Das Cover von "The Venomous" von Nightrage

Review Nightrage – The Venomous

Die griechisch-schwedischen Melodic Death Metaller NIGHTRAGE und allen voran ihr Gründer Marios Iliopoulos sind echte Arbeitstiere: Seit ihrer Gründung im Jahr 2000 hat die Truppe praktisch durchgehend im Zwei-Jahres-Takt neue Alben veröffentlicht, mit denen die Herren ihre Fans trotz teils recht drastischer Besetzungswechsel stets begeistern konnte. Im vergangenen Jahr begab sich die Mannschaft bereits zum siebten Mal ins Studio, wobei das Resultat diesmal auf den einprägsamen Namen „The Venomous“ hört.

Größte Neuerung auf „The Venomous“ ist ironischerweise, dass sich in den letzten zwei Jahren bei NIGHTRAGE nahezu nichts verändert hat: Ihre neue Platte haben die Herren beinahe in der gleichen Besetzung wie den Vorgänger „The Puritan“ eingespielt, sieht man mal davon ab, dass mit Lawrence Dinamarca ein neuer Drummer in die Band gekommen ist. Achja, und mit Magnus Söderman ist noch ein neuer Gitarrist an Bord – ist aber eigentlich egal, denn NIGHTRAGE sind in erster Linie das kreative Vehikel von Bandkopf Marios Iliopoulos, weshalb etwaige Umbesetzungen auf den Sound der Melodic Death Metaller allenfalls geringfügigen Einfluss haben.

Somit spielen die Herren auch auf „The Venomous“ ihren gewohnten Stiefel, was hier jedoch im denkbar positivsten Sinne aufzufassen ist: Einerseits glühende Verfechter des traditionellen Göteborg-Sounds hauen NIGHTRAGE ihrer Hörerschaft auch hier wieder astreinen Melodic Death Metal nach schwedischem Vorbild um die Ohren, wobei in Songs wie „In Abhorrence“, „Catharsis“ und „Disturbia“ stets auch At The Gates als Einfluss mitschwingen – macht ja auch Sinn, schließlich war deren Frontmann Tomas Lindberg auch mal bei NIGHTRAGE beschäftigt. Gleichzeitig kombiniert Herr Iliopoulos beim Songwriting wuchtiges Todesblei-Riffing aber auch gerne mit stadiontauglichen Refrains im Fahrwasser von Traditions-Rockern wie etwa Def Leppard, was in dieser Zusammensetzung etwa in Nummern wie dem Titeltrack sowie „Affliction“ und „The Blood“ auch an amerikanische Formationen wie Shadows Fall zu erinnern vermag.

So garantiert die Band auch auf „The Venomous“ wieder ein hohes Maß an stilistischer Vielfalt, wobei groovende Songs wie „Bemoan“ oder auch „Trail Of Ghosts“ sogar beinahe als moderner Heavy Metal angesehen werden können. Obendrein agieren NIGHTRAGE hier gewohnt Vielschichtig, haben auch keine Angst vor der Akustikgitarre und der eigentlich dem Hardcore entliehene Frontmann Ronnie Nyman tut sich als stimmlich überaus variabel hervor. Kurz: Die Truppe ist ihrem Erfolgsrezept auch auf ihrer neuesten Platte voll und ganz treu geblieben und wem „The Puritan“ gefallen hat, den wird auch „The Venomous“ direkt in seiner Wohlfühlzone abholen. Mag ja sein, dass NIGHTRAGE hier fast nichts neues bieten, aber wie erwähnt präsentierte sich die Band schon immer stilistisch äußerst vielseitig und obendrein kann wohl kaum ein Fan von qualitativ hochwertigem Melodic Death Metal so schnell genug von den Gänsehaut-verdächtigen Melodien und Leadgitarreneskapaden aus der Feder des Herrn Iliopoulos bekommen.

Marios Iliopoulos weiß offenbar genau, was er will und das zieht er mit NIGHTRAGE jetzt Album für Album durch – ohne, dass dabei irgendwelche Ermüdungserscheinungen auftreten würden. Auf „The Venomous“ bietet die Truppe des Mannes einmal mehr mitreißenden Melodic Death Metal mit deutlichem Fokus auf große Melodien und ohne stilistische Scheuklappen. Das resultiert einer hervorragenden Dosierung von Kitsch und Härte, mit der NIGHTRAGE ihren Platz auf Augenhöhe mit Kollegen wie Arch Enemy oder Dark Tranquility weiterhin erfolgreich behaupten können.

Wertung: 8 / 10

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