CD-Review: Paradise Lost - One Second

Besetzung

Nick Holmes - Gesang
Greg Mackintosh - Gitarre, Keyboard, Hintergrundgesang
Aaron Aedy - Gitarre
Stephen Edmondson - Bass
Lee Morris - Schlagzeug

Tracklist

01. One Second
02. Say Just Words
03. Lydia
04. Mercy
05. Soul Courageous
06. Another Day
07. The Sufferer
08. This Cold Life
09. Blood Of Another
10. Disappear
11. Sane
12. Take Me Down
13. I Despair


PARADISE LOST gehören Mitte der 90er Jahre fraglos zu den hoffnugsvollsten Acts im Gothic Metal. Los ging es wie bei vielen Bands dieser Zeit im Death- / Doom-Sektor, aber schon die frühen Werke wiesen Spuren von düsterer Melodik auf. „One Second“ ist aus meiner Sicht der letzte wirkliche Höhepunkt der Band, die großartige Alben wie „Icon“ und vor allem „Draconian Times“ abgeliefert hat.

Der eine oder andere mag sich im Sommer 1997 etwas verwundert die Augen gerieben haben. Sicherlich war PARADISE LOST als eine recht wandelbare Band bekannt, scheute auch Keyboards und cleane Gitarren nicht, ebenso wenig wie dezente Anleihen von Eingängigkeit. Aber die wenig entwickelte, leicht engstirnige Metalszene vor 15 Jahren war schon überrascht ob der aus damaliger Sicht massiven Elektroeinflüssen. Dies führte auf der einen Seite zu einiger Ablehnung, andererseits öffneten sich so für die Briten neue Türen wie beispielsweise der spätnächtliche Auftritt im Alternatent bei Rock am Ring im darauffolgenden Jahr. Aus heutiger Sicht lässt sich die Platte natürlich leichter bewerten. Riskierte man damals Kopf und Kragen, wenn man Songs wie die Single „Say Just Words“ oder die weitaus experimentierfreudigeren „Sane“ und „Take Me Down“ abfeierte. Alleine an diesem Output zeigt sich, was sich alles getan hat – und auch, dass es gut war. Unter dem Strich ist „One Second“ sicherlich die ausgefeilteste Scheibe, die Holmes und Co zu Stande bekommen haben. Gekonnt schweben sie zwischen gehobenem Metalanspruch, balladesken Klängen und beinahe schon kommerziell klingenden Pop-Rock-Songs. Auffällig ist vor allem die Trimmung auf Radiolänge bei einigen Liedern, länger als Vierdreivieltelminuten läuft auch nur das angesprochene „Take Me Down“ ins Ziel. Man wird also schnell warm mit der Musik, erstaunlicherweise schaffen es PARADISE LOST, auch nach vielen Jahren noch interessant zu klingen, was ihnen später nicht mehr so recht gelingen wollte.
Hier aber läuft alles gnadenlos gut ab; ein wenig fehlt die düstere Wohlfühlatmosphäre, die „Draconian Times“ zum besten Album der Engländer macht, dafür bekommt man aber einen wesentlich transparenteren Sound geboten, auch wenn man darüber streiten kann, ob eine Band wie PARADISE LOST unbedingt ein glattgebügeltes Gewand tragen müssen. Nun, es steht ihnen jedenfalls nicht schlecht, vielelicht waren sie in ihrem Genre mit diesem Album etwas zu früh dran. Dass sie aber voll dahinter stehen, zeigen sie mit dem Nachfolger „Host“, auf dem von Metal überhaupt keine Rede mehr sein kann. Da wurde ein Weg konsequent gegangen.
Hier kann man insgesamt kurz machen. Songs wie „Say Just Words“, die wunderbare Prostituierten-Ballade „Lydia“ oder das zackige „Disappear“ machen das Album zu einem echten Klassiker, auch wenn man es natürlich nicht mit Gothic Metal in reiner Form zu tun hat. Die erste Top-Ten-Platzierung in den deutschen Charts ist sicherlich kein Zufall gewesen: hier bekommt man Musik für die Masse geboten, die aber auch dem geneigten Metalfreund gefallen wird.

Bewertung: 8.5 / 10

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