In den letzten Jahren hat der spanische Underground eine ganze Reihe viel versprechender Bands hervorgebracht, darunter IRON CURTAIN, LÖANSHARK oder auch SAVAGED. Seit 2013 aktiv kann man die aus Katalonien stammenden STREAMER nur schwerlich noch als Newcomer betrachten, da ihre ersten zwei Alben jedoch von der Band in Eigenregie veröffentlicht wurden, sind sie zumindest hierzulande noch ein weithin unbekannter Name. Das könnte sich nun ändern, denn mit High Roller Records hat sich ein in der NWOTHM hoch angesehenes Label als Verleger für ihr neuestes Album „Into The Void“ gefunden.
Eines sei gleich vorweggenommen: Sonderlich originell geht es bei STREAMER nicht zu. Im Bestreben, ihren Helden möglichst authentisch nachzueifern, bedienen sich die Spanier munter bei den stilbildenden Elementen ihrer Vorbilder. Selbige fallen allerdings anders als bei vielen anderen Vertretern der Sparte NWOTHM aus, denn auf das eher amerikanische geprägte „The Day That Barchinona Died“ folgt mit „No Turning Back“ eine Nummer, die eindeutig von KING DIAMOND inspiriert ist. Das ist in der Szene kein absolutes Novum, kannte man aber zuletzt von den seit 2015 aufgelösten IN SOLITUDE oder PORTRAIT. Später werden die Inspirationsquellen in „Insane World“ noch einmal ähnlich offensichtlich, denn hier wurde die Truppe offenbar von HELSTAR beeinflusst.
Passend zu den genannten Genregrößen bewegen sich STREAMER auf „Into The Void“ vornehmlich im Midtempo-Bereich und konzentrieren sich in ihren Songs in erster Linie auf groß angelegte, atmosphärische Arrangements. Aus songwriterischer Perspektive ist das deutlich anspruchsvoller als permanent das Gaspedal durchzudrücken und man muss der Truppe zugestehen, dass sie dabei eine ziemlich gute Figur macht – man höre hierzu etwa „Never Said Goodbye“. Rockig und geradlinig können die Burschen auch, was vor allem in unkomplizierten Songs wie dem von einem großartigen Mainriff angetriebenen „Rock All Around“ überzeugen kann.
Damit schicken STREAMER ihre Hörerschaft in eine arge Zwickmühle. Einerseits sind die Vorbilder der Band mehr als offensichtlich und die Truppe kupfert geradezu eiskalt bei ihnen ab. Andererseits ist die Musik der Mannschaft vor diesem Hintergrund auch ziemlich abwechslungsreich, weshalb auf „Into The Void“ nie Langeweile aufkommt. Das spiegelt sich auch in der Performance von Sänger Adriano Molina wieder, der mit James Rivera oder eben King Diamond auf den Pfaden von gleich mehreren Legenden wandelt und es tatsächlich schafft, deren Stil überzeugend zu emulieren. Damit ist der Mann immer noch nicht sonderlich individuell, aber man muss ihm großes Können attestieren.
Die personellen Überschneidungen mit ihren Landsleuten SAVAGED kommen bei STREAMER nicht von irgendwo, denn auch inhaltlich gibt es zwischen den Gruppen zumindest eine deutliche Parallele: Auch bei dieser Band hört man in fast jedem Song überdeutlich, wem sie in der jeweiligen Nummer Tribut zollt. Damit verfehlen es die Spanier selbst auf ihrem dritten Album nahezu komplett, ihr eigenes Profil zu schärfen. Nichtsdestotrotz ist „Into The Void“ voll von stimmigen Old-School-Metal-Songs, die allesamt großen Spaß machen und absolut stilecht umgesetzt sind. Ob STREAMER sich nach drei Alben noch eine ausgeprägtere eigenen Identität schaffen werden, ist fraglich, aber Garant für soliden Heavy Metal der alten Schule bleiben sie in jedem Fall.
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Wertung: 7 / 10


