CD-Review: Lindemann - Skills In Pills

Besetzung

Till Lindemann – Gesang
Peter Tägtgren – Gitarre, Bass, Schlagzeug, Synthesizer

Tracklist

01. Skills In Pills
02. Ladyboy
03. Fat
04. Fish On
05. Children Of The Sun
06. Home Sweet Home
07. Cowboy
08. Golden Shower
09. Yukon
10. Praise Abort
11. That’s My Heart


Schon die Ankündigung dieses Projektes schlug ein wie eine Bombe: Peter Tägtgren, schwedischer Metal-Produzent, Sänger der Death-Metaller Hypocrisy und Kopf des Elektro-Metal-Projektes Pain, macht gemeinsame Sache mit Deutschlands wohl bekanntestem Rock-Sänger, Till Lindemann. Ein Mann, der sich auf harte Riffs, Elektronika und Produktion versteht, trifft auf den Meister des gerollten R, das Rammstein zu Weltruhm verhalf – definitiv also ein Projekt mit Potential.

Mit der Euphorie ist es jedoch bald vorbei, widmet man sich dem Debüt „Skills In Pills“ erst einmal eingehender als nur durch Betrachtung der lustigen Bildchen im Booklet. Dann wird nämlich schnell klar, dass keiner der beiden seinen Part wirklich zufriedenstellend erfüllt hat: Während Peter sich scheinbar zum Ziel gemacht hat, mal ein wirklich belangloses Pain-Album aufzunehmen und die Songs dem im Gothic verwurzelten Till zu Liebe mit kitschigem Pathos zu überladen, hat dieser sich mit englischen Texten revanchiert, um Peter an seinen lyrischen Ergüssen teilhaben zu lassen. Wer Songs wie „America“, „Pussy“ oder „Stripped“ kennt, weiß, dass auch das keine allzu gute Idee ist.

In der Folge klingt die Musik auf „Skills In Pills“ in ihren starken Momenten nach Pain (gleich der Opener und Titeltrack mit seinen Parallelen zu „Zombie Slam“ ist hier ein perfektes Beispiel), in ihren schwächeren nach billigem New Wave / Dark Metal, wie man ihn in jeder Gothic-Disko rauf und runter hören kann – in ähnlicher Qualität, allerdings von deutlich weniger prominenten Interpreten.
Auch gesanglich bleibt LINDEMANN auf ebendiesem Niveau: Mag Tills konsequent deutsche Aussprache des Englischen auch noch so typisch für den Rammstein-Sänger sein – als Stilmittel kann man dieses bisweilen nur schwer erträgliche Unvermögen beim besten Willen nicht durchgehen lassen. Man stelle sich bloß einmal vor, eine Newcomer-Band würde sich mit solchem Vorschul-Englisch um Sendezeit oder einen Plattenvertrag bemühen …

Erschreckender noch als die Aussprache sind die Texte selbst. Jedoch nicht ihres Inhalts wegen, sondern weil Lindemanns Lyrik in der Fremdsprache schlichtweg jedweder Witz, jede subtile Pointierung verloren geht. Was bleibt, sind platte Texte über Transsexualität („Ladyboy“), Fat Admiring („Fat“) oder Urophilie („Golden Shower“), die in einer aufgeklärten Gesellschaft und in Zeiten von „50 Shades Of Grey“ nicht einmal mehr sexuell kreativ sind – von provokant ganz zu schweigen. Diesen selbstgestellten Anspruch erfüllt höchstens noch das (auch im Musikvideo) drastisch überzeichnete „Praise Abort“, welches sich vom Niveau ungefähr auf einem Level mit dem Rammstein-Track „Pussy“ bewegt, dabei aber Witz und Wumms vermissen lässt.

Wem Bands wie die Deathstars zu soft sind, der wird an LINDEMANN keine Freude haben. Denn wer sich im Vorhinein der Hoffnung hingegeben hatte, LINDEMANN könnte durch das Mitwirken von Peter Tägtgren musikalisch härter ausfallen als Rammstein, wird hier rasch eines Besseren belehrt: Sieht man von dem einen oder anderen „schmutzigen Vers“ ab, ist „Skills In Pills“ definitiv das radiotauglichste Album, an dem Peter Tägtgren oder Till Lindemann je mitgewirkt haben. Der eine oder andere Ohrwurm bleibt dem Hörer so zweifelsohne – ob man sich darüber freuen kann, steht auf einem anderen Blatt.

