise fast erfrischend: Zwar gehen den Fans aufgrund der Verzögerung und der strikten Lärmschutz-bedingten Deadline um 23:00 Uhr zwei Songs verloren („Bartzabel“ und „Shaves Shall Serve“) – die trotzige Jetzt-umso-doller-Attitüde, mit der BEHEMOTH die letzten drei Songs raushauen, hat dafür ihren ganz eigenen Charme. Insbesondere, da nun doch noch das VENOM-Cover „Evil In League With Satan“ ertönt – inklusive eines lässigen Gastauftritts des bereits abgeschminkten Shagrath. Und auch im wütenden „Chant For Eschaton 2000“ meint man den Groll über die Unterbrechung noch herauszuhören. Bei „O Father O Satan O Sun!“ sind BEHEMOTH zurück in der Routine. Das ist, immer und immer wieder, beeindruckend – aber eben auch Routine.

    1. Daimonos
    2. Ora Pro Nobis Lucifer
    3. Thy Becoming Eternal
    4. The Shit Ov God
    5. Conquer All
    6. Blow Your Trumpets Gabriel
    7. I, Scvlptor
    8. Ov Fire And The Void
    9. To Drown The Svn In Wine
      —
    10. In League With Satan (VENOM-Cover)
    11. Chant For Eschaton 2000
    12. O Father O Satan O Sun!

BEHEMOTH bleiben im Extreme-Metal die Meister der Inszenierung, daran ändert auch eine lästige Unterbrechung aufgrund technischer Probleme nichts. Ein paar menschliche Regungen im ansonsten gänzlich perfektionierten Auftreten der Polen tun der Show trotzdem überraschend gut. DIMMU BORGIR brauchen dafür nicht einmal einen Weckruf – die Norweger sind der lebendige Beweis, dass ein Besetzungswechsel tatsächlich eine Wiederbelebungsmaßnahme sein kann. Eine solche hätten DARK FUNERAL dringend nötig: Der Auftritt hat den Esprit von Sürströming. Hier wendet sich der Gast mit Grausen …

Die übergeordnete Frage aber ist, ob Black Metal das große Spektakel und vor allem die gigantischen Hallen braucht – beziehungsweise verträgt. Dass Nergal in Hallen wie dem Zenith noch auf einem Podest stehend mit zwei Flammenwerfern um sich feuern kann, dürften Puristen nicht unbedingt als „Pro“ durchgehen lassen. In jedem Fall müssten BEHEMOTH ihren Fokus vom Spektakel mal wieder auf das Songwriting verschieben, um musikalisch nicht völlig an Relevanz zu verlieren. Vielleicht können DIMMU BORGIR hier als Inspiration dienen – genug Zeit für Austausch dürften Nergal und Shagrath auf dieser dreiwöchigen Tour ja haben.

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Moritz Grütz

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