Review Urzirkel – In Silbernen Sprachen

  • Label: Vendetta
  • Veröffentlicht: 2026
  • Spielart: Black Metal

Es ist immer ein interessantes Unterfangen, wenn Musiker eine neue Band gründen, obwohl ihre bisherige Arbeit bereits deutliche Spuren hinterlassen hat. Drei Viertel der letzten TOADEATER-Besetzung finden sich bei URZIRKEL wieder. TOADEATER hatten sich zwischen 2018 und 2024 mit einer Mischung aus Black Metal, Post-Black-Metal, Crust- und Hardcore-Einflüssen einen Namen gemacht.

URZIRKEL klingt nun nicht einfach wie „Toadeater in Schwarz“. Die Debüt-EP „In Silbernen Sprachen“ ist roher, unmittelbarer und stärker auf eine rituelle Atmosphäre ausgerichtet. Die vier Stücke kreisen um einen imaginären alten Kult, um Erde, Blut, Verfall, Tod und Wiedergeburt. Das Konzept ist dabei keineswegs nur Dekoration: Die Musik versucht tatsächlich, das Gefühl einer Liturgie zu erzeugen.

Schon „Niebo I Ziemia“ macht deutlich, wohin die Reise geht. Auf eine dunkle, fast beschwörende Gitarrenpassage folgt roher Black Metal, dessen Raserei immer wieder von melodischen und ruhigeren Momenten durchbrochen wird. Gerade diese Wechsel gehören zu den großen Stärken der EP. URZIRKEL verstehen, dass Aggression nur dann Wirkung entfaltet, wenn sie nicht permanent auf Anschlag steht. Die Blastbeats treffen deshalb umso härter, wenn ihnen ein schleppender oder atmosphärischer Abschnitt vorausgeht.

Zwischen der Kälte des Black Metal schimmern immer wieder melancholische Melodien hervor. Dadurch bekommt das Material eine eigentümliche Traurigkeit, die verhindert, dass „In Silbernen Sprachen“ zu einer bloßen Raw-Black-Metal-Übung verkommt. „Himmlischer Funke“ führt diesen Ansatz weiter und verstärkt gleichzeitig die rituelle Seite. Ruhige Gitarren, Sprechpassagen und der kontrollierte Spannungsaufbau lassen das Stück beinahe wie eine Zeremonie wirken, bevor wieder die harsche Gitarrenwand über den Hörer hereinbricht. „Heiliger Kreis“ ist anschließend vielleicht der stärkste Beleg dafür, dass URZIRKEL mehr wollen als möglichst authentisch klingenden Underground-Black-Metal. Der Song arbeitet mit verschiedenen Geschwindigkeiten und entwickelt aus seinen zunächst schweren, bedrohlichen Passagen eine regelrechte Sogwirkung. Gerade der spätere, hypnotische Tremolo-Part gehört zu den Höhepunkten der EP, die mit „Król Duch“ anschließend ihr emotionales Ende findet.

Diese musikalische Vorgeschichte der Bandmitglieder hört man URZIRKEL durchaus an, allerdings eher als musikalische Reife denn als direkte Zitatensammlung. Die Musiker wissen, wie man Dynamik erzeugt, wie man lange Spannungsbögen aufbaut und wie ein Riff emotional funktionieren kann.

Ganz ohne Einschränkungen kommt die EP allerdings nicht davon. Die größte Gefahr liegt darin, dass URZIRKEL ihre Atmosphäre stellenweise mit vertrauten Black-Metal-Bausteinen erzeugen. Tremolo, Blastbeats, hohe Schreie, melancholische Leads und rohe Produktion sind wirkungsvoll, aber keineswegs neu. Gerade im heutigen atmosphärischen Black Metal gibt es reichlich Konkurrenz, die mit ähnlichen Mitteln arbeitet. Auch wenn URZIRKEL eine erkennbare eigene Handschrift entwickeln, sind sie von einer wirklich unverwechselbaren Klangsprache noch ein Stück entfernt. Das sind allerdings nur kleine Kritikpunkte an einer Debüt-EP, die sich bereits auf einem sehr hohen Niveau befindet und Lust auf ein vollständiges Album macht!

„In Silbernen Sprachen“ zeigt eine Band, die ihre Vergangenheit kennt, aber nicht in ihr stecken bleiben will. Wenn URZIRKEL die hier bereits vorhandene Mischung aus Rohheit, Melancholie und ritueller Intensität auf einem längeren Werk weiterentwickeln, könnte aus diesem vielversprechenden Debüt noch etwas Großes wachsen.

 

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Samir Kharboutli

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