Bewertung: 6 / 10

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6 Kommentare zu “Lindemann – Skills In Pills”

      1. Tobi

        Na sicher ;) Im Review steht doch eigentlich nur negatives. Zwar steht dann im letzten Absatz noch das es ein paar Ohrwurm Lieder gibt, aber über die kann man sich scheinbar auch nicht freuen. Das hört sich nach mir nach einer 3 bis max. 4 an. Sicher kann man über Punkt-Wertungen wunderbar streiten, aber eine 6 heißt doch letztlich noch knapp ÜBER dem Durchschnitt.

        1. Moritz Grütz Post Author

          Achso, in diese Richtung unpassend. Dann hatte ich deinen ersten Kommentar eh völlig falsch interpretiert, ich dachte, es wären dir zu wenig Punkte.

          Zum Kern der Diskussion: Fakt ist, dass das Album einem gewissen Standard entspricht, was die Produktion und natürlich auch das Songwriting angeht. Dass es in den starken Momenten nach Pain klingt, ist das ja nicht ganz verkehrt, die Ohrwurm-Geschichte in Verbindung mit der Radiotauglichkeit sind halt zwei Punkte, die mir nicht gefallen, was aus dem Text denke ich auch so herauskommt, was aber, gerade wegen meiner ebenfalls geschilderten Erwartungshaltung noch subjektiver ist, als die Auffassung und Beurteilung von Musik generell schon ist: schließlich sind soft und radiotauglich keine absolut-negativ konnotierten Begriffe.

          Ich denke, in diesem Kontext, ist es gerechtfertigt, ausführlich zu beschreiben, warum es die Erwartungen enttäuscht und gefühlt hinter den Möglichkeiten der beiden beteiligten Musiker zurückbleibt, ohne am Ende eine vernichtende Wertung zu ziehen, die dem Album vom Handwerklichen her einfach nicht gerecht würde.

          1. LiquidSoul235

            @Moritz
            Ich stimme Tobi zu, die 6 Punkte sind selbst nach deiner Ausführung etwas schleierhaft, denn dann ist das Album maximal durchschnittlich = 5 Punkte auf ner 10er Skala = handwerklich gut aber nichts besonderes.
            Es geht mir nicht mal so sehr um das Lindemann-Album, ich persönlich finde das ist totale Grütze, Punktbewertungen an sich sind halt nicht optimal, da oft nur Belangloses im Reviewtext steht und dann eine Wertung druntergeklatscht wird (am besten ne 7,5 oder so…). Ist jetzt bei dieser Besprechung ausdrücklich nicht so, da ja die Kritik richtig formuliert wurde, nur die Begründung für deine leicht überdurchschnittlich Note kam halt erst im Nachgang.

  1. Moritz Grütz Post Author

    Dass eine 100% korrekte Punktwertung immer schwierig ist, steht außer Frage – deshalb beschränken wir uns ja auch nicht darauf, Alben Punkte zu geben, sondern bewerten sie in umfangreichen Reviews mit Worten. Wenn im Reviewtext nur belangloses steht, mag das oft (nicht hier ;) ) auch daran liegen, dass ein Album schlichtweg wenig Möglichkeiten bietet, sich darüber näher auszulassen – weil schon das Album selbst belanglos ist. 7.5 sollte es dann zwar nicht unbedingt bekommen, aber gerade im Mittelfeld, wo es keine echten Extreme zu rügen oder freiern gibt, ist es oft schwer, ein langweiliges Album interessant zusammenzufassen.

    Die Begründung der Benotung steht hier, wie ich finde, durchaus im Text. Der Nachtrag war nur, um das nochmal zu verdeutlichen, aber wirklich neues habe ich da eigentlich nicht geschrieben ;)

